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Florence Kasumba: „Ich fühle mich nie klein“
Panorama 5 Min. 17.07.2019

Florence Kasumba: „Ich fühle mich nie klein“

Tradition trifft Moderne: Zur „Lion King“-Europapremiere in London trug die deutsch-ugandische Schauspielerin Florence Kasumba ein Ensemble aus der „Africanah“-Kollektion des südafrikanischen Designers David Tlale.

Florence Kasumba: „Ich fühle mich nie klein“

Tradition trifft Moderne: Zur „Lion King“-Europapremiere in London trug die deutsch-ugandische Schauspielerin Florence Kasumba ein Ensemble aus der „Africanah“-Kollektion des südafrikanischen Designers David Tlale.
Foto: AFP
Panorama 5 Min. 17.07.2019

Florence Kasumba: „Ich fühle mich nie klein“

Florence Kasumba spricht im Interview über Hyänen, Musicals und die Unterstützung ihrer Eltern.

Interview: André Wesche  

Geboren in Uganda, aufgewachsen in Essen und schließlich Hollywood im Sturm erobert: Die ausgebildete Musicaldarstellerin Florence Kasumba war nach Engagements an Bühnen in Deutschland und Österreich zunächst in deutschen Filmproduktionen zu erleben. Der Sprung über den großen Teich gelang der Wahlberlinerin schließlich mit Rollen in Blockbustern wie „Black Panther“, „Avengers: Infinity War“ und „Wonder Woman“. Seit Anfang des Jahres ermittelt die 42-Jährige zudem als Anaïs Schmitz neben Maria Furtwängler im „Tatort“ aus Göttingen. In der neuen Version von „Lion King“, die heute in den hiesigen Kinos startet, leiht Florence Kasumba nun Hyäne Shenzi ihre Stimme – und das sowohl in der deutschsprachigen als auch in der englischen Version.

Florence Kasumba, mit „Lion King“ und der Figur Shenzi verbindet Sie mehr als die meisten wissen, oder?

(lacht) Ja, das ist der ewige Kreis. Ich habe Shenzi schon vor ein paar Jahren spielen dürfen, im Musical „Der König der Löwen“ in Hamburg. Entsprechend groß war meine Freude, nun an diesem Film mitwirken zu dürfen.

Sie haben Shenzi sowohl im englischen Original als auch in der deutschen Fassung gesprochen. Für gewöhnlich entsteht die erste Sprachfassung noch vor den Bildern, als deren Vorlage. War es in diesem Fall auch so?

Ja. Wir haben uns in einer Black Box getroffen, das ist ein schwarzes Theater. Man muss es sich so vorstellen, dass wir Schauspieler in diesem Raum sind und uns wie auf der Bühne frei bewegen können. Ich konnte um meine Kollegen herumspringen, laufen, mich anpirschen. Im Endeffekt haben wir uns die Dialoge angeschaut und dann wie auf der Bühne gespielt.

Hyänen sind nicht gerade beliebt, auch im Film. Können Sie diesen verschlagenen Charakteren trotzdem etwas abgewinnen?

In der Zeit, in der ich sie spielen durfte, habe ich mich wirklich ausgetobt. Natürlich habe ich vorher viel recherchiert: Wie bewegen sich Hyänen? Wie leben sie und wie arbeiten sie als Rudel zusammen? Das hat mir gefallen. Die drei Hyänen im neuen Film sind ein Team. Und dazu kommt dann noch das Rudel. So arbeite ich gerne. Ich bin nicht so ein Einzelgänger wie Scar, der nicht sehr beliebt ist und irgendwo seinen Platz sucht. Bei den Hyänen ist das anders. Natürlich fühlen sie sich als Gruppe ausgestoßen oder nicht dazugehörig. Aber sie haben sich. Das macht sie für mich auch sympathisch. Ich finde sie auch nicht so hässlich, wie sie oft beschrieben werden.

Das Musicalbusiness muss ungeheuer anstrengend sein. Haben Sie dieses Kapitel für sich abgeschlossen?

Ich könnte mir vorstellen, auch wieder auf der Bühne zu stehen, wenn das richtige Stück kommt. Und das in der richtigen Stadt. Man darf ja auch nicht vergessen, dass Musicals en suite gespielt werden. Ich habe immer acht Vorstellungen pro Woche gespielt, mit Doppelsamstag und Doppelsonntag. Das war für mich normal, dafür bin ich trainiert worden. Wenn ich so ein Stück jetzt für eineinhalb Jahre in mein Leben reinbringen würde und für diese Zeit in dieser einen Stadt bleiben müsste, wäre das schwierig. Ich habe Kinder, ich bin verheiratet und ich habe einen Hund. Ich möchte nicht so lange weg sein. Mein Hauptwohnsitz ist Berlin. Deshalb ist es mit den Filmprojekten so schön. Ich bin für eine überschaubare Zeit weg und danach habe ich wieder drei oder vier Wochen frei, um mich um meine Familie kümmern zu können.

Mittlerweile sind Sie in Hollywood angekommen. Ist es surreal, wenn man in der Maske plötzlich neben internationalen Filmstars sitzt?

Ich muss ehrlich sagen, dass ich keine Unterschiede zwischen nationalen und internationalen Schauspielerkollegen mache. Das Wort „Star“ benutze ich nicht so gern. Wer ist denn ein „Star“? Jemand, der bekannt ist? Jemand, der viel erreicht hat? Egal, ob ich jetzt in Deutschland arbeite oder in Amerika: Ich fühle mich nie klein. Ich denke nicht, oh, ich komme jetzt aus Deutschland und bin in Amerika nicht so bekannt. Deshalb muss ich jetzt gucken, was die Kollegen machen. Nein, im Gegenteil! Es geht doch darum, dass jeder so wie er ist, gut ist. Wenn ich in einer Produktion bin, bin ich ja schon besetzt. Ich muss nicht mehr darum kämpfen und hoffen, dass die mich nehmen. Den Job habe ich ja. Und nun ist es meine Aufgabe, mich auf diesen Job zu konzentrieren.

Gab es ein Schlüsselerlebnis, das in Ihnen den Wunsch geweckt hat, auf der Bühne und vor der Kamera zu stehen?

Ja. Als ich zwölf Jahre alt war, habe ich ein tolles Stück auf der Bühne gesehen, „Starlight Express“. Mir hat diese Show sehr gefallen, vor allem diese Typen, diese internationale Besetzung. Ich fand es großartig, was die geleistet haben und ich dachte, wow, das will ich auch machen: Singen, tanzen und spielen, und das zur gleichen Zeit. Ich habe angefangen, Gesang- und Tanzunterricht zu nehmen. Aus einer Stunde pro Woche wurden schnell drei, bis ich dann am Ende jeden Tag trainiert habe. Als ich älter wurde, musste ich natürlich neben der Schule arbeiten, um mir das überhaupt leisten zu können. Aber es hat sich auf jeden Fall ausgezahlt, weil ich dann in den Niederlanden von einer staatlichen Hochschule aufgenommen wurde und studieren durfte. Dort habe ich all das gelernt, was ich jetzt anwenden kann, wenn ich zur Arbeit gehe.

Hat Ihre Familie Sie unterstützt oder hätte es Ihren Eltern besser gefallen, wenn Sie zunächst etwas „Anständiges“ gelernt hätten?

Komischerweise haben sie mich unterstützt. Wenn in den 1990ern ein Kind gesagt hat, dass es zur Bühne will, dann war das keineswegs selbstverständlich. Ich habe beim Studium und später von Kollegen ganz oft gehört, dass sie nicht unterstützt wurden. Da hieß es tatsächlich: „Lern' doch mal etwas Vernünftiges!“. Das habe ich nie gehört. Bei mir hieß es, dass ich hart arbeiten muss, egal, auf welchem Gebiet ich etwas erreichen möchte. Ich bin darauf getrimmt, rauszugehen, mein eigenes Geld zu verdienen, das zu lernen, was ich möchte und dann Berufserfahrung zu sammeln. Ich würde jetzt nicht hier stehen, wenn meine Eltern mich nicht unterstützt hätten. Allein hätte ich das als junger Mensch gar nicht finanzieren können. 


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