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Fortschritt im Kampf gegen Diabetes: Nützliche Bakterien auf Abwegen
Panorama 2 Min. 14.10.2016

Fortschritt im Kampf gegen Diabetes: Nützliche Bakterien auf Abwegen

Die Untersuchung der Darmbakterien soll helfen, Diabetes-Krankheiten besser zu verstehen.

Fortschritt im Kampf gegen Diabetes: Nützliche Bakterien auf Abwegen

Die Untersuchung der Darmbakterien soll helfen, Diabetes-Krankheiten besser zu verstehen.
Foto: Shutterstock
Panorama 2 Min. 14.10.2016

Fortschritt im Kampf gegen Diabetes: Nützliche Bakterien auf Abwegen

Kevin WAMMER
Kevin WAMMER
Luxemburgische Forscher haben einen Weg gefunden, die Bakterien des Darms genauer zu untersuchen.

Der menschliche Darm ist ein komplexes Ökosystem: Zahllose Bakterien besiedeln ihn und helfen dabei, die Nahrung zu verdauen. Wissenschaftler des „Luxembourg Centre for Systems Biomedicine“ (LCSB) der Universität Luxemburg haben jetzt in Zusammenarbeit mit der IBBL („Integrated BioBank of Luxembourg“), dem „Centre Hospitalier de Luxembourg“ und dem „Centre Hospitalier Emile Mayrisch“ einen Weg gefunden, dieses Ökosystem – das Mikrobiom des Darms – noch genauer zu untersuchen.

Drei Analysetechniken kombiniert

Mit ihrem neuen Analyseansatz können sie das Erbmaterial der Bakterien, die DNA, analysieren und zugleich die RNA einbeziehen, also die Moleküle, die beim Ablesen der DNA gebildet werden. Außerdem können sie auch die Proteine identifizieren, die im nächsten Syntheseschritt entstehen. „Erstmals können wir jetzt herausfinden, was gleichzeitig auf den drei Ebenen DNA, RNA und Proteine in der mikrobiellen Gemeinschaft des Darms passiert“, sagt Paul Wilmes, Leiter der „Eco-Systems Biology“-Gruppe des LCSB. „Die parallele Betrachtung vermittelt uns ein völlig neues Bild von den funktionellen Abläufen beispielsweise im Stoffwechsel, die im Darm ablaufen. Das ist wichtig, um Krankheiten wie Diabetes besser zu verstehen.“

Im Zentrum der sogenannten MUST-Studie („Diabetes multiplex family study“), deren Ergebnisse die Forscher heute im Journal „Nature Microbiology“ veröffentlichen, stehen Patienten, die seit einigen Jahren an Diabetes vom Typ 1 leiden. Bei ihren Untersuchungen stellten die Wissenschaftler fest, dass sich die bakterielle Artenzusammensetzung zwischen Menschen mit und ohne Diabetes gar nicht so dramatisch unterscheidet, wie bisher angenommen. „Es gibt aber deutliche Unterschiede was die Bakterien tun“, erklärt Anna Heintz-

Buschart, Erstautorin der Studie

Hintergrund dieser Veränderungen dürfte sein, dass bei Typ-1-Diabetes die Insulin bildenden Zellen vom eigenen Immunsystem angegriffen werden. Dadurch wird die Bauchspeicheldrüse in Mitleidenschaft gezogen, wodurch sich wiederum die Zusammensetzung der Verdauungssäfte ändern kann. Die ursprünglich nützlichen Bakterien werden so zum gesundheitlichen Risiko und verschlechtern unter Umständen das Krankheitsbild des Diabetes.

Solch exakte Aussagen über die krankheitsrelevanten Veränderungen im Mikrobiom und Erkenntnisse über deren funktionelle Auswirkungen im Körper waren bisher unmöglich, unterstreicht Paul Wilmes: „Mit den üblichen DNA-Analysen konnten wir zwar die Artenzusammensetzung im Ökosystem Darm bestimmen. Was dort aber eigentlich los war, blieb uns verschlossen.“

Große Hoffnungen in den neuen Forschungsansatz setzen vor allem die Mediziner wie Carine de Beaufort, die sowohl am LCSB als auch am „Centre Hospitalier de Luxembourg“ forscht und Patienten behandelt. „Wir versprechen uns von solchen Untersuchungen Hinweise auf Biomarker“, sagt sie. „Das sind Moleküle, etwa Proteine, deren Menge im Körper sich schon im frühen Stadium einer Diabetes-Erkrankung ändert. Solche Biomarker würden die Diagnose erleichtern, sodass wir schon sehr früh präventiv oder therapeutisch eingreifen könnten.“

Um die Suche nach den Biomarkern voranzutreiben, soll die Studie fortgesetzt werden, so Paul Wilmes. „Wir würden jetzt gern mit Familien zusammenarbeiten, in denen Kinder mit Frühformen von Diabetes leben“, sagt er. „Gerade bei jungen Menschen ist es wichtig, so früh wie möglich Hinweise auf Krankheiten zu erhalten. Denn je eher die Ärzte eingreifen können, umso besser können sie für ein Leben mit möglichst wenigen Einschränkungen sorgen.“ 


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