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Falschinformationen in Zeiten der Corona-Pandemie
Panorama 2 7 Min. 18.03.2020

Falschinformationen in Zeiten der Corona-Pandemie

Falschinformationen in Zeiten der Corona-Pandemie

Foto: Pixabay
Panorama 2 7 Min. 18.03.2020

Falschinformationen in Zeiten der Corona-Pandemie

Ist Klopapier eine potenzielle Virenschleuder? Wie sieht es eigentlich mit Bargeld aus? Kann eine aufgeschnittene Zwiebel die Viren aus der Luft "saugen"? Die Antworten auf diese Fragen finden Sie hier.

(SC/dpa) - Um das grassierende Corona-Virus ranken sich derzeit zahlreiche Mythen. Nachrichten aus aller Welt erreichen Leser im Minutentakt - doch vor allem in den sozialen Medien ist Obacht geboten. Nicht alles, was man dort liest, stimmt auch.

Erst am Dienstag hat die EU-Kommission vor falschen Informationen über das Corona-Virus, seine Ausbreitung und seine Bekämpfung gewarnt. "Nehmen Sie sich vor arglistigen und irreführenden Fake News und Desinformationen in Acht - überprüfen Sie es anhand verlässlicher Quellen", riet die Kommission.  

Vor allem in den sozialen Medien kursieren zum Teil haarsträubende Behauptungen - wir haben einige für Sie zusammengestellt.

Werden Corona-Viren durch Bargeld übertragen?

Eher Nein. Die Wahrscheinlichkeit, sich an Geldscheinen oder Münzen mit dem neuartigen Corona-Virus zu infizieren, ist nach Einschätzung deutscher Experten sehr gering.


09.03.2020, Sachsen, Dresden: Katja de With, Leiterin der Klinischen Infektiologie am Dresdner Uniklinikum, setzt sich im Behandlungszimmer in der Corona-Ambulanz eine FFP 2 Atemschutzmaske auf. Zwei auf Infektiologie spezialisierte Ärztinnen sollen in der Infektions-Ambulanz Patienten, bei denen ein begründetes Infektionsrisiko mit dem Corona-Virus besteht, untersuchen und beraten. Foto: Robert Michael/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
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"Das auf dem Geldstück klebende Virus würde ich mal weitgehend vergessen", erklärte der Virologe Christian Drosten in einem NDR-Podcast. Der Direktor des Instituts für Virologie an der Berliner Charité erläuterte, bei Corona- und Influenzaviren handele es sich um behüllte Viren. Diese seien gegen Eintrocknung "extrem empfindlich". Anders sei es bei Schnupfenviren, die unbehüllt seien und weniger empfindlich gegen Eintrocknung. Diese würden eher mit den Fingern in die Nase gebracht und könnten dort für Infektionen verantwortlich sein. Bei Corona-Viren erfolge eine Infektion dagegen meist über den Rachen - "und wir stecken uns den Finger nicht in den Hals'", so Drosten.

Er verwies darauf, dass die Abläufe nicht abschließend erforscht seien. Aber "wahrscheinlich ist das so, dass diese Viren einfach schwerpunktmäßig mehr über Tröpfcheninfektion übertragen werden, weil sie eben eingeatmet werden müssen". Deshalb trage bei der aktuellen Coronaviruserkrankung die Kontaktübertragung eine geringere Rolle, als bei anderen Erkältungskrankheiten.

Auch die Kontaktinfektion über andere Wege, wie beispielsweise über ausgelieferte Pakete, ist gering. Das luxemburgische Gesundheitsamt schreibt dazu auf seiner Internetseite: "Corona-Viren werden durch Sekrete von Menschen und Tieren verbreitet. Gemäß der letzten Informationen der WHO besteht keine Gefahr, durch ein Paket kontaminiert zu werden."  

Trotzdem gilt in Zeiten der Corona-Pandemie: Hygiene hilft. Um das Risiko einer Kontaktinfektion zu minimieren, soll man sich häufig und gründlich (mindestens 20 Sekunden lang) die Hände waschen, Händeschütteln vermeiden und sich nicht mit den Händen an Augen, Mund und Nase fassen.

Keine Corona-Viren im Toilettenpapier

In einer auf Facebook verbreiteten Eilmeldung wird behauptet, Toilettenpapier aus dem Discounter sei mit dem Corona-Virus infiziert. Die Discounter riefen demnach ihr Toilettenpapier zurück, da die Papphülsen in Wuhan gefertigt worden und mit dem Virus kontaminiert seien.

Für die Experten des Faktencheck-Portals Mimikama ist diese Meldung an den Haaren herbeigezogen, da Viren auf porösen Oberflächen nur sehr schwer überleben können.

Dubiose Hausmittel

Mit täglich steigenden Infektionszahlen in Europa ist es wenig verwunderlich, dass angeblich wirksame Hausmittel gegen das Virus derzeit Hochkonjunktur haben. Doch diese Mittelchen sind bestenfalls wirkungslos und schlimmstenfalls gesundheitsschädigend. Fakt ist: Gegen das Corona-Virus gibt es derzeit weder einen Impfstoff, noch ein Heilmittel.

In den sozialen Medien machen beispielsweise Gerüchte die Runde, aufgeschnittene Zwiebeln könnten den Virus wie ein Magnet aus der Luft zeihen und der Verzehr von rohem Knoblauch könne das Virus durch seine antimikrobiellen Eigenschaften bekämpfen - beide Maßnahmen sind wirkungslos.

Knoblauch ist gegen das Corona-Virus wirkungslos.
Knoblauch ist gegen das Corona-Virus wirkungslos.
Foto: Pixabay

Auch die Behauptung, Nahrungsergänzungsmittel könnten dem Ausbruch des Virus vorbeugen, lässt sich nicht belegen, wie die Experten von Mimikama erklären. "Es gibt keine Nahrungsergänzungsmittel, die eine Infektion mit dem neuen Corona-Virus verhindern können. Sie dienen generell nicht zur Behandlung von Erkrankungen, auch wenn Werbung dafür eventuell etwas anderes verspricht", heißt es auf der Homepage.  

Auch wer viel Wasser trinkt, ist dadurch nicht besser vor dem Virus geschützt. In den sozialen Medien behaupten derzeit einige Nutzer, wer alle 15 Minuten einen Schluck Wasser trinkt, könne sich so vor dem Virus schützen. Die Weltgesundheitsorganisation hat dazu mitgeteilt: "Wasser trinken ist zwar wichtig für die Gesundheit, aber es verhindert keine Coronavirus-Infektion". Dabei macht es keinen Unterschied, ob das getrunkene Wasser warm oder kalt ist.

Einige der gefährlicheren "Hausmittelchen", die angeblich gegen das Virus helfen sollen, sind Chlordioxid und "MMS". MMS steht für Miracle Mineral Supplement, doch eine Wunderheilung ist durch das Mittel nicht zu erwarten. Ganz im Gegenteil: Es enthält eine giftige Lösung aus Natriumchlorit und Salzsäure und kann zu erheblichen Gesundheitsschäden führen.


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Die deutsche Verbraucherschutzzentrale warnt davor: "Die Werbung verspricht eine kostengünstige, einfache und schnelle Heilung von Aids, Hepatitis, Krebs und vielen weiteren ernsten Erkrankungen. Tatsächlich gibt es keinen einzigen Nachweis für irgendeine positive Wirkung von MMS. Von der Einnahme geht eine erhebliche Gesundheitsgefahr aus. Von der Verwendung ist dringend abzuraten!"

Atem anhalten als Corona-Test

Doch die Gerüchteküche im Netz brodelt derzeit nicht nur über mögliche Heilungsmöglichkeiten, auch Anleitungen zu angeblichen "Selbsttests" machen die Runde. So wird zum Beispiel fälschlicherweise behauptet, dass man sich selbst auf eine Infektion testen kann, indem man zehn Sekunden lang die Luft anhält. Wenn man die Zeit übersteht ohne zu Husten oder Luft zu holen, sei man Corona-Virus-frei, so die dubiose Theorie. 

Die Virologin Karla Ronchini erklärte der AFP zu diesem Thema, die Luft anzuhalten sei "keine Methode", mit der man auf das Covid-19-Virus testen kann. "Das einzige Diagnosemittel, dass uns zur Verfügung steht, ist ein Labortest." Der Sprecher der WHO Tarik Jasarevic betätigte dies. Es gebe "keine Hinweise", die diese Theorie unterstützen.

Corona und Ibuprofen

Bisher immer noch ungeklärt ist der Einfluss des Schmerzmittels Ibuprofen auf das Corona-Virus. So schrieb der französische Gesundheitsminister Olivier Véran auf Twitter, Entzündungshemmer wie Ibuprofen könnten eine Corona-Infektion verschlimmern. Experten betonen allerdings, dass ein Zusammenhang bisher nicht gesichert sei. Dennoch empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bei Verdacht auf eine Infektion mit dem Corona-Virus Ibuprofen nicht ohne ärztlichen Rat einzunehmen.

Es gebe zwar keine neuen Studien, aus denen hervorgehe, dass das Medikament mit einer höheren Sterblichkeit verbunden sei, aber Experten prüften derzeit die Lage, so WHO-Sprecher Christian Lindmeier am Dienstag. "Wir raten, im Verdachtsfall Paracetamol und nicht Ibuprofen einzunehmen." Dies beziehe sich aber ausdrücklich auf die Einnahme ohne ärztlichen Rat.

Parallel dazu verbreitete sich in den sozialen Netzwerken eine Nachricht, wonach Ibuprofen die Anfälligkeit für eine Corona-Infektion erhöhe. Diese Erkenntnis wurde Forschern der Universität Wien zugeschrieben, die sich allerdings auf Twitter ausdrücklich davon distanzierten.

Corona-Viren sind schon seit Jahrzehnten bekannt

Im Netz kursiert derzeit das Bild einer Desinfektionsmittelflasche aus dem Jahr 2014, auf deren Etikett steht, das Mittel wirke auch gegen das Corona-Virus. Viele User fühlen sich nun in der Annahme bestätigt, dass es das Virus schon sehr lange gäbe. So lautet der Kommentar dazu: "Produktionsjahr 2014!!! Und was steht oben für eine Virenart? Richtig, Corona-Virus !!! Wen wollt ihr eigentlich mit eurer Panik und Hysterie hier verarschen?"

Tatsächlich sind Corona-Viren schon seit Jahrzehnten bekannt. Die aktuelle Art ist allerdings neu. Wie die WHO erklärt, sind Corona-Viren eine Virusfamilie, die sich momentan ausbreitende Pandemie geht aber auf eine neu entdeckte Art zurück.

Kein Zusammenhang zwischen Corona-Pandemie und 5G-Netz

Einige Verschwörungstheorien ranken sich um den Mythos, dass das Corona-Virus mit der Einführung des 5G-Netzes in China zusammenhängt. So heißt es etwa in einem Bericht, Wuhan sei "die erste Provinz mit vollständiger 5G-Abdeckung – jetzt das Zentrum des tödlichen Virus". Laut dpa finden sich für die Behauptung, Wuhan sei die erste Provinz in China gewesen, die die Nutzung von 5G-Technologie eingeführt hat, keine Belege – zumal Wuhan keine Provinz ist, sondern eine Stadt in der Provinz Hubei.


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Anschließend wird im Text der Zusammenhang zwischen dem Netz und dem Virus hergestellt. "Was ist, wenn die Todesfälle kein Virus sind, sondern ein durch 5G verursachter Zellabbau, der die Auswirkungen eines Virus nachahmt?" Weiter heißt es, Wissenschaftler würden vor möglichen ernsthaften gesundheitlichen Auswirkungen von 5G warnen. Wie die dpa berichtet, glauben die meisten Wissenschaftler jedoch nicht, dass Mobilfunk die Gesundheit gefährdet. Die Präsidentin des Bundesamtes für Strahlenschutz sagte der dpa: "Die gesundheitlichen Auswirkungen des Mobilfunknetzes sind inzwischen gut erforscht." Demnach gebe es keinen Beleg für negative Folgen, wenn die Strahlung unterhalb der Grenzwerte liegt.


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