Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Für Naturromantiker (k)ein Geheimtipp

Für Naturromantiker (k)ein Geheimtipp

Für Naturromantiker (k)ein Geheimtipp

Für Naturromantiker (k)ein Geheimtipp


von Henri LEYDER/ 10.08.2019

Überreste des Westwalls bei Großkampenberg.

Im zweiten Teil der Serie "Stippvisite in der Großregion" geht es um Geheimtipps in puncto Romantik und Entspannung.

Schöne Flussläufe und -täler hat Luxemburg zu bieten. Die längsten beginnen jenseits der Landesgrenze – beispielsweise die Our. In puncto Romantik und Entspannung geradezu ein Geheimtipp. Und zwar auf einer Gesamtlänge von exakt 96,1 Kilometern. Fahren wir also hin. Rendez-vous in Dasburg-Pont.

Text: Henri Leyder / Fotos: Henri Leyder/Shutterstock

Um nach Dasburg-Pont zu gelangen, bieten sich mehrere Möglichkeiten an, und zwar über Vianden, Stolzemburg, Untereisenbach und Rodershausen, immer den Grenzfluss entlang bis an unser erstes Ziel, eine fast schon verträumte Strecke. Sie kostet allerdings deutlich mehr Zeit, als über Hosingen zu fahren und dort kurz nach dem Ortsausgang in Richtung Rodershausen/Dasburg abzubiegen. Die kurvenreiche, schattige Abfahrt zur Our gibt einen Vorgeschmack auf Teilstücke, die noch bevorstehen.

Über den „Pont“ hinüber, kurven wir sogleich nach Dasburg hinauf. Ein hübsch gelegener Flecken, der sich um seine mittelalterliche Burganlage ausgebreitet hat.

Der Bundestraße 410 halten wir die Treue, aber nur etwa einen Kilometer weit. Jetzt gilt es, nach links in Richtung Dahnen, ein typisches Eifel-Höhendorf, abzubiegen. Kurz hinter ihm zeigt ein dezenter Wegweiser „Tintes-Mühle (Lux.) 4 km“ an. Nur nicht zögern, hinfahren! Eine wunderbar schöne Strecke, auch wenn das Asphaltband nicht gerade breit ist. Tintesmühle liegt wieder auf der Luxemburger Seite der Our. Ein fast einsames Plätzchen, nur mit einem Geheimtipp-Camping-Platz, einem Wohnhaus und einer kleinen Gaststube. Romantik pur! Als hier die Landesgrenze noch streng bewacht war, kam es schon mal vor, dass der Zöllner von drüben herüber marschierte, um mit seinem Luxemburger Berufskollegen … Karten zu spielen.

Jetzt heißt es wieder hinauf, diesmal nach Heinerscheid. Nach kaum einem Kilometer führt rechts ab ein Sträßchen zur Kalborner Mühle. Ihr Name steht heute für eine Flussmuschelzucht und ein Flusserlebniszentrum. Am Ufer der Our, selbstverständlich.

Auch bei vielen Luxemburgern beliebt: die Alte Mühle in Stupbach.
Foto: Henri Leyder

Von Tintesmühle nach Ouren

In Heinerscheid auf der N7 angelangt: weiter nordwärts. Nach etwa zwei Kilometer geht es in die belgische Provinz Liège hinein. Die Straße ist stellenweise eng, auch im verwinkelten Ouren, das schnell erreicht ist. Ein touristisches, dennoch beschauliches Dorf mit weitem Dorfzentrum und einem etwas abgelegenem Campingplatz.

In der Nähe des Zentrums liegt die Ruine einer Burg, deren Geschichte ins 11. Jahrhundert zurückreicht. Bis ins 12. Jahrhundert reichen die Wurzeln der Peter-und-Paul-Kirche, die sich nur einige hundert Meter hinter Ouren im Ortsteil Peterskirchen (luxemburgisch: Pikteschkiirchen) erhebt. Das gotische Gebäude mit romanischen Stilelementen und der 1896 angelegte Kreuzweg stehen unter Denkmalschutz. Nach etwa vier weiteren „grünen“ Kilometern fällt die Ortstafel Stubach auf. Gleich bei den ersten Häusern führt eine schmale Straße (nicht verpassen!) hinab über die Our nach Stupbach. Zwei Schreibweisen für ein Dörfchen – ein durch die Landesgrenze geteiltes. Welch romantische Lage … Doch weiter, das Höhenplateau ruft!

Von Stupbach nach Bleialf

Beim Hotel „Zur alten Mühle“ sofort links fahren, dann einige Kurven den Berg hinauf bis zur Bundestraße, rechts weiter über Lützkampen nach Üttfeld, hier nach links die Richtung Bleialf einschlagen. Auf dem Weg dorthin droht Platzangst. Fast schon bedrohlich reckt sich in der Gegend von Heckhuscheid und Hallert ein Park mit sehr hohen Windrädern gen Himmel; Don Quichotte hätte seine helle Freude an ihnen gehabt. Eine Bedrohung einer anderer Art hat hier bei Großkampenberg Spuren hinterlassen, und zwar ein Teil der Panzersperre des Ende 1930er-Jahre von den Nazis errichteten Westwalls; die Alliierten bezeichneten ihn als „Siegfriedlinie“.

Der Name Bleialf ist ein beredter. Hier liegen die Zugänge zu den drei Bleierz-Lagerstätten der Eifel. Ein „staatlich anerkannter Erholungsort“ ist er trotzdem. Nach einem Päuschen gilt es, im Zentrum des Städtchens Schoenberg anzupeilen, das heißt, zurück nach Belgien, und zurück an die Our, kaum zehn Kilometer unterhalb ihres Quellgebietes. Dieses liegt auf 643 Metern Seehöhe südlich des auf belgischer Seite belebten Grenzortes Losheimergraben. Von Schoenberg aus wollen wir, vorerst Richtung Sankt-Vith, der gut ausgeschilderten Ourroute folgen, sie bis zum Ende unserer Tour nicht mehr verlassen, etwa 15 idyllische Kilometer weit.

Kilometern laden rechts ab die schön herausgeputzte Höhenortschaft Lieler und einen Kilometer weiter das 1977 errichtete Europadenkmal ein. Eigentlich eine kuriose Bezeichnung für Europa, das noch lebt ... Es liegt genau am Dreiländereck und in der Nähe der Our. Ein Ort, um kurz zu verweilen oder von hier aus längere Wanderungen zu unternehmen, beispielsweise über einen Pfad die Our entlang bis (wenigstens) nach Dasburg.

Von Setz nach Steinebrück

Nach etwa vier Kilometern Fahrt in Richtung Sankt-Vith gelangen wir im Örtchen Setz an. Linken Blinker setzen und abbiegen, auf ein Sträßchen, auf dem sich, von saftigen Wiesen umsäumt, mit Rödgen, Alfersteg, Weppeler und Steinebrück ein paar liebliche Dörfchen aufreihen. Nicht aufgeben, auch nicht in Steinebrück, wo es nach einem doppelten Richtungswechsel rechts-links gilt, unter der mächtigen Autobahnbrücke hindurch der Route nach Lommersweiler hinauf zu folgen, kaum einen Kilometer weit.

Die Fahrbahn ist sehr eng, aber die Mühe lohnt sich, unterwegs mit einer prächtigen Sicht auf bewaldete Hänge und die lange Autobahnbrücke, in der Ortschaft selbst mit der imposanten, denkmalgeschützten Wallfahrtskirche, den kurios angeordneten weißen Statuen und dem beindruckenden Gefallenendenkmal.


Ein gut erhaltener Hochofen als eindrucksvoller Zeuge der Eisenerzverhüttung in der Mitte des 19. Jahrhunderts; wie das Schloss von Cons steht auch er unter Denkmalschutz.
Stippvisite in der Großregion
Falls Sie am Wochenende noch nichts vorhaben. Hier einige touristischen Höhepunkte quasi direkt vor der Haustür.

Wir lassen das Denkmal links liegen, fahren zum Dorf hinaus, steil bergab, um nach rund einem Kilometer scharf nach links in Richtung Maspelt abzubiegen. Am Ausgang dieses Dörfchens erfreut ein weiterer, großartiger Ausblick das Auge, diesmal weit über die Täler von Our und Ulff sowie Burg-Reuland, unsere Endstation, hinweg. Dazwischen liegt noch Bracht. Im Dorfzentrum zweigen wir von der Hauptstraße nach rechts in den Pohrbachweg ab, der rund einen Kilometer weiter im historischen Zentrum von Reuland ankommt. Die Burganlage, auf die wir direkt stoßen, ist einen kleinen Spaziergang wert …

Der schnellste Weg zurück nach Luxemburg führt über Oudler (in Reuland rechts fahren), um in Wemperhardt wieder auf großherzoglichem Gebiet anzukommen. Wer Zeit übrig hat, kann in Reuland links fahren, um zurück auf die Ourtal-Route zu gelangen. Über Stubach und Ouren kann entweder Weiswampach oder über Lieler Heinerscheid erreicht werden.

Die beschriebene, etwa 80 Kilometer lange Route von Dasburg-Pont über Bleialf nach Burg-Reuland ist eine Art Kontrastprogramm: einerseits die Anhöhen und Plateaus mit ihren weiten monotonen Ackerflächen und den zahlreichen Fernblicken, die sich auftun, anderseits das vielfach enge Ourtal gesäumt von bewaldeten Hängen, in der Talmulde einige saftige Weideflächen und liebliche Ortschaften, in denen der Gast gerne gesehen ist. Das typische Bild eben des Our-Naturparks. Zum Entspannen eignet die Region sich hervorragend, für einen Kurzurlaub ebenfalls, nicht zuletzt auch, weil es ihr nicht an gut ausgeschilderten Wanderund Radwegen mangelt.

Dieser Text ist ursprünglich in AutoMoto erschienen.