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Frauen, Fusel, Fußball
Palina Rojinski
ist für die ARD
als Reporterin
in Russland unterwegs.

Frauen, Fusel, Fußball

Foto: SWR/Cornelia Klein
Palina Rojinski
ist für die ARD
als Reporterin
in Russland unterwegs.
Panorama 5 Min. 17.06.2018

Frauen, Fusel, Fußball

Im vergangenen Jahr war die deutsch-russische Moderatorin Palina Rojinski beim Confed Cup für die ARD im Einsatz. Nun wird die 32-Jährige als Außenreporterin bei der WM mit von der Partie sein.

Interview: Olaf Neumann

Palina Rojinski, das Klischee lautet, Frauen schauen Fußball nur, weil die Spieler Trikots tauschen.

Ach, ich finde, die sehen auch in den Trikots gut aus. Für mich müssen sie sie erst gar nicht tauschen. Zur WM in Brasilien waren meine Freundinnen in unserer WhatsApp-Gruppe echt hinter den Spielern her.

Hat Russland eine im Volk verankerte Fußballkultur?

Nicht unbedingt. Aber mit dem Fall des Eisernen Vorhangs stieg auch die Begeisterung für den Fußballsport. Ich habe das Gefühl, dass jetzt alle russischen Männer richtig harte Fußballfreaks sind. Es ist natürlich schade, dass es für den russischen Fußball momentan international nicht so gut läuft. Aber die Vereine ZSKA Moskau und Zenit Sankt Petersburg haben irgendwann auch mal den UEFA-Cup gewonnen. Mein Vater, mein Cousin und ich kommen aus Sankt Petersburg und sind begeisterte Zenit-Fans. Als die Mannschaft 2008 den Pokal gewann, war in ganz Sankt Petersburg der Alkohol ausverkauft. Kein Scherz! Man hat an keiner Tankstelle und an keinem Kiosk mehr etwas bekommen. Und jetzt haben sie die Gesetze noch einmal krass verschärft, nach 22 Uhr darf kein Alkohol mehr verkauft werden.

Was muss ich beachten, wenn ich in Russland gemeinsam mit russischen Fans feiere?

Ich weiß nicht, wie es speziell mit den Fußballfans ist, aber russische Menschen sind generell sehr offenherzig und lieben es, mit ausländischen Gästen einen zu trinken. Das ist für sie das Allertollste. Als ich für den Confed Cup in Sotchi unterwegs war und wir einen Einspieler drehten auf der Datscha eines Herren, musste das ganze ARD-Team sofort mittrinken. Der Einwand, dass wir gerade arbeiten, wurde nicht ernst genommen, und wir mussten uns mit dem Drehen total beeilen. Unser Gastgeber hatte extra ein Schwein für uns geschlachtet, und es wurde selbstgebrauter Pflaumenschnaps, Chacha, getrunken.

Warum trinken Russen so viel?

Weil es immer Toasts gibt, damit der Russe reden kann. Diese Toasts gehen nur um Völkerfreundschaft. Nonstop. Und ich habe die ganze Zeit simultan übersetzt. Das Russische auf Deutsch dem deutschen Team und das Deutsche auf Russisch den Russen. Und es ist toll, denn so passiert auch ein kultureller Austausch, weil man ja wirklich miteinander redet. Die älteren Russen sprechen traditionell kein Englisch, während die jungen es fabelhaft beherrschen. Also man kommt dort schon gut zurecht. Als ich jetzt da war, waren alle schon wahnsinnig aufgeregt, weil zur WM so viele Gäste erwartet werden.

Wie trinkfest sind Sie?

Ich habe gute Übung! Man trainiert ja, um die Form zu halten. Tatsächlich haben mir meine Eltern schon relativ früh richtiges Trinken beigebracht. Es gab zwei Faustregeln: Niemals die Prozente senken. Wer mit Wodka angefangen hat, sollte auch dabei bleiben. Und auf keinen Fall Fusel trinken. Wegen Kopfschmerz. Das Tolle an der russischen Kultur ist, dass die Kinder bei allem quasi dabei sind. Bei Familienfeiern oder Geburtstagen habe ich als Kind immer auf zwei Stühlen geschlafen. Das war super aufregend! Es geht alles ein bisschen lockerer zu, aber es war nicht so, dass mich meine Eltern mit 14 zum Wodkatrinken eingeladen haben. Sie wollten mich mit diesen Regeln schonen.

Können Sie mir die russische Seele erklären?

Für mich als Russin ist es sehr schwer, diesen Begriff zu erklären. Wir können ja kein Foto von unserer Seele machen. Es ist eher ein Gefühl. Man fühlt sich irgendwie miteinander verbunden. Obwohl mir jetzt auch Freunde berichten, dass das Land egoistischer geworden ist. Das liegt wahrscheinlich an den Sozialen Medien. Aber das ist ein anderes Thema. Die Russen helfen sich jedenfalls gegenseitig, das kenne ich nicht anders. Wenn jemand Älteres den Raum betritt – egal wo ich bin – steht man sofort auf und gibt seinen Platz diesem Menschen. Man hält die Tür auf, hilft Leuten mit ihrem Gepäck oder Schwangeren, Behinderten, Kranken. Als eine etwas ältere Bekannte von mir das erste Mal in Sankt Petersburg war, erzählte sie mir ganz begeistert von der Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Menschen.

„Die Zeit“ behauptet, die russische Frau sei zu einem Wesen geworden, das nicht mehr stark sein darf. Sie habe sich dem russischen Macho-Mann total unterworfen. Welchen Eindruck haben Sie von den Russinnen?

Ich finde schon, dass das in der russischen Kultur so ist. Und es gefällt mir gar nicht! Es ist irgendwie verzwickt. Gefühlt haben die Frauen in Russland schon auch das Sagen, aber der Mann wird von ihnen ein bisschen als König behandelt. Er wird bewirtet und hilft nicht im Haushalt mit. Die Frau ist auf jeden Fall auch für die Erziehung der Kinder zuständig. Das ist schon sehr konservativ. Das Krasse ist, dass die russischen Frauen so viel machen. Ganz viele haben einen akademischen Abschluss. Das ist sehr wichtig in der russischen Kultur. Und sie arbeiten relativ schnell wieder, nachdem sie ein Kind bekommen haben.

Aber warum lassen sie sich dann von den Männern unterdrücken?

Ich verstehe das wirklich nicht. Meine Omas haben zum Beispiel beide Männerjobs gehabt. Und ich wollte als Kind Kranführerin werden. Dabei ist es total krass, solch ein Riesending zu lenken! Im frühen Alter hat man als Mädchen einen Traum, aber gleichzeitig ist die russische Frau in familiären Verhältnissen ein bisschen unterdrückt.

Für die WM in Russland haben Sie bereits verschiedene Reportagereisen unternommen. Welche Begegnung hat Sie besonders beeindruckt?

Das waren so viele! Ich war zum Beispiel sehr überrascht zu hören, dass es in Russland so viele Unternehmerinnen gibt. Die Girls aus Russland, denen ich auf Instagram folge, sind alle sehr aktiv mit ihren Unternehmen. Außerdem war es für mich etwas ganz Besonderes, meine Oma in die Reportage mit einzubinden. Ich glaube, sie wird jetzt auch Fußballfan.

Haben Sie durch diese Arbeit eine neue Heimatliebe entwickelt?

Geht so. Vielleicht dadurch, dass ich jetzt so viel von Russland kennengelernt habe. Ein Dichter hat mal gesagt: „Mit dem Verstand versteht man Russland nicht.“ Dieser Satz hat sich für mich sehr bewahrheitet. Aber dafür ist Russland sehr spannend und unterhaltsam.

Zur Person

Palina Rojinski wurde 1985 in Sankt Petersburg geboren und lebt seit 1992 in Deutschland. Der Durchbruch gelingt ihr mit 24 Jahren als Assistentin von Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf in der Show „MTV Home“. Sie unterstützt das Duo auch in den Nachfolgeformaten „neoParadise“ und „Circus HalliGalli“. 2012 erhält sie mit „Zirkus Rojinski“ vorübergehend eine eigene Sendung. 2013 wird sie für „Got To Dance“ mit dem Deutschen und dem Bayerischen Fernsehpreis geehrt. Und seit 2014 ist die Moderatorin regelmäßig bei Pro7 in „Offline – Palina World Wide Weg“ zu sehen. Darin muss sie sich in ihr fremder Umgebung ohne Hilfsmittel durchschlagen. Parallel verfolgt Rojinski eine Karriere als Schauspielerin. Ihre bekanntesten Kinofilme sind „Traumfrauen“ (2015) und „Willkommen bei den Hartmanns“ (2016). Palina Rojinski lebt in Berlin und plant ihre Hochzeit mit Werbekaufmann Joachim Bosse.


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