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„Es wird immer schwieriger, sich zu binden”
Panorama 1 7 Min. 30.07.2021
Frederick Lau im Interview

„Es wird immer schwieriger, sich zu binden”

Luise Heyer (r.) als Ghost und Frederick Lau als ihr männlicher Konterpart in einer Szene des Films „Generation Beziehungsunfähig”.
Frederick Lau im Interview

„Es wird immer schwieriger, sich zu binden”

Luise Heyer (r.) als Ghost und Frederick Lau als ihr männlicher Konterpart in einer Szene des Films „Generation Beziehungsunfähig”.
Foto: Warner Bros. Germany GmbH/dpa
Panorama 1 7 Min. 30.07.2021
Frederick Lau im Interview

„Es wird immer schwieriger, sich zu binden”

Im Film „Generation Beziehungsunfähig“ spielt Frederick Lau den großen Frauenhelden. Wir sprachen mit ihm über die Liebe in digitalen Zeiten.

Interview: André Wesche

Das Sachbuch „Generation Beziehungsunfähig“ von Michael Nast schwang sich nicht zuletzt aufgrund seines hohen Wiederkennungswertes zum Bestseller auf. Nun wurden die Einsichten ins Liebesleben der Tinder-Anbeter zu einer turbulenten Beziehungskomödie verarbeitet, die derzeit im Kino zu sehen ist. Mit dabei ist auch Schauspieler Frederick Lau (31).

Frederick Lau, Sie scheinen der genaue Gegenentwurf zu Ihrem bindungsunfähigen Filmcharakter zu sein. Sie haben früh geheiratet und sind dreifacher Vater. Wie schwer war es, sich in die Filmfigur hineinzufühlen?

Wir waren doch alle mal jung. Ich fühle mich übrigens immer noch jung, auch wenn ich verheiratet bin. Ich bin in Berlin aufgewachsen und war auch im Nachtleben unterwegs. Und ich habe noch viele Freunde, die sich in Tims Situation befinden. Der größte Teil von ihnen sind Jungs und gerade auf der Suche – entweder nach etwas Handfestem oder eben auch nicht. Ich habe die These aufgestellt, dass man umso „geschädigter“ ist, je älter man wird. Man hat diese Erwartungshaltungen, die ja auch im Film angesprochen werden. Es gibt so viele Ablenkungen – durch Instagram, Facebook oder dieses Tinder-Zeug. Diese Ablenkungen, die es früher nicht gab, liegen sehr nahe. Alles ist viel schnelllebiger geworden und es wird immer schwieriger, sich zu binden.  

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„Daten ist das neue Endstadium“, resümiert Tims Kollegin. Welche Rolle spielen Ihrer Meinung nach die Neuen Medien für die Entstehung der „Generation Beziehungsunfähig“?

Es findet eine unglaubliche Reizüberflutung statt. Leute wollen sich irgendwo präsentieren. Sie haben einfach Bock darauf. Ich kann es total nachvollziehen, wenn man Bock auf Bekanntschaften hat. Kommunikation ist sehr wichtig. Ich glaube aber auch, dass dieses Verbindliche dabei ein bisschen wegfällt. Alle sind auf der Suche. Und vielleicht ist es so ein Generationsding. Unsere Generation lässt sich ein bisschen mit dem Flowerpower-Ideal der freien Liebe vergleichen. Auf eine ganz andere Art und Weise findet auch heute freie Liebe statt. Aber sie wird uns auf anderen Medien vorgelebt. Vielleich ist es eine alternative Art, um sich kennenzulernen. Ich finde das auch absolut nicht verwerflich. Die junge Generation soll machen, was sie will. Ich glaube aber auch, dass man irgendwann an einen Punkt kommt, an dem man merkt, was einem gut tut und was nicht.  

Männer und Frauen sind heutzutage nicht mehr aufeinander angewiesen. Man muss an Beziehungen nicht mehr arbeiten, man trennt sich, wenn Probleme auftauchen. Wie wichtig ist Ihnen heute die Verbindlichkeit der Ehe?

Ich glaube nicht, dass ich zu früh geheiratet habe. Ich bin auch noch sehr glücklich, das kann ich ehrlich sagen. Dieses Leben finde ich sehr schön. Vielleicht bin ich damit sehr old school, keine Ahnung. Ich kenne wenige Leute, die so jung geheiratet haben wie ich, der Trend verschiebt sich eher nach hinten. Das Versprechen der Ehe halte ich für einen sehr bedeutsamen Schritt. Ich sage, dass ich mich entschieden habe. Und wir alle müssen irgendwann die Entscheidung treffen, welchen Weg wir einschlagen möchten.  


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Immer mehr Jugendliche sind heute nicht mehr an Sex interessiert, sie sind asexuell. Wird das womöglich die nächste Eskalationsstufe sein?

Davon habe ich noch nichts gehört. (lacht) Weil zu viele Pornos gekuckt werden? Ich könnte mir schon vorstellen, dass da eine Aversion entstehen kann und ich glaube auch, dass die neuen Medien da einiges verändert haben. Der Umgang mit Sexualität ist ein anderer. Trotzdem werden die Liebe und damit auch die Sexualität für immer existieren. Das ist ein spannendes Thema. Ich glaube eher, dass sich die Sexualität in eine andere Richtung entwickeln wird, die wir noch gar nicht absehen können.  

Wie erziehen Sie Ihre Kinder, was den Umgang mit den neuen Medien betrifft?

Ich bin selbst ein Mensch, der viel draußen ist, um die Natur zu erkunden. Ich muss die Dinge anfassen können. Meine Kinder sind noch nicht in den sozialen Medien unterwegs. Aber auch in der Schule kann jemand Quatsch zu dir sagen oder dich hänseln. Es ist ein grundlegendes Thema, wie man mit Kritik, Beschimpfungen und ähnlichem umgeht. Man muss den Kindern beibringen, eine innere Stärke zu haben und harte und doofe Sprüche nicht zu nahe an sich ranzulassen. Auch nicht diesen Cybermobbing-Quatsch. Da sind viele verletzende Menschen unterwegs, die teilweise auch selbst verletzt wurden und diese Verletzung auf diesem Weg quasi abgeben wollen. Ich kenne die konkreten Regularien bei Instagram und Co. gar nicht. Gibt es da Altersbeschränkungen? Man muss nicht den ganzen Tag vor dem Rechner abhängen. Den realen Kontakt finde ich immer noch am schönsten. Das spüren meine Kinder auch.  

Buchautor Michael Nast schreibt, dass man eigentlich nie sagt, was man fühlt. Es sei das Schwierigste auf der Welt. Fällt es Ihnen schwer, im Alltag Gefühle zu zeigen?

Nee, überhaupt nicht. Im Gegenteil. Ich finde, es ist das Wichtigste überhaupt, dass man Gefühle zeigt und dazu steht. Viele versuchen eine Fassade aufrechtzuerhalten. Das stammt noch aus einer Generation davor, die den harten Mann hervorkehren wollte: „Deutsche Jungen weinen nicht!“. Der erste, was ich meinen Kindern beibringe, ist das Stehen zu den eigenen Gefühlen. Über dem Bett meines Sohnes steht: „Boys don't cry“, aber das „don't“ ist durchgestrichen. Es ist so ein Männerding, zu sagen, dass nur Frauen weinen können. Ich finde das total wichtig und auch ziemlich schön, wenn Menschen dazu fähig sind. Es ist die größte Reinigung, die man erfahren kann. Sonst hätte es der Körper nicht so entworfen. (lacht)   

Können Sie auch im Kino weinen?

Aber total! Ich bin da sehr nah am Wasser gebaut. Damit habe ich überhaupt kein Problem, ich freue mich sogar, wenn ich mich umschaue und andere Leute weinen. Ich habe früher Fotos von weinenden Menschen gemacht, weil ich es so schön fand. Es geht ja nicht nur um Trauer, Weinen drückt so viel aus. Man soll in unserer Gesellschaft immer die Contenance bewahren. Dieser Ansicht bin ich überhaupt nicht. Jeder soll machen, was er will und seine Gefühle ausdrücken, wie er will, solange kein anderer dadurch verletzt wird.


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Ihr Filmcharakter ist leidenschaftlicher Kiffer. Plädieren Sie für die Freigabe weicher Drogen?

Um ehrlich zu sein, bin ich nicht der größte Drogenfreund. Weil ich weiß, was es macht: Es macht unheimlich viel kaputt. Alkohol finde ich dabei noch um einiges schlimmer als Kiffen, weil man damit einen kompletten Kontrollverlust erleidet. Das sieht man auch im Film „Generation Beziehungsunfähig“. Es gibt ja verschiedene Stoffe. In der Medizin verwendet man CBD, das ist völlig legitim. Jeder Mensch sollte selbst schauen, was für ihn gut ist. Natürlich nicht als Kind oder im jugendlichen Alter. Da kann man viel kaputt machen, weil man noch gar nicht weiß, wer man ist. Aber erwachsene Menschen sollten die Freiheit haben, sich auszutesten.   

Im Film kommt auch dieses „Feminismus-Ding“ zur Sprache. Dass Männer und Frauen gleichberechtigt und gleichgestellt sein müssen, muss man nicht diskutieren. Aber was halten Sie von Bestrebungen, jeden Geschlechterunterschied zu leugnen?

Dass es immer noch den ganz normalen Unterschied zwischen Frau und Mann gibt, ist ja ganz klar. Manchmal ist er nicht von Bedeutung. Die Regisseurin des Films ist auch eine Frau, während die Geschichte aus der Sicht eines Mannes erzählt wird. Wenn es aber darum geht, irgendetwas zu schleppen, sind Männer eben das stärkere Geschlecht. Womöglich sind Frauen das stärkere Geschlecht im Denken. Man kann doch immer voneinander profitieren. Natürlich kann eine Frau auch auf der Baustelle arbeiten, wenn sie Bock darauf hat. Ob sie dort die gleiche Leistung wie ein Mann bringen kann, sei mal dahingestellt. Es gibt bestimmt Frauen, die das können. Ich selbst finde manche Unterschiede auch schön. Frauen sind doch Wesen, die man auf Händen tragen sollte. Ich würde mit meiner Frau nicht so reden wie mit meinem Kumpel. Genauso quatschen Frauen untereinander über andere Themen. Es ist auch wissenschaftlich nachgewiesen, dass Frauen ein anderes Denkmuster haben als Männer. Es gibt diese Unterschiede und das ist auch schön so. Wie traurig wäre es, wenn wir alle gleich wären! Ich bin für Vielfalt und Diversität. Jeder Mensch, egal ob Mann oder Frau, sollte alles ausprobieren können.   

In einer Filmszene blamiert sich Ihre Filmfigur bis auf die Knochen. Haben Sie sich schonmal aus Liebe zum Narren gemacht?

Ich glaube, das macht doch jeder. Sonst wäre es ja keine Liebe. Man will einer Frau imponieren, die man toll findet und bewegt sich dabei immer nah an der Grenze zum Absurden. Man denkt nicht mehr wie ein normaler Mensch, sondern wird von Gefühlen gesteuert. Dabei macht man sich leicht zum Hampelmann.   

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