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Freddie Mercury wäre jetzt 70
Panorama 2 3 Min. 05.09.2016 Aus unserem online-Archiv
In der Erinnerung alterslos

Freddie Mercury wäre jetzt 70

In klassischer Pose und vollem Ornat: Freddie Mercury am Ende eines Queen-Konzerts.
In der Erinnerung alterslos

Freddie Mercury wäre jetzt 70

In klassischer Pose und vollem Ornat: Freddie Mercury am Ende eines Queen-Konzerts.
Foto: Eagle Vision
Panorama 2 3 Min. 05.09.2016 Aus unserem online-Archiv
In der Erinnerung alterslos

Freddie Mercury wäre jetzt 70

Tom RÜDELL
Tom RÜDELL
Von schmaler Statur aber ein Gigant auf der Bühne mit einer vier Oktaven umfassenden Stimme: Queen-Frontmann Freddie Mercury, der schillernde Paradiesvogel der 70er und 80er Jahre, wäre am 5. September 70 Jahre alt geworden.

(dpa) - Eigentlich ist es zum Lachen: Der amerikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump betritt gerne die Bühne in Schwaden von Nebel und dramatischem Licht, untermalt von Queens Hit „We Are The Champions“. Das Publikum rast - und vergisst, dass der bisexuelle Schöpfer des Songs für all das steht, was es ablehnt.

Freddie Mercury war bekannt für seine erotischen Eskapaden und legendären Exzesse, wie jene Aftershow-Party zum Launch des Albums „Jazz“ in New Orleans 1978, auf der er angeblich nackte Hintern signierte und in eine Freakshow aus Drag Queens, Schlangenbeschwörern und Legionen von Strippern eintauchte.

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Gerne werden auch die Zwerge erwähnt, die auf dem Kopf Tabletts mit Kokain balancierten, von dessen Qualität sich Mercury angeblich selbst überzeugt hatte. Schlagzeuger Roger Taylor sagte 2008 dem Queen-Biographen Mark Blake: „Das habe ich nie gesehen, aber die meisten Geschichten über diese Nacht sind nicht besonders übertrieben.“ Am Montag wäre Queen-Sänger Freddie Mercury 70 Jahre alt geworden.

Geboren wurde Mercury als Farrokh Bulsara 1946 im damaligen britischen Hoheitsgebiet Sansibar, heute Teil von Tansania. Anfang der 60er Jahre flüchtete die Familie vor der Revolution in Sansibar in einen Londoner Vorort. Swinging London war ein Kulturschock für den eher braven aber ehrgeizigen Freddie. Er entdeckte Jimi Hendrix, lebte seine Vorliebe für extravagante Kleidung, Leder und Federboas auf der Portobello Road aus und studierte Grafikdesign.

Akademischer Heavy Rock

1970 gründete er die Band Queen mit dem Astrophysik-Doktoranden Brian May (Gitarre) und dem Zahnmedizinstudenten Roger Taylor (Schlagzeug). Der Elektronik-Student John Deacon (Bass) stieß etwas später dazu. Ihre bombastische Kombination aus überzogener Theatralik und Heavy Rock sprengte alle Genre-Grenzen. Die Musikzeitschrift „Melody Maker“ schrieb damals: „Queen ist entweder die Zukunft des Rock'n'Roll oder ein Haufen Tunten im Delirium, die versuchen, auf den Bowie-Zug aufzuspringen, während sie Black Sabbath richtig schlecht verarschen.“

Vier Jahre später etablierte die Band schließlich ihren Stil mit dem Hit „Killer Queen“ und schaffte den internationalen Durchbruch. Ihr Kometenflug als schwerreiche Superstars begann, mit Rockhymnen wie „We Will Rock You“, „Don't Stop Me Now“, „Radio Ga Ga“ und „A Kind of Magic“. „Bohemian Rhapsody“ wurde zum besten Song aller Zeiten gewählt.

Unvergesslich sind die Mega-Stadiontouren der Band vor Hunderttausenden von Fans. Der eher schüchterne und schmächtige Mercury mit Riesen-Schnauzer und Überbiss verwandelte sich auf der Bühne in einen tanzenden Derwisch mit nacktem Oberkörper, gen Himmel geballter Faust und anzüglich wirbelndem Mikrofonständer.

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Anfang der 80er Jahre lernte er in München Barbara Valentin kennen, eine österreichische Fassbinder-Schauspielerin. Sie lebten als Liebespaar zusammen, während er gleichzeitig weiterhin Affären mit Männern hatte.

Ihre Beziehung veränderte sich, als Mercury sich Mitte der 80er Jahre einmal in den Finger schnitt, Blut tropfte, und er sie anschrie, ihn nicht zu berühren. Ab dann gehörte Barbara Valentin zum kleinen Kreis von Freunden, die von Mercurys HIV-Infektion wussten, auch wenn er sie nie ausdrücklich erwähnte.

Trauriges Ende und posthumer Ruhm

Obwohl die Boulevardmedien schon lange darüber spekulieren, gab der 45-Jährige seine Erkrankung öffentlich erst im November 1991 zu. Am nächsten Tag (24. November) war Freddie Mercury tot, gestorben an einer Lungenentzündung infolge der HIV-Infektion. Seit seinem Tod verkauft die Band mehr Platten als jemals zuvor, und Mercury wurde ein größerer Star als er jemals zu Lebzeiten war.

Im Jahr nach seinem Tod gaben Weltstars ihm zu Ehren ein Abschiedskonzert im Wembley-Stadium, vor 72.000 Fans und schätzungsweise einer Millarde Fernsehzuschauern weltweit. Die Einnahmen wurden für den Kampf gegen Aids verwendet.


Und Donald Trump? Die Band twitterte: „Eine nicht autorisierte Verwendung beim republikanischen Parteitag gegen unsere Wünsche - Queen“ und stellte sicher, dass Trump ihre Musik in Zukunft nicht mehr verwenden darf.


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Freddie Mercury während eines Auftritts in London (Archivfoto vom 15.07.1985). Foto: dpa