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Früh übt sich
Spiel und Spaß auf mehr als 3 500 Metern Höhe: Kali, Liam und ihr 
Vater in der bolivianischen Uyuni-Salzwüste.

Früh übt sich

Foto: Kaliam
Spiel und Spaß auf mehr als 3 500 Metern Höhe: Kali, Liam und ihr 
Vater in der bolivianischen Uyuni-Salzwüste.
Panorama 4 Min. 12.08.2018

Früh übt sich

Ein ganzes Jahr sind Jessica Merenz und Mathieu Dubois mit ihren beiden Kindern rund um die Welt unterwegs. Was allen bleibt, sind unvergessliche Erinnerungen und viel Lebenserfahrung.

von Jesse Dhur

"Die sind aus Japan", erklärt Jessica Merenz, als sie auf die täuschend echt wirkenden Speisen aus bunt leuchtendem Silikon zeigt. Daneben weitere Souvenirs aus aller Welt, die sie auf dem Wohnzimmertisch ausgebreitet hat: Aufnäher aus Südamerika, Muscheln von pazifischen Stränden, Spielzeug aus Ostasien. "Das alles sind Erinnerungsstücke der Kinder, die sie gesammelt haben."

Der Esstisch quillt beinahe über vor allerlei Mitbringsel von der langen Reise, die am 29. Juni zu Ende ging. Der Rest des Wohnzimmers ist noch nahezu leer. Denn erst vor Kurzem ist die luxemburgisch-belgische Familie aus Martelingen (Belgien) wieder von ihrer Weltreise zurückgekehrt. Ihr Zuhause hatten sie für ein Jahr zwischenvermietet – so lange waren Jessica und ihr Mann Mathieu mit den beiden Kindern Liam, zehn Jahre, und Kali, vier Jahre, in der weiten Welt unterwegs.


ITV Olivier "Sader" und seine Familie zur Reise in den Iran, Natascha Bisbis, Lilia und Yuna Bisbis Potozec, Olivier Potozec, photo : Caroline Martin©
Familienleben offroad
Mit dem VW-Bus quer durch Europa und weiter bis in den Iran – solch eine Reise scheint nur etwas für eingefleischte Entdecker zu sein. Dass dieses Abenteuer durchaus auch familientauglich ist, hat Olivier Potozec aus Esch/Alzette mit seiner Familie bewiesen.

Der Startschuss für ihr großes Projekt mit dem Titel Kaliam – zusammengesetzt aus den Namen ihrer Kinder – fiel am 1. Juli 2017. Die Reise führte die aufgeweckte Truppe von Brüssel nach Südamerika, über den Pazifik nach Französisch-Polynesien, Australien, Neuseeland bis Süd- und Ostasien und Qatar. Ob im Campingwagen die japanische Küste entlang oder zu Fuß den Zugschienen nach Machu Picchu in Peru folgend – die vier Weltentdecker haben sich dabei fast nichts entgehen lassen.

Auf zu neuen Ufern

An Reiseerfahrung vor dem großen Abenteuer hat es der Familie dabei nicht gemangelt. 2016 verbrachten die vier Martelinger zunächst eine Woche auf einem Segelschiff, dann ging es weiter mit dem Auto durch Italien, Kroatien und Österreich – sozusagen die letzte Bewährungsprobe vor der großen Weltreise. Davor hatte es die vier unter anderem schon nach Thailand, Guadeloupe – die erste Reise für die damals einjährige Kali – und in die USA verschlagen. Pro Jahr nur ein neues Land zu bereisen, das reichte ihnen aber irgendwann nicht mehr.

Nach anderthalbjähriger Vorbereitung – die Familienausgaben mussten gesenkt, die Route grob geplant und die Flugtickets gebucht werden – passte dann alles im letzten Jahr, erzählen Jessica und Mathieu. Ihre Jobs als selbstständige Grafikdesignerin beziehungsweise Webdesigner kamen dem Ganzen natürlich auch zugute. So wurde die Idee, schon zu Studienzeiten in den Köpfen des Paares, langsam Wirklichkeit – eine Reise durch die Welt mit den Kindern.

Familienglück mal anders: Mutter Jessica und Vater Mathieu mit ihren Kindern Liam (2.v.l.) und Kali (2.v.r.) vor den tosenden Massen der Iguazu-
Wasserfälle in Argentinien – ihr viertes Land nach den zwei ersten Monaten auf Reise.
Familienglück mal anders: Mutter Jessica und Vater Mathieu mit ihren Kindern Liam (2.v.l.) und Kali (2.v.r.) vor den tosenden Massen der Iguazu-
Wasserfälle in Argentinien – ihr viertes Land nach den zwei ersten Monaten auf Reise.
Foto: Kaliam


"Mit großen Augen schauten meine Eltern mich an, als ich ihnen von unserem Plan erzählte. Zu Beginn dachte mein Vater noch, dass wir das Ganze nie durchziehen würden." Schnell sei der anfänglichen Skepsis ihrer Eltern dann aber Stolz und Begeisterung für das Projekt gewichen, erinnert sich die in Luxemburg geborene Weltenbummlerin.

Auch anderweitig konnten die vier auf Unterstützung zählen. "Liams Schule hat uns enorm geholfen", erklärt Jessica. Da ihr Sohn beim Reiseantritt die vierte Klasse besuchen würde, mussten die Eltern den damals Neunjährigen unterwegs unterrichten. "Das war schon eine Herausforderung für alle. Heute sind wir froh, dass Liam die Tests während der Reise gut gemeistert hat."

Die Heimat immer mit dabei

Das Interesse von außen ließ auch während der Reise nicht nach. Der Familie war es trotz Entfernung und Zeitverschiebung wichtig, mit den Daheimgebliebenen in Verbindung zu bleiben. "Die Leute mit auf Reisen zu nehmen, das war von Beginn an eines unserer Hauptanliegen. Auf unserem Familienblog konnten Verwandte, Freunde und andere Interessierte unsere Erlebnisse regelmäßig mitverfolgen", erklärt die 39-Jährige. Die Resonanz sei äußerst positiv gewesen und habe das Paar zudem immer wieder – trotz anfänglicher Kritik – darin bestätigt, die richtige Entscheidung getroffen zu haben, berichtet Jessica Merenz.


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"Wir wollen die Leute ermutigen, auch und gerade mit kleineren Kindern zu reisen. Immer wieder sind uns jüngere Paare über den Weg gelaufen, die reisen wollten, solange sie kinderlos waren. Dabei gibt es kein perfektes Alter, keine perfekte Kategorie zum Reisen", so der Appell der beiden.

15 Länder, 23 Flüge, Tausende zurückgelegte Kilometer auf Land- und Wasserwegen, 87 verschiedene Übernachtungsmöglichkeiten – hauptsächlich Jugendherbergen – und 363 Tage später hat sich vor allem eines bestätigt: "Wir haben einander noch besser kennengelernt. Die Kinder haben zudem innerhalb eines Jahres so viel gelernt und erlebt wie viele Erwachsene in einem halben Leben. Und welches Kind in dem Alter kann heute schon behaupten, seine Eltern Tag und Nacht bei sich gehabt zu haben. Für uns war es ein Geschenk, mit allen gemeinsam zu verreisen."

Vom Glück gesegnet

Ihre Weltreise stand insgesamt unter einem guten Stern. Außer einigen kleinen Schrammen und ein wenig materiellem Verlust sei in den zwölf Monaten, in denen die Familie von Südamerika bis nach Asien unterwegs war, nichts Schlimmeres vorgefallen. Natürlich habe auch jeder mal einen persönlichen Tiefpunkt erlebt. "Kali hat sich beim Fahrradfahren einmal am Fuß verletzt; daran hat die Kleine schon länger gezehrt. Liam hatte während der Weihnachtsferien in Australien ein kleines Tief, als wir in dem Haus meiner Kusine wohnten", erzählt der 41-jährige Mathieu.

Erfrischendes Abenteuer auf den Philippinen: Liam erkundet neue 
Gebiete unter Wasser.
Erfrischendes Abenteuer auf den Philippinen: Liam erkundet neue 
Gebiete unter Wasser.
Foto: Kaliam

Dennoch: Die kleineren Unfälle haben die vier als Familie immer gut weggesteckt. Vor allem aus den Begegnungen mit anderen Reisenden mit Kindern haben die Martelinger Kraft und Sicherheit für ihren Weg getankt. Mit neuer Inspiration reisten sie dann in ihrem eigenen, gemächlichen Tempo weiter.

Und wenn es doch mal zu ruhig und gemütlich wurde, verlangten die Kinder nach mehr Spannung. "Man gewöhnt sich schnell an neue Situationen – gerade die Kinder – und langweilt sich dann gerne mal, wenn nicht jeden Tag etwas Aufregendes passiert", sagen die beiden schmunzelnd. Zu wenig oder zu viel Aufregung – das war nicht das größte Problem für die reiseerprobten Eltern. "Die Herausforderung für uns bestand darin, alles unter einen Hut zu bringen: die Reise planen, die eigene Arbeit nicht vernachlässigen, Liam unterrichten, die Kinder zufriedenstellen. Letztlich hat es das Schicksal aber immer gut mit uns gemeint und uns eine ganz besondere Familienreise beschert."

www.kaliam-voyages.com


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