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FNR-Awards: Ausgezeichnete Forschung in Luxemburg
Panorama 12 6 6 Min. 25.10.2019

FNR-Awards: Ausgezeichnete Forschung in Luxemburg

Der Fonds National de la Recherche hat in diesem Jahr sechs Preise in drei Kategorien verteilt.

FNR-Awards: Ausgezeichnete Forschung in Luxemburg

Der Fonds National de la Recherche hat in diesem Jahr sechs Preise in drei Kategorien verteilt.
Foto: Shutterstock
Panorama 12 6 6 Min. 25.10.2019

FNR-Awards: Ausgezeichnete Forschung in Luxemburg

Der Fonds National de la Recherche zeichnet auch in diesem Jahr wieder herausragende wissenschaftliche Arbeiten und Vermittlungskonzepte aus.

von Jessika Maria Rauch

Seit nun bereits 20 Jahren unterstützt und würdigt der Nationale Forschungsfond (FNR) als führender Akteur auf dem Gebiet der Forschung herausragende Leistungen von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die an der Universität Luxemburg oder einem anderen Institut im Großherzogtum tätig sind. Jedes Jahr ruft der FNR mit Sitz auf dem Universitätsgelände in Esch/Alzette Forschende und Institute dazu auf, ihre wissenschaftlichen Arbeiten einzureichen und ihr besonderes Engagement für die Wissenschaft, die Öffentlichkeit und den Nachwuchs darzulegen. Am Freitagabend wurden die Preisträger dieses Jahres bei einem festlichen Verleihungsakt in drei Kategorien ausgezeichnet.

Kategorie „Outstanding Scientific Publication“

Eva Lagunas Targarona: Interdisciplinary Centre for Security, Reliability and Trust – Universität Luxemburg

Eva Lagunas Targarona
Eva Lagunas Targarona
Foto: Guy Wolff

Die gebürtige Spanierin – seit 2014 als Research Scientist am SnT-Institut der Universität Luxemburg in Kirchberg bei Professor Dr. Björn Ottersten – beschäftigt sich vor allem mit dem Thema Satellitenkommunikation. So war Eva Lagunas von Beginn an in ein Projekt involviert, in dem auch an Hochgeschwindigkeits-Satellitensystemen geforscht wird.

Sie erhält den FNR-Award in der Kategorie „Herausragende wissenschaftliche Publikation“, weil sie sich auf besonders investigative Weise mit Satellitenkommunikation – insbesondere mit der Knappheit des Spektrums, also der Verteilungskapazität – auseinandergesetzt hat: Die von ihr entwickelte Technik löst, wie Satellitenkommunikations- und terrestrische Kommunikations- beziehungsweise Satellitensysteme untereinander ihre nicht genutzte Kapazität teilen können. Dies kann zukünftig im Bereich 5G-Technologie eine Rolle spielen, denn diese Generation der Mobiltelefonie ist um ein Hundertfaches schneller als vorherige Standards.

Im Zuge der Einrichtung hierfür notwendiger Infrastruktur, die noch nicht vorhanden ist, könnten die gewonnen Erkenntnisse eine unterstützende Rolle spielen. Die Forscherin hat dabei mit den Industrieunternehmen Thales, SES und Newtec zusammengearbeitet, um hier eine für alle Seiten gewinnbringende Interaktion zu ermöglichen.

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Antonio del Sol Mesa: Luxembourg Centre for Systems Biomedicine (LCSB) – Universität Luxemburg

Antonio Del Sol Mesa
Antonio Del Sol Mesa
Foto: Guy Wolff

Als Professor am LCSB lehrt der studierte Physiker aus Spanien einerseits und forscht andererseits im weit gesteckten Feld der Systembiologie. Die Auszeichnung für eine „Herausragende wissenschaftliche Publikation“ wird ihm im Bereich der regenerativen Medizin und der Stammzellenforschung zuteil.

Antonio del Sol Mesa arbeitete mit Klinikern aus verschiedenen Ländern zusammen, um eine Methode zur Reprogrammierung beziehungsweise Umwandlung und Transplantation von Zellen zu entwickeln. Dies kann beispielsweise in der Parkinson-Therapie nützlich sein. Die erste Stufe, die in der Praxis getestet und der wichtigste Schritt zur späteren Etablierung ist, ist die In-Vitro-Methode. Hier werden „kranke“ Stammzellen eines Patienten in „gesunde“ umgewandelt und ihm anschließend wieder eingesetzt.

Regenerative Medizin werde in der Zukunft eine immer wichtigere Rolle spielen, deshalb sei seine Methode und die Plattform, die er entwickelt und in der Publikation erläutert hat, ausgezeichnet worden, so Del Sol. Maßgeblich unterstützt wurde er vom FNR. Er forscht seit dem Jahr 2013 an diesen und verwandten Themen, die ineinandergreifen. Eine Forschung, die Schritt für Schritt Erkenntnisse liefert und konkret Anwendung in der medizinischen Praxis findet.

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Kategorie „Outstanding Promotion of Science to the Public“

Sousana Eang: Fondation Jeunes Scientifiques Luxembourg

Preisträger Carlo Hansen und Natalia Siloutova; Lara Peiffer (anwesend für Sousana Eang).
Preisträger Carlo Hansen und Natalia Siloutova; Lara Peiffer (anwesend für Sousana Eang).
Foto: Guy Wolff

Unter der Schirmherrschaft des Großherzogs agiert die Fondation Jeunes Scientifiques zur Förderung des natur- und sozialwissenschaftlichen Interesses junger Menschen in Luxemburg. Sie ist die Plattform für eigene Projekte der Nachwuchsforscher, ermöglicht ihnen die Teilnahme am kulturellen Austausch und konkret auch an Wettbewerben auf internationaler Ebene.

Der durch den FNR in der Kategorie „Outstanding Promotion of Science to the Public“ ausgezeichnete Wettbewerb „Jonk Fuerscher“ richtet sich an Jugendliche im Alter von elf bis 21 Jahren. Alleine oder in einer Gruppe von bis zu drei Personen entwickeln und präsentieren sie ihr Projekt aus den Bereichen Technologie, Natur- oder Humanwissenschaften. Eine Jury, bestehend aus Experten aus Forschung und Unternehmen, bewertet diese Arbeiten und zeichnet die besten aus – das Geschlechterverhältnis ist dabei übrigens meist ausgeglichen. Mit diesem Format soll schon frühzeitig das Selbstbewusstsein der Schüler gestärkt und ihr Weg in eine akademische berufliche Zukunft beflügelt werden.

Besonders reizvoll ist dabei der Austausch auf internationaler Ebene dank organisierter Forschungsreisen und Tutorenprogramme. Die unter anderem vom luxemburgischen Bildungsministerium geförderte Arbeit der Stiftung ermöglicht auch den hiesigen Unternehmen, künftige Arbeitnehmer zu einem frühen Zeitpunkt kennenzulernen und zu unterstützen. Sousana Eang ist Direktorin der Fondation und aktuell im Mutterschutz.

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Juliette Pertuy & Team: Luxembourg Institute of Health (LIH)

Hinten: Federica Amato, Juliette Pertuy, Laura Star. Vorne: Joanna Muz, Arnaud d'Agostini, Malou Fraiture (v.l.n.r.)
Hinten: Federica Amato, Juliette Pertuy, Laura Star. Vorne: Joanna Muz, Arnaud d'Agostini, Malou Fraiture (v.l.n.r.)
Foto: Anouk Antony

Forschungen rund um die Themen Onkologie, Infektionen, Immunität und Gesundheit der Bevölkerung im Allgemeinen treiben das LIH um. Ziel ist es, neue patientenspezifische Therapien sowie innovative Ansätze in Prävention und Diagnostik zu entwickeln.

Kommunikationsmanagerin Juliette Pertuy arbeitet seit 2015 beim LIH, die Auszeichnung im Bereich „Outstanding Promotion of Science to the Public“ gilt dem gesamten mehrköpfigen Team (Laura Star, Noémie Guerisse, Malou Fraiture, Joanna Muz, Arnaud D’Agostini, Federica Amato). Ihre Aufgabe ist es, über die Arbeit der Forscher zu sprechen, die mit dem LIH kooperieren, um die Relevanz ihres Handelns gegenüber der Öffentlichkeit und für Patienten zu verdeutlichen. Die neueste Methode, dies effektiv und ansprechend zu tun, ist das von den Kommunikationsexperten entwickelte „Science Quest“ – eine Art Spiel, das Forschungsarbeit erlebbar macht.

Nicht-Forscher übernehmen hier kurzzeitig die Rolle der Profis und lernen deren Arbeit mit all ihrer Komplexität und den Herausforderungen auf spielerische Art kennen. In elf Räumen entdecken Teilnehmer die Arbeit der Forscher des LIH multimedial. Das Projekt wurde auch beim Gipfel der Europäischen Kommission präsentiert und unter 30 Anwendungen auf den zweiten Platz gewählt. Der Erfolg soll weitergehen: „Science Quest“ geht im Jahr 2020 in die nächste Runde.

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Kategorie „Outstanding PhD Thesis“

Linda Wampach: Luxembourg Center for Systems Biomedicine (LCSB) – Universität Luxemburg

Linda Wampach
Linda Wampach
Foto: Guy Wolff

Die Luxemburgerin Linda Wampach, die in der Eco-Systems Biology Group geforscht und im März vergangenen Jahres ihre Doktorarbeit zum Thema Mikrobiome eingereicht hat, wird in diesem Jahr vom FNR für ihre „Outstanding PhD Thesis“ honoriert.

Finanziell unterstützt vom FNR sowie von der privaten Stiftung André et Henriette Losch, hat Linda Wampach untersucht, wann Mikrobiome in unseren Organismus kommen und dokumentiert, dass wir sie seit unserer Geburt in uns tragen. Mikrobiome sind alle Bakterien, die in und auf uns leben, insbesondere in unserem Verdauungstrakt. Bis zum zweiten Lebensjahr bilden sie sich mit hoher Geschwindigkeit aus. Im Falle von natürlichen Geburten geschieht dies „am besten“, bei Kaiserschnitt-Geburten bekommen die Säuglinge andere Bakterien mit auf den Weg.

Die junge Wissenschaftlerin fand im Vergleich beider Geburtsarten heraus, dass das Immunsystem der Kinder, die auf natürlichem Wege zur Welt gekommen sind, stärker ist. So haben Babys, die per Kaiserschnitt zur Welt kamen, eine größere Veranlagung für Allergien und bestimmte Krankheiten wie etwa Asthma. Im zweiten Schritt wirkt sich das Stillen positiv auf die Gesundheit des Kindes aus. Die von Linda Wampach angewendete Methode wurde von ihr selbst entwickelt. Mittlerweile arbeitet sie als Programm-Managerin und wissenschaftliche Mediatorin beim Fonds Nationale de la Recherche.

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Riccardo Rao: Universität Luxemburg

Riccardo Rao
Riccardo Rao
Foto: Anouk Antony

Zwischen Physik, Biochemie und Mathematik bewegt sich der Italiener Riccardo Rao, der zunächst an der Universität Neapel studiert hat. Grundsätzlich fasziniert von der Idee, „lebende Systeme“ aus einer mechanistischen und quantitativen Perspektive zu untersuchen und als Physik-Doktorand mehr über die theoretische Grundlagenforschung in der Biologie zu lernen, entschied Riccardo Rao sich dazu, im Großherzogtum zu forschen.

Im Zentrum seiner Arbeit, für die er nun den Award in der Kategorie „Outstanding PhD Thesis“ erhielt, stand der Stoffwechsel lebender Organismen und die thermodynamische Sicht auf die Prozesse, die in Gang gesetzt werden, wenn sie Nahrung verbrennen, um lebensnotwendige Energie zu produzieren. Ein Vorgang, der auch bei uns Menschen so funktioniert. Die Netzwerke chemischer Reaktionen innerhalb des Stoffwechsels sind dabei sehr komplex und schwierig zu beschreiben.

Die Hauptleistung seiner Arbeit fasst Rao so zusammen, dass er die Begriffe der Thermodynamik mathematisch formalisiert und somit den Weg für die Bewertung der thermodynamischen Kosten des Stoffwechsels und der Informationsverarbeitung in lebenden Systemen geebnet habe.

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