Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Korallenriffe in verheerendem Zustand
Panorama 3 Min. 18.07.2021
Forscher schlagen Alarm

Korallenriffe in verheerendem Zustand

Ein Fisch schwimmt durch ein durch Dynamitfischen zerstörtes Korallenriff auf den Philippinen.
Forscher schlagen Alarm

Korallenriffe in verheerendem Zustand

Ein Fisch schwimmt durch ein durch Dynamitfischen zerstörtes Korallenriff auf den Philippinen.
Foto: Heinz Krimmer/Universität Bremen/dpa
Panorama 3 Min. 18.07.2021
Forscher schlagen Alarm

Korallenriffe in verheerendem Zustand

Eine Folge des Klimawandels ist die Zerstörung von Korallenriffen. Ab Montag tauschen sich 1.200 internationale Wissenschaftler dazu aus. Sie sehen auch die Politik in der Verantwortung.

(dpa) - Für die Situation der weltweiten Korallenriffe findet Christian Wild von der Universität Bremen deutliche Worte: „Der Zustand ist verheerend. Und die neuesten Studien deuten darauf hin, dass er noch schlechter wird.“ 

30 Prozent aller Korallenriffe seien bereits verloren, 40 Prozent massiv bedroht. Rund 1.200 Forschende aus 80 Nationen tauschen sich ab Montag für fünf Tage auf einem Online-Kongress auch darüber aus, wie die Zerstörung dieser wertvollen Ökosysteme aufgehalten werden kann. Der Biologe Wild hat das „14. International Coral Reef Symposium (ICRS) 2021 virtual“ mit seinem Team organisiert, es ist die weltweit größte Korallenriffkonferenz.

Eigentlich hätte die alle vier Jahre stattfindende Tagung bereits im letzten Jahr mit 3.000 Teilnehmenden in Bremen und damit erstmals in Europa abgehalten werden sollen. Wegen der Corona-Pandemie wurde der Plan zunichte gemacht. Nun gibt es eine kleinere virtuelle Ausgabe, im Juli 2022 wollen sich die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zudem in einer Präsenz-Veranstaltung in der Hansestadt treffen. 

Begleitend zu beiden Symposien zeigt das Übersee-Museum noch bis zum 10. Juli 2022 die Ausstellung „Korallenriffe - vielfältig. verletzlich. verloren?“

„Letzte Chance, einen Kollaps zu verhindern“

Dass nun gleich zwei Kongresse kurz hintereinander angesetzt werden, zeigt auch die Dringlichkeit, die die Forschenden bei dem Thema sehen. „Das kommende Jahrzehnt ist wahrscheinlich die letzte Chance für politische Entscheidungsträger, einen weltweiten Kollaps der Korallenriffe zu verhindern“, betont Wild. Daher erstellten die Experten ein Positionspapier, das am Dienstag vorgestellt werden soll. Darin werden konkrete Handlungsempfehlungen aufgeführt. „Wir hoffen, dass die Politik reagiert und die Botschaften aufgreifen wird“, sagt Sebastian Ferse vom Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung in Bremen und Mitautor des Strategiepapiers. 


asdg
Korallengärtnern: Rettung für sterbende Riffe
Korallenriffe könnten in absehbarer Zeit fast komplett verschwinden. Neue Zuchtmethoden sollen die einzigartigen Ökosysteme retten.

Ursachen für die Zerstörung der Korallenriffe seien vor allem die Überfischung und die Verschmutzung der Meere sowie der Klimawandel. Der Klimawandel lasse die Meerestemperaturen steigen, was wiederum zur berüchtigten Korallenbleiche führe. „Deutschland ist kein Korallenriffland, trägt aber mit zum Klimawandel bei“, sagt Ferse. Daher sieht er auch bei der Bundesregierung einen Handlungsbedarf. 

Hoffnung setzen die Forschenden aber auch auf neue Ansätze bei der Restauration von zerstörten Korallenriffen, die von Nesseltieren gebildet werden. Bisher wurden für die Aufforstung vor allem Teile von intakten Korallenriffen abgeschlagen, um sie an zerstörten Riffen neu anzubringen. „Korallen haben eine außergewöhnliche Fähigkeit der Regeneration“, sagt Wild.

In Versuchsprojekten würden nun auch Spermien und Eizellen der Nesseltiere eingesammelt, entstandene Larven würden dann auf künstliche Strukturen aufgebracht. „Der Vorteil ist, dass man neue Korallenriffe erhält, ohne etwas zu zerstören“, betont Wild. 

Um die farbenfrohen Unterwasser-Ökosysteme in einer Größenordnung von Tausenden Quadratkilometern zu restaurieren, seien jedoch weitere Investitionen in die Forschung notwendig, betont Wissenschaftler Ferse. „Dazu sind wir im Moment nicht in der Lage.“  


Lesen Sie mehr zu diesem Thema