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Frank Elstner: Mit Bambi fing alles an
Panorama 6 1 4 Min. 19.04.2017

Frank Elstner: Mit Bambi fing alles an

Seinen Geburtstag hat er schon mal vorgefeiert – und knapp sechs Millionen Zuschauer waren dabei, als Kollegen in der Fernseh-Show „Topp, die Wette gilt“ den Altmeister des Bildschirms hochleben ließen. Doch der eigentliche Geburtstag ist erst heute.

von Rainer Holbe

Zu der von Kai Pflaume moderierten Show waren die Großen der Branche gekommen: Thomas Gottschalk, Günter Jauch, Barbara Schöneberger und Michelle Hunziker traten kostümiert als Popgruppe „ABBA“ ins Scheinwerferlicht. Karl Dall trat als Filmvorführer und die Schweizerin Paola als sie selbst auf, die längst vergessene Ausschnitte aus „Verstehen Sie Spaß“ mitbrachten. Elstners Klassiker „Montagsmaler“ erlebte eine Wiedergeburt, genau wie einige der spektakulärsten Auftritte aus „Wetten dass..?“.

Die von der ARD produzierte und an einem Samstag Anfang 
April ausgestrahlte vierstündige Mammut-Show geriet zum Quoten-Hit, ganz entgegen der Voraussagen von Branchenexperten, die eine solche Art von abendfüllender Show als das „Lagerfeuer der Unterhaltung“ längst zu Grabe getragen haben.

Im Publikum in Berlin-Adlershof hatte Elstner auch Leute platziert, die im Laufe der Jahrzehnte einen Anteil an seinem Erfolg hatten, wie den Ex-Unterhaltungs-Chef des ZDF, Wolfgang Penk, und Elstners „besten Freund“ Heinrich Walter, der mit ihm durch dick und dünn gegangen ist. Denn es sind nicht nur Erfolge, die Frank Elstners Biografie zieren. Projekte wie „Nase vorn“ oder „Elstner und die Detektive“ verschwanden ebenso schnell vom Bildschirm, wie sie aufgetaucht waren.

Vom Gourmand zum Gourmet

Frank Elstner, der eigentlich Tim Maria Franz heißt und im österreichischen Linz zur Welt kommt, ist der Fernsehunterhalter mit dem längsten Atem. Als Zehnjähriger spricht er bei „Radio Baden-Baden“ das „Bambi“ und bekommt dafür ein höheres Honorar als seine Schauspielereltern nach einem Theaterabend. Die ersten Lebensjahre verbringt der Knirps in Brünn, wo der Vater Oberspielleiter am Theater ist.

Die Wirren des Krieges beuteln die kleine Familie, die schließlich in Berlin landet und von dort nach Baden-Baden zieht. Nach langen Wanderjahren hat sich für Elstner hier der Kreis geschlossen. In der Kurstadt lebt sein Bruder, hier liegen die Eltern begraben. Hier ist er endlich zu Hause.

Doch mit heißem Herzen denkt er an seine Zeit in Luxemburg. Mit einem Motorroller und ein paar Hemden im Gepäck reist er an. Bald wird er Chefsprecher von Radio Luxemburg und wenig später Programmdirektor. Nacheinander bezieht er Häuser in der Rue Gaston Diderich, in Senningerberg und Graulinster. Er wird vom Gourmand zum Gourmet. Auf der Speisekarte eines Restaurants steht ihm zu Ehren ein „Porcelet à la Frank“.

Elstner holt Kollegen aus Deutschland ins Luxemburger Paradies, übergibt Thomas Gottschalk die „Hitparade“ und engagiert Harald Schmidt als Außenreporter für „12 Uhr Mittags“.

„Die wichtigste Zeit“

„Es war die wichtigste Zeit in meiner persönlichen Entwicklung“, weiß Elstner heute. „Ich hatte als junger Mensch Gelegenheit, in einem aufstrebenden Sender eine Karriere von unten nach oben in verhältnismäßig kurzer Zeit zu machen.“ In der Musikbranche ist Radio Luxemburg zu dieser Zeit die Nummer eins und der „Goldene Löwe“ der begehrteste Medienpreis in Europa.

Eine solche Karriere braucht ihre Förderer. Gust Graas – der Generaldirektor – sieht eines Tages ein, dass die Villa Louvigny zu klein geworden ist für ein großes Talent. Er lässt Elstner ziehen, der längst den Sprung auf die obersten Sprossen der Karriereleiter geschafft hat. Er macht das von ihm konstruierte „Wetten dass..?“ zum Flaggschiff der Fernsehunterhaltung. Dass er es eines Tages ohne Not an Thomas Gottschalk übergibt, sieht Elstner rückblickend nicht als Fehler, sondern als Chance, um sich weiterzuentwickeln.

Mit der danach von ihm produzierten Show „Nase vorn“ erleidet er allerdings Schiffbruch. Angeschlagen zieht sich der Erfolgsmensch Elstner erst einmal vom Bildschirm zurück.

In seiner Luxemburger Firma produziert er jedoch weiter Fernsehunterhaltung – zumindest als Mann hinter den Kulissen. Bald darauf ist er auch wieder zu sehen, als Spielleiter in der Quizsendung „Jeopardy“ bei RTL und „Verstehen Sie Spaß“ oder „Die große Show der Naturwunder“ für die ARD. Dass er kurz vor dem Abitur von der Schule geflogen ist, wurmt ihn noch immer. Er verschafft sich Genugtuung, indem er 134 Folgen von „Die stillen Stars“ produziert, für die er Nobelpreisträger in der ganzen Welt interviewt.

„Die stillen Stars“

„Was mich beeindruckt hat, sind die wirklich revolutionären Antworten von Wissenschaftlern, die immer disziplinärer denken und ganzheitliche Methoden und Modelle entwickeln und auch versuchen, in ihnen zu leben“, erinnert er sich. Elstner setzt sein Reportertalent in der SWR-Reihe „Menschen der Woche“ ein, erhält die „Goldene Kamera“, den „Bambi“ und neben dem „Deutschen Fernsehpreis“ den Orden „Pour le Mérite“ des Großherzogtums Luxemburg sowie das Bundesverdienstkreuz. Als Joachim Gauck zum Bundespräsidenten gewählt wird, sitzt Frank als Wahlmann in einer der ersten Reihen.

Nach dem 75. Geburtstag zieht sich der ehrenwerte Herr Elstner keineswegs zum Angeln in die Wildnis zurück. Ihm bleiben TV-Serien wie „Elstners Reise“ und „Die große Show der Naturwunder“. Und heute erst einmal ein Geburtstagskuchen, den Ehefrau Britta im Auftrag der Familie serviert. Ohne Kameras und ohne Scheinwerferlicht.

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