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Globale Studie über die Chancen von Jugendlichen : Reiche Eltern – arme Jugend?
Panorama 2 Min. 22.10.2015 Aus unserem online-Archiv

Globale Studie über die Chancen von Jugendlichen : Reiche Eltern – arme Jugend?

Unzufrieden mit den Verhältnissen für unter 25-jährige, startete Félix Marquardt in Frankreich 2012 die Kampagne „Barrez-Vous“.

Globale Studie über die Chancen von Jugendlichen : Reiche Eltern – arme Jugend?

Unzufrieden mit den Verhältnissen für unter 25-jährige, startete Félix Marquardt in Frankreich 2012 die Kampagne „Barrez-Vous“.
Foto: Privat
Panorama 2 Min. 22.10.2015 Aus unserem online-Archiv

Globale Studie über die Chancen von Jugendlichen : Reiche Eltern – arme Jugend?

Eine globale Studie des französischen Thinktanks „Youthonomics“ vergleicht die Chancen junger Menschen zwischen 15 und 25 Jahren in 64 Ländern. Das Großherzogtum liegt auf Rang 13 in der Einzelstudie „Youth Now“, die die derzeitigen Möglichkeiten der Jugend wiedergibt. Schlechter sieht es bei den Zukunftsaussichten aus.

Von Stefanie Hildebrand

Die zweite Einzelstudie „Youth Outlook“ belegt, dass außer Norwegen die meisten entwickelten Länder auf die unteren Plätze abrutschen: Luxemburg auf Platz 33, Deutschland 37 und Frankreich 41. Beide Studien zusammengenommen stehen Norwegen, die Schweiz und Dänemark an der Spitze, Luxemburg auf Platz 11.

Der Thinktank „Youthonomics“

Unzufrieden mit den Verhältnissen für unter 25-Jährige im Land, startete Félix Marquardt in Frankreich 2012 die Kampagne „Barrez-Vous“. Der Kommunikationsberater forderte die Jugend des Landes auf, ihr Glück im Ausland zu suchen: „Eine Gesellschaft, die ihre Jugend so behandelt, geht unter. Ihr lebt in einer ultra-zentralisierten, ausgehöhlten Gerontokratie.“ Gemeinsam mit dem Friedensnobelpreisträger José Ramos-Horta publiziert er den „Youthonomics Global Index 2015“ als Entscheidungshilfe für auswanderungswillige Jugendliche.

Beschrieben werden die „best practices“ der verschiedenen Länder, die der Jugend die besten Chancen bieten. „Die heutige Generation verbindet viel mit Gleichaltrigen auf der ganzen Welt. Sie merken, dass Sie auf nationaler Ebene keinen Einfluss haben und gehen nicht mehr wählen. Jetzt wählen sie indem sie weggehen, sie wählen mit den Füßen. Wir sehen es jetzt schon bei den Flüchtlingen. Nicht die Länder suchen sich die Flüchtlinge, sondern die Flüchtlinge suchen sich die Länder aus. Wir brauchen transnationale Lösungen für die großen Probleme unsere Welt. Ähnlich wie beim Klimawandel.“ Eine Forderung des Thinktanks „Youthonomics“ ist ein zweijähriges Arbeitsvisum für unter 25-jährige.

Wie sieht es in Luxemburg aus?

Luxemburg liegt bei den allgemeinen Arbeits- und Lebensbedingungen auf Platz 2 von 64, bei der Unterkategorie Löhnen sogar auf Platz 1 weltweit. Beim Wohlbefinden, das den sozialen Zusammenhalt, Sicherheit und Bürgerrechte misst, liegt Luxemburg auf Platz 15. Bei der Gesundheit, die die Lebenserwartung und Anzahl der Suizide weltweit vergleicht, auf Platz 7. Nicht mehr so rosig sieht es bei den Zukunftsaussichten aus. Bei den öffentlichen Finanzen belegt Luxemburg Platz 37 und einen noch schlechteren 44. Platz bei der politischen Einflussnahme, abgeschlagen hinter Ghana (1), Honduras (6) oder den Philippinen (8).

Die Studentin und Aktivistin Djuna Bernard fragt sich daher: „Geht es uns einfach zu gut? Ist unser Lebensstandard so hoch, dass die Jugend verlernt hat, sich für ihre Ziele und Wünsche einzusetzen? Kritisches Denken und etwas in Frage zu stellen muss erlernt und geübt werden, insofern ist ein Zentrum für politische Bildung wohl ein wichtiger Schritt in diese Richtung“. Auch Pol Reuter von der Union Nationale des Etudiants du Luxembourg (UNEL) stellt fest, dass in vielen europäischen Ländern die Jugend zunehmend als Randgruppe der Gesellschaft angesehen wird. „Für Luxemburg kommt noch hinzu, dass viele Jugendliche in Luxemburg kein Wahlrecht haben, weil sie entweder zu jung sind oder nicht über die luxemburgische Staatsbürgerschaft verfügen und dadurch die Einflussnahme noch weiter eingeschränkt wird. Die Zukunft der Jugend Luxemburgs sieht auch zunehmend düster aus: Die Kürzungen der Studienbeihilfen zeigen, dass das Ministerium keineswegs vor hat, weiter in die Jugend zu investieren.“ Er sieht die Lösung nicht in der Auswanderung der Jugendlichen: „Jugendarbeitslosigkeit löst sich nicht durch mehr Auswanderungsmöglichkeiten, sondern durch Schaffung von Arbeitsplätzen im Inland.“

www.youthnonomics.com


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