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Für 243 000 Dollar ersteigert: "Hitlers Reisetelefon" - eine Fälschung?
Das "Fernsprechgerät Modell W 38" von Siemens hat einen englischen Hörer.

Für 243 000 Dollar ersteigert: "Hitlers Reisetelefon" - eine Fälschung?

Foto: dpa
Das "Fernsprechgerät Modell W 38" von Siemens hat einen englischen Hörer.
Panorama 24.02.2017

Für 243 000 Dollar ersteigert: "Hitlers Reisetelefon" - eine Fälschung?

Volker BINGENHEIMER
Volker BINGENHEIMER
Ein Unbekannter hat Hitlers Reisetelefon für 243 000 Dollar ersteigert. Ein Fachmann ist davon überzeugt, dass es sich um eine Fälschung handelt.

(vb) – Die Nachricht hatte weltweit für Schlagzeilen gesorgt: Ein Unbekannter hat Hitlers Reisetelefon für 243 000 Dollar ersteigert. Jetzt kommen Zweifel an der Echtheit des Apparats auf. Ein Fachmann ist sich sicher, dass es sich um eine Fälschung handelt.

Der Apparat mit rot lackiertem Bakelit-Gehäuse hatte bei einer Versteigerung des Auktionshauses Alexander Historical Auctions in Chesapeake City den Besitzer gewechselt. Der Katalog beschrieb das historische Objekt mit reißerischen Worten. So habe Hitler in den letzten Kriegsjahren die meisten seiner Befehle über dieses Telefon abgegeben: „Es war wohl die destruktivste Waffe aller Zeiten, die Millionen den Tod brachte.“

Schon kurz nachdem die Nachricht zu Wochenbeginn die Runde machte, meldeten Fachleute Zweifel an. Die Liste ist lang und beginnt mit dem Hörer. Während der Telefonapparat von Siemens & Halske stammt, ist der Hörer ein englisches Fabrikat. Das Auktionshaus hat mittlerweile zugegeben, dass der Hörer nicht zum Rest des Telefons passt. Es spricht von einer „Spezialkonstruktion, damit der Hörer während des Transports nicht von der Gabel fällt“.

Ein niederländischer Restaurator historischer Telefone schrieb in den sozialen Medien, was er von dieser Begründung hält: „Sie ist einfach bescheuert.“ Es habe damals sehr wohl Telefone gegeben, bei denen der Hörer fest von der Gabel umschlossen war.

Der deutsche Experte Frank Gnegel, der eine Sammlung von 2000 historischen Telefonen besitzt, stört sich laut einem Bericht der „Frankfurter Allgemeinen“ an dem roten Anstrich. „Siemens hätte ein ordentliches Exemplar aus eingefärbtem Kunststoff gebaut, anstatt ein schwarzes Telefon unfachmännisch zu überpinseln.“

Gnegel hat noch grundlegendere Zweifel: Er hält die vom Auktionshaus vergebene Bezeichnung „Reisetelefon“ für unglaubwürdig. Telefone waren damals über ein Kabel fest mit einer Dose in der Wand verbunden. Telefonstecker gab es im Dritten Reich noch nicht. Zudem hätte Hitler es kaum nötig gehabt, ein Reisetelefon mitzuführen. „Überall, wo er hinkam, gab es Telefone. Warum sollte er sein eigenes mitnehmen?“, fragt Gnegel in der FAZ.


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