Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Geburtstagskind Eastwood: Karriere als Cowboy und Bürgermeister
Panorama 3 Min. 31.05.2015 Aus unserem online-Archiv

Geburtstagskind Eastwood: Karriere als Cowboy und Bürgermeister

Der Mann, der von Schwimmlehrer bis Bürgermeister schon fast alles war, feiert nun seinen 85. Geburtstag: Clint Eastwood.

Geburtstagskind Eastwood: Karriere als Cowboy und Bürgermeister

Der Mann, der von Schwimmlehrer bis Bürgermeister schon fast alles war, feiert nun seinen 85. Geburtstag: Clint Eastwood.
Foto: AFP
Panorama 3 Min. 31.05.2015 Aus unserem online-Archiv

Geburtstagskind Eastwood: Karriere als Cowboy und Bürgermeister

Ein Platz in der Kinogeschichte ist ihm sicher. Als Schauspieler, Regisseur, Produzent und Politiker hat Clint Eastwood alles erreicht, was in seiner Branche möglich ist. Doch auch im hohen Alter – er wird am Sonntag 85! – hat er nichts von seinem Enthusiasmus eingebüßt.

Von Rainer Holbe

Bereits in jungen Jahren erkannte Clint die Vorteile eines gesunden Selbstbewusstseins. Dabei war seine Unberechenbarkeit gleichzeitig auch seine Stärke. Der Spross einer Mittelstandsfamilie – 1930 in San Francisco geboren - schlug sich nach der Schulzeit als Lastwagenfahrer, Bademeister und Fakturist durch. Amerika steckte tief in der Depression und man akzeptierte jeden Job, den man kriegen konnte.

In Alter von 15 Jahren hatte Clint bereits seine heutige Größe von 1,93 Metern erreicht. „Ich war das perfekte Opfer für Komplexe aller Art“, erinnerte er sich später. „Ich war ein solcher Einzelgänger, so introvertiert, dass ich mich einfach nicht ausdrücken konnte.“

Klavier und Trompete

Doch der frühe Auftritt in einer Theaterinszenierung seiner Schule hatte Spuren hinterlassen und einen wichtigen Weg gewiesen. Am Klavier und auf der Trompete zeigte Eastwood bereits einiges Talent, auch wenn ihn der Sport damals mehr interessierte. Nach Ausbruch des Koreakriegs wurde der junge Mann zur Armee eingezogen, doch von einem Einsatz an der Front blieb er auf wunderbare Weise verschont. Stattdessen avancierte er zum Schwimmlehrer für junge Rekruten, ein ausgesprochen gemütlicher Posten.

In dieser Zeit traf Eastwood den Schauspieler David Janssen („Richard Kimble“), der sein künstlerisches Talent erkannte und ihm den Start in Hollywood ermöglichte. In der Western-Serie „Tausend Meilen Staub“ trieb Eastwood jahrelang Rinderherden über die Prärie und Revolverhelden in die Arme des Sheriffs. Nach seinen Erfolgen als wortkarger Held in Italo-Western wie „Für eine Handvoll Dollar“ wurde er mit dem umstrittenen Dirty-Harry-Thriller zum Symbol des unangepassten Mannsbilds, der sich seine eigenen Regeln macht und zynische Sprüche klopft.

Als Rentner im Weltraum

Doch Eastwood wollte mehr. Bereits 1968 gründete er eine eigene Produktionsfirma und führte bald darauf erstmals Regie. Mit Erfolg. Jeweils zwei Oscars erhielt er als Regisseur und Produzent für „Erbarmungslos“ und „Million Dollar Baby“. Wenig überrascht zeigten sich Publikum und Kritik über seinen Einstieg ins Charakterfach: Als vagabundierender Fotograf verliebte er sich in „Die Brücken am Fluss“ in die stille Landfrau Meryl Streep. Mittlerweile ein Klassiker.

Nach der aufwändigen Rentner-im-Weltraum-Saga „Space Cowboys“ wandte sich Clint Eastwood düsteren Dramen wie „Mystic River“ zu. Bereits vorher genoss er eine künstlerische Freiheit wie neben ihm im amerikanischen Kino nur noch Woody Allen. Er besetzte Kevin Costner gegen den Strich in „A Perfect World“ und entwickelte ein Gespür für den magischen Süden in „Mitternacht im Garten von Gut und Böse“.

Als politisches Vermächtnis hält Eastwood seinen Film „Invictus – Unbezwungen“, in dem er als Regisseur und Produzent das Leben des Freiheitskämpfers und Politikers Nelson Mandela beschreibt. Der Film und sein Hauptdarsteller Morgan Freeman wurden für mehrere Auszeichnungen nominiert, ein Erfolg an den Kinokassen blieb ihnen versagt. 

Rede an einen Stuhl 

Eastwoods 34. Regiewerk - das Scharfschützendrama „American Sniper“ - spielte im Frühjahr allein in den USA fast 350 Millionen Dollar ein. Es ist Hollywoods erfolgreichster Kriegsfilm und Eastwoods größter finanzieller Erfolg in einer langen Karriere.

Dass auf Clint Eastwood kein Klischee passt, bewies er auch als Bürgermeister seiner Heimatgemeinde Carmel. Nicht den wohlhabenden Nachbarn galt sein Interesse, er engagierte sich vorwiegend für die Rechte sozial benachteiligter Bürger. Als Mitglied der Republikaner wählte er Nixon und Reagan, hielt aber den Einmarsch der Amerikaner im Irak für einen Fehler und kritisierte öffentlich Präsident Bush.

Für Verwirrung bei Freund und Feind sorgte seine bizarre „Stuhl“-Rede beim Parteitag der US-Republikaner, in der er vor drei Jahren zu einem leeren Stuhl gesprochen und damit den unsichtbaren Präsidenten Barack Obama attackieren wollte. Den Fehltritt entschuldigte er später in einer Talk-Show: „Ich wollte einfach nur ein bisschen Spaß haben.“


Lesen Sie mehr zu diesem Thema