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Felix Klare: "Ein Schauspieler muss nicht fernsehen"
Panorama 4 Min. 07.12.2019

Felix Klare: "Ein Schauspieler muss nicht fernsehen"

Felix Klare (Mitte) spielt in "Unschuldig" den ehemaligen Gefängnisinsassen Alex Schwarz, der nach seiner Entlassung nicht nur den wahren Mörder seiner Frau finden, sondern auch wieder mit seinen Kindern zusammenleben will.

Felix Klare: "Ein Schauspieler muss nicht fernsehen"

Felix Klare (Mitte) spielt in "Unschuldig" den ehemaligen Gefängnisinsassen Alex Schwarz, der nach seiner Entlassung nicht nur den wahren Mörder seiner Frau finden, sondern auch wieder mit seinen Kindern zusammenleben will.
Foto: ARD Degeto/Christine Schröder
Panorama 4 Min. 07.12.2019

Felix Klare: "Ein Schauspieler muss nicht fernsehen"

Martin WEBER
Martin WEBER
Der Tatort-Star Felix Klare über seinen neuen ARD-Thriller "Unschuldig" und das turbulente Leben mit vier Kindern.

Ein Mann kommt aus dem Gefängnis und will seine Kinder zurück: Felix Klare, sonst im "Tatort" aus Stuttgart als Kommissar unterwegs, spielt im TV-Thriller "Unschuldig" – zu sehen am Samstagabend in der ARD – Alex Schwarz, der sieben Jahre für den Mord an seiner Frau im Knast war – eine Tat, die er immer bestritten hat. Seine beiden Kinder leben mittlerweile bei seiner Schwägerin, und Alex setzt alles daran, sie zurückzubekommen und den wahren Mörder seiner Frau zu finden.

Felix Klare, in "Unschuldig" spielen Sie einen Mann, der alles verloren hat. War es schwer, sich in einen solchen Menschen hineinzuversetzen?

Auch nicht schwerer als in andere Rollen. Es gehört ja zu meinem Beruf, die Erfahrungen einer Figur, die ich spiele, mit dem zu verbinden, was ich selber schon erlebt oder erfahren habe. Die Beweggründe einer Figur lassen sich letztendlich immer auf psychologisch grundsätzliche Dinge wie Angst oder Wut reduzieren, also Emotionen, die man selber auch genau kennt. Damit kann man dann als Schauspieler arbeiten.

In einer Szene weinen Sie herzergreifend. Ist so etwas einfach abrufbar?

Abrufbar ist das nicht, die meisten Kollegen benutzen ja Hilfsmittel, damit die Tränen fließen, verwenden einen Mentholstift oder so. Das mache ich nicht, ich habe da für mich selber so einen Ehrenkodex, dass ich es ohne Hilfsmittel schaffe. Ich begebe mich in solchen Fällen ganz in die Situation hinein und wenn die Tränen da sind, sind sie da – und wenn nicht, dann eben nicht. Wenn man mich weinen sieht, dann weine ich sozusagen in echt. (lacht) Ich liebe Rollen, in denen ich emotional gefordert bin, die mir was abverlangen. Emotionen reizen mich auch als Zuschauer am meisten, wenn ich mir selber einen Film anschaue.

Ihre Frau ist ebenfalls Schauspielerin. Sprechen Sie mit ihr über solche Szenen?

Nein, speziell darüber nicht. Klar, wir tauschen uns schon mal über unsere Rollen aus, gehen aber eher selten ins Detail.

Sie beide haben vier Kinder. Bei Ihnen zu Hause muss es ganz schön turbulent zugehen, oder?

Da geht es in der Tat sehr turbulent zu. Das Tolle an Kindern ist, dass sich an ihnen ganz pur bestimmte Dinge beobachten lassen, das ist gerade für einen Schauspieler sehr wertvoll. Ich habe zum Beispiel einmal meinem vierjährigen Sohn den Schnuller aus dem Mund genommen, ohne das groß zu erklären, so nach dem Motto: Lass das mit dem blöden Schnuller mal, dafür bist du zu alt. Keine zwei Stunden später habe ich auf dem Spielplatz beobachtet, wie er ohne Erklärung einem anderen Kind einfach so die Schaufel wegnimmt. Da habe ich begriffen, was Vorbildfunktion heißt – im positiven oder eben auch im negativen Sinne.

Wie so viele Filme ist auch "Unschuldig" ein Krimi …

Stimmt, und ich habe auch gar nichts gegen Krimis, ich kann mich damit schon anfreunden. Es ist nur sehr auffällig, dass sich so viele Filme um Kriminalität drehen. Ich finde, das hat vielleicht auch was mit Hollywood zu tun. Ich fände es generell schön, wenn sich mehr Filme auch um differenziertere Themen als Gewalt drehen würden. Es muss doch nicht immer gleich Mord und Totschlag sein.

Stimmt es, dass Sie keinen Fernseher zu Hause haben?

Das ist richtig, ich hatte noch nie einen.

Warum nicht?

Ich bin ohne Fernseher aufgewachsen und hatte nie das Bedürfnis nach einem. Ich glaube auch nicht, dass ein Schauspieler unbedingt fernsehen muss, viel wichtiger ist doch, dass er seine ganz normalen Lebenserfahrungen einbringt.

Dann können Sie ja gar nicht sehen, was zum Beispiel die anderen "Tatort"-Kommissare machen …

Stimmt, Ich schau mir aber schon ab und zu auf dem Computer an, was bestimmte Regisseure oder Kollegen so machen. Ich gehe außerdem gerne ins Kino.

Welches war der letzte Film, den Sie dort gesehen haben?

Das war "Joker", von dem ich sehr viel Gutes gehört hatte. Visuell ein großartiger Film und schauspielerisch auch ganz toll, was Joaquin Phoenix als psychisch kranker Mensch da abliefert. Aber ich halte das für keinen guten Film, weil er eine desaströse Botschaft transportiert. Das ist gewaltverherrlichend und da muss man sich über Amokläufe in Amerika nicht mehr wundern.

Wie lange möchten Sie noch den "Tatort"-Kommissar geben?

Ich habe mich vor elf Jahren bewusst dafür entschieden und mache das nach wie vor sehr gerne. Wie lange ich das noch machen will, weiß ich aber nicht. Für mich ist es sehr wichtig, immer mal wieder einen anderen Film zu drehen, eine andere Rolle zu spielen. Wenn das nicht mehr möglich wäre, würde ich den „Tatort“ bleiben lassen. Ich bin schließlich Schauspieler und nicht "Tatort"-Kommissar.


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In einem früheren Leben waren Sie sogar mal Schreiner …

Stimmt, ich habe als junger Mensch eine Schreinerlehre begonnen, die ich dann allerdings abgebrochen habe, um auf die Schauspielschule zu gehen. Ich mochte das Material Holz und habe auch viel gelernt, letztendlich hat es mich dann aber doch nicht ausgefüllt.

Können Sie einen Tisch oder einen Stuhl bauen, der nicht wackelt?

Kann ich. Ich betätige mich immer noch gerne an der Hobelbank. Ich habe mir in der Garage eine kleine Werkstatt eingerichtet, wohin ich mich gerne zurückziehe. Das Schreinern ist der perfekte Ausgleich für die Schauspielerei, finde ich.


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