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Gericht stoppt Auktion von Auschwitz-Tätowierset
Panorama 1 2 Min. 04.11.2021 Aus unserem online-Archiv
Israel

Gericht stoppt Auktion von Auschwitz-Tätowierset

Die Stempel, hier zusammen mit einer Anleitung, stammen nach Angaben des Auktionshauses aus dem Vernichtungslager Auschwitz.
Israel

Gericht stoppt Auktion von Auschwitz-Tätowierset

Die Stempel, hier zusammen mit einer Anleitung, stammen nach Angaben des Auktionshauses aus dem Vernichtungslager Auschwitz.
Foto: Reuters
Panorama 1 2 Min. 04.11.2021 Aus unserem online-Archiv
Israel

Gericht stoppt Auktion von Auschwitz-Tätowierset

Tom RÜDELL
Tom RÜDELL
Ernstes historisches Interesse oder geschmackloser Voyeurismus? Kritiker der Auktion fordern, die Stempel gehörten in ein Museum.

Ein Gericht in Israel hat eine Auktion aussetzen lassen, bei der ein Satz Tätowierstempel aus dem Konzentrationslager Auschwitz verkauft werden sollte. Die Stempel sollen nach Angaben des Verkäufers dazu gedient haben, Häftlingen des Vernichtungslagers eine Nummer auf den Arm zu tätowieren. Als das Gericht die Auktion am Mittwoch stoppen ließ, standen die Gebote für die acht etwa Fingernagel-großen Zahlenstempel bei 3.400 Dollar, so die israelische Zeitung Haaretz


FILE - An undated image shows the main gate of the Nazi concentration camp Auschwitz in Poland.  Writing over the gate reads: "Arbeit macht frei" (Work Sets You Free). A 94-year-old man who was deported from the U.S. for lying about his Nazi past was ordered released from custody Friday Dec. 6, 2013 after a German court said it has "serious doubts" that he is fit to stand trial on charges he served as an Auschwitz death camp guard. The state court in Ellwangen,  said in a statement it had concluded that Hans Lipschis was suffering from the onset of dementia, based on two meetings with the suspect and a psychiatric assessment, and that he was easily disoriented.  (AP Photo/File)
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Holocaust-Überlebende hatten die Auktion angezeigt, das Bezirksgericht von Tel Aviv hatte daraufhin verfügt, dass sie bis zum 16. November unterbrochen werden muss. An diesem Tag soll eine Anhörung stattfinden und darüber entschieden werden, ob die Gegenstände weiter verkauft werden dürfen. Allerdings gibt es in Israel kein Gesetz gegen Privatverkäufe von Gegenständen, die mit dem Holocaust in Verbindung stehen. Das Gericht nannte keine Rechtsgrundlage für seine Entscheidung. 


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Dani Dayan, der Vorsitzende der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem, nannte die Auktion „moralisch inakzeptabel“. Pawel Sawicki, Sprecher der Auschwitz-Gedenkstätte in Polen sagte gegenüber Haaretz, Gegenstände wie die Stempel gehörten in entsprechende Museen oder Gedenkstätten. Der Auktionator hält dem entgegen, er sei selbst Enkel von Holocaust-Überlebenden, die tätowiert wurden. Er habe „dutzende Anrufe“ von Menschen erhalten, die die Stempel nach gewonnener Auktion an ein Museum spenden wollten.

Ein Holocaust-Überlebender zeigt seine Tätowierung bei einer Gedenkveranstaltung in Stockholm im Jahr 2013.
Ein Holocaust-Überlebender zeigt seine Tätowierung bei einer Gedenkveranstaltung in Stockholm im Jahr 2013.
Foto: Frankie Fouganthin / CC BY-SA 3.0

Im Vernichtungslager Auschwitz, das die Nazis von 1940 bis 1945 betrieben, starben mehr als 1,1 Millionen Menschen, geschätzt 960.000 davon waren Juden. Bei ihrer Ankunft wurde ihnen eine Nummer zugeordnet. Das Lager in Auschwitz war das einzige, das diese Nummer auf den Arm der Insassen tätowierte. Dabei kamen nach Auskunft des US Holocaust Memorial Museum in Washington entweder herkömmliche Tätowiermaschinen oder spezielle Stempel wie die in der Auktion zum Einsatz, die auswechselbare Zahlen aus etwa ein Zentimeter langen, breiten Nadeln enthielten. Diese Vorgehensweise offenbart die Brutalität des Holocaust: Die Stempel wurden den Lagerinsassen auf dem linken Unterarm unter die Haut getrieben, anschließend wurde Tinte in die Wunde gerieben. 

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Foto:  Memorial Ceremony at the Raoul Wallenberg square in Stockholm with Holocaust survivors. 27 January 2013. / Frankie Fouganthin / CC BY-SA 3.0

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