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Fette Beats statt Humtata
Die Band Meute wurde 2015 gegründet. Die Mitglieder sind alle professionelle Musiker.

Fette Beats statt Humtata

Foto: Steffi Rettinger
Die Band Meute wurde 2015 gegründet. Die Mitglieder sind alle professionelle Musiker.
Panorama 3 5 Min. 19.03.2018

Fette Beats statt Humtata

Michael JUCHMES
Michael JUCHMES
Meute ist alles, nur keine klassische Marching Band. Denn das, was aus den Trichtern und Trommeln schallt, ist nicht fade Blasmusik, sondern Techno. Wir sprachen vor ihrem Auftritt am 4. April in der Rockhal mit Bandgründer Thomas Burhorn.

Die Idee zur Band entstand in einem Berliner Club. Der Hamburger Jazztrompeter und Musikmanager Thomas Burhorn, der bereits einige Musikformationen ins Leben gerufen hatte, dachte sich zwischen satten Bässen und eingängigen Melodien: Warum diese Musik nicht mit klassischen Instrumenten nachahmen? Genauer gesagt: mit einer Marching Band. Diese nächtliche Idee führte schlussendlich 2015 zur Gründung der Formation Meute, die seitdem mit ihren Arrangements von Techno-, House- und Deep-House-Stücken bekannter DJs für frischen Wind auf Konzert- und Festivalbühnen sorgt – und natürlich auch auf YouTube, wo die Band peu à peu neue Tracks verbreitete, die 2017 schließlich Platz auf dem Album "Tumult" fanden.

Die DJs, deren Tracks das Grundgerüst für die Arrangements bilden, sind begeistert – oder, wie Thomas Burhorn es nennt, "ganz angetan": Laurent Garnier hält die Jungs für "genial", Gonçalo findet das Endprodukt "magisch" und Âme, dessen Track "Rej“ in der Meute-Version mehr als eine halbe Million Klicks bei YouTube generierte, glaubt, dass die Band den Beweis angetreten hat, dass auch Deutsche "den Funk" in sich tragen.

Ob monotone Musik nicht manchmal langweilig für die Bandmitglieder ist und wie es mit dem Coolness-Faktor von Marching Bands steht, erklärt Bandinitiator Thomas Burhorn im Interview.

Die erste Frage, die mir unter den Nägeln brennt: Wie kommt man eigentlich auf die Idee, mit einer Marching Band elektronische Musik nachzuahmen?

Alles, was es noch nicht gibt, sollte man zumindest einmal ausprobieren. Wenn man außerdem glaubt, dass es Spaß machen kann, dann erst recht.

Wie schnell wurde aus deiner Idee Realität?

Die Idee musste ja erst einmal reifen, das war schon ein Prozess von Jahren. Vom Moment des "Ja, wir sollten es probieren" bis zum ersten Konzert ist sicher nochmals ein Jahr vergangen. In dieser Zeit wurden Stücke ausgewählt, Arrangements geschrieben, Instrumente besorgt, geprobt, Aufnahmen gemacht, alles zwischendurch wieder in Frage gestellt, einiges verworfen, coole Uniformen ausgesucht und so weiter.

Wie schwierig war es, zehn weitere Musiker für das Projekt zu finden?

Da sich viele von uns vorher schon kannten, war die Suche tatsächlich das geringste Problem.

Waren alle anfangs von dem Konzept begeistert? Oder gab es auch einige, die abgelehnt haben oder erst überzeugt werden mussten?

In den ersten Proben und Studio-Sessions kam es den meisten – glaube ich zumindest – ganz schön abstrakt vor. Da die Stücke viel reduzierter sind als alles, was man als Musiker sonst so spielt, war die Skepsis am Anfang relativ groß. Die Publikumsreaktionen bei den Auftritten und der Rausch- Zustand während der Konzerte haben aber spätestens alle Zweifel ausgeräumt.

Ihr interpretiert elektronische „Klassiker“ neu? Wie funktioniert das genau?

Ungefähr so, wie wenn man sich ein Foto nimmt und dieses als Gemälde neu interpretiert. Ein paar Farben und Formen sollten noch erhalten bleiben, und zwischendrin gibt es so einige Freiheiten.

Wie wählt ihr die Stücke aus?

Wir suchen uns das aus, was uns ins Herz trifft und wozu man gut raven kann.

Elektronische Musik kann manchmal recht monoton sein. Ist das für euch als Performer dann nicht etwas langweilig?

Das Ganze ist eher wie ein Trance- Zustand. Außerdem kann man sich immer weiter in die unendlichen Tiefen des Mikrotimings begeben, um ständig neue Herausforderungen zu finden, die Stücke noch knackiger zu spielen.

Ihr verzichtet weitestgehend auf Improvisation. Fällt das euch – als Profis – nicht manchmal schwer? Vor allem, wenn man aus dem Jazzbereich kommt ...

Das stimmt ja gar nicht. (lacht) Eigentlich kommt fast jeder aus der Band im Laufe eines Konzerts mit einem improvisierten Solo zu Wort.

Und was ist mit Gesang? Schließt ihr das aus?

Im Konzert gibt es jetzt schon oft ein Feature mit Philip Morton Andernach, der "Hey Hey" singt. Wir setzen es erstmal sparsam ein, da die elektronische Musik ja auch sehr vom Nichtvorhandensein des Gesangs lebt.

Meute will die "elektronische Musik zurück zu den Wurzeln bringen" - heißt es in einem Artikel von "Die Zeit". Zurück zu den Grundrhythmen? Oder zum Minimalismus?

Elektronische Musik stammt ja – wie jede andere Kunstform – von irgendetwas ab. Dies ist wahrscheinlich ein bisschen Krautrock, etwa von Kraftwerk oder Amon Düül, und sicherlich auch der monotone Funk von James Brown. Wenn man das immer weiter rückwärts spinnt, kommt man irgendwann bei echten Trommeln und Blasinstrumenten an, wie bei der New Orleans Marching Band oder auch dem klassischen deutschen Spielmannszug. Und das sind die Wurzeln.

Euer Debütalbum "Tumult" erschien erst im vergangenen Oktober. Warum habt ihr damit bis zwei Jahre nach der Bandgründung gewartet?

Am Anfang war alles nur ein kleines Experiment und immerhin hatten wir ja auch schon ein paar Singles draußen. Als wir aber gemerkt haben, dass der Bedarf da ist, haben wir uns an ein Album gemacht. Und das war zeitlich gar nicht so leicht zwischen all den Konzerten ...

Ihr habt davor nur nach und nach Videos neuer Songs bei YouTube veröffentlicht. Steckte dahinter ein Plan?

Das war eigentlich kein Schachzug. Wenn wir mal Zeit haben für ein neues Video, nehmen wir es auf und hauen es raus. Da steckt vielleicht ein bisschen mehr Arbeit drin, als man so vermutet. Deswegen dauert es immer etwas.

Mal eine ganz praktische Frage: Wie ist das so mit elf Musikern auf Tour?

Größtenteils sehr lustig...

Und ist man dann froh, wenn es wieder rum ist?

Hm, mal so, mal so. (lacht)

Inwiefern ist Meute als ein Versuch zu sehen, den als nerdig verschrienen Marching Bands etwas Coolness zu verleihen?

Das mit den Marching Bands ist so eine These, die für uns eigentlich gar nicht von Belang ist. Wir werden oft gefragt, ob wir Blasmusik aus irgendeiner staubigen Ecke herausholen wollen. Die Antwort: Nein, wollen wir nicht. Wir wissen auch gar nicht, ob sie jemals in einer staubigeren Ecke lag als irgendwelche anderen Stile. Das ist uns auch egal. Wir haben in erster Linie Bock auf geile Musik.

Und last but not least: Gibt es Marching- Band-Groupies?

Ja klar, Tausende!


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