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Guy Bertemes wagt sich an die doppelte Bodenseequerung
Panorama 6 Min. 25.06.2021
Extremschwimmen

Guy Bertemes wagt sich an die doppelte Bodenseequerung

Zum Trainieren fährt der Luxemburger unter anderem in den Naturpark Obersauer und dreht dort seine Runden – immer abgesichert mit einer Boje.
Extremschwimmen

Guy Bertemes wagt sich an die doppelte Bodenseequerung

Zum Trainieren fährt der Luxemburger unter anderem in den Naturpark Obersauer und dreht dort seine Runden – immer abgesichert mit einer Boje.
Foto: Anouk Antony
Panorama 6 Min. 25.06.2021
Extremschwimmen

Guy Bertemes wagt sich an die doppelte Bodenseequerung

Sarah SCHÖTT
Sarah SCHÖTT
Der Luxemburger Guy Bertemes mag die Herausforderung. Nachdem er den Bodensee bereits einmal durchquert hat, will er sich nun steigern.

Gemütlich ein paar Bahnen im Schwimmbad zurücklegen – im Zuge der Lockerungen in der Corona-Pandemie ist das nun wieder möglich. Aber mit einigen wenigen Metern ist es für Guy Bertemes nicht getan. Der 48-Jährige mag es extremer – und hat sich als Herausforderung für Mitte Juli die doppelte Querung des Bodensees ausgesucht. 

Schon immer war der aus Lintgen stammende Luxemburger sportbegeistert. Als Triathlet stand natürlich seit jeher auch Schwimmen auf seinem Programm, aber seit etwas mehr als drei Jahren liegt auf dieser Sportart auch sein Fokus. „Ich habe im Internet verschiedene Dinge gesehen und gedacht, das sieht doch interessant aus, das könntest du auch mal probieren“, erinnert er sich. 

Jedes Mal eine Steigerung 

Angefangen hat dann 2017 alles in Hamburg mit 100 mal 100 Metern. „Das war die erste Strecke, die etwas länger war. Und ab da war für mich die Herausforderung, zu schauen, was noch alles geht.“ Die zehn Kilometer schwimmt er im Februar und nimmt die nächste Herausforderung gleich im September 2017 an. Als erster Luxemburger realisiert er eine Bodenseequerung: zwölf Kilometer vom schweizerischen Romanshorn zum deutschen Friedrichshafen – und das in gerade einmal vier Stunden und 15 Minuten.

Dieses Mal will er das Ganze noch einmal steigern und geht die doppelte Breitenquerung des Sees an – ebenfalls als erster Luxemburger. Der Bodensee sei ohnehin eine schöne Gegend, daher könne man solche Events auch gut mit einem Urlaub verbinden, erklärt der Familienvater. „Einen Tag wird geschwommen und dann wird Urlaub gemacht.“ 

Guy Bertemes
Guy Bertemes
Foto: Anouk Antony

Zum Trainieren fährt der Luxemburger unter anderem zum Stausee in den Naturpark Obersauer. Denn auch wenn er sich gerne im Schwimmbad vorbereitet, schätzt er das Training in der Natur. „Das ist nicht nur beim Schwimmen so. Auch beim Laufen ist es etwas anderes im Wald zu laufen als auf der Straße. Ich war schon immer gerne draußen. Man spürt das Wasser anders. Wenn Wellen kommen, zeigen sie einem die Kraft der Natur.“ 

Training je nach Wettkampf

Daneben war es in Corona-Zeiten ohnehin kaum möglich, in Indoorbädern zu trainieren, so dass Guy Bertemes auch im Winter seine Runden draußen gedreht hat. „Natürlich komplett in Neopren und nicht so lange. Bei vier Grad schwimmt man auch mit Neopren eher nur eine Dreiviertelstunde. Es wird bei der Kälte sonst auch irgendwann gefährlich“, erklärt der Hobbysportler, der auch Mitglied im Schwimmclub „Luxembourg Sharks“ ist. 

Wie genau der Justizvollzugsbeamte trainiert, hängt vom jeweils bevorstehenden Wettkampf ab. „Bei einer Bodenseebreitenquerung von zwölf Kilometern muss man schon trainieren, aber nicht unglaublich viel – wenn man es einfach nur schaffen will. Wenn man es auch noch schnell schaffen will, läuft das Training anders.“  Aktuell schwimmt er rund fünfmal pro Woche. Die Strecke steigert sich dabei, je näher die Veranstaltung rückt. Generell versuche er, pro Woche um die 20 Kilometer zurückzulegen. 

Guy Bertemes trainiert unter anderem am Stausee in Liefringen.
Guy Bertemes trainiert unter anderem am Stausee in Liefringen.
Foto: Anouk Antony

Nach einem solchen Wettkampf sei man dann vor allem eines: froh, es geschafft zu haben. „Dann geht man gemütlich essen, ist froh, feiert ein bisschen und dann schläft man“, erzählt er. Danach mache er zwei bis drei Tage Pause, in denen er lediglich ein leichtes Stretching absolviere oder gemütlich Fahrrad fahre – um dann wieder mit dem Schwimmen zu beginnen, allerdings nur rund ein bis zwei Kilometer -  um dranzubleiben bis zum nächsten Wettkampf. 

Dabei sind die Wettkämpfe auf einem offenen Gewässer längst nicht die einzige Herausforderung, der sich der Luxemburger bereits gestellt hat. Er hat auch schon an verschiedenen 24-Stunden-Wettkämpfen in Schwimmbädern teilgenommen. Das Ziel: in 24 Stunden so viel wie möglich schwimmen, Pausen sind dabei erlaubt. Guy Bertemes persönlicher Rekord für eine solche Veranstaltung liegt bei 49.950 Metern – und darüber ist er gar nicht glücklich. „Diese 50 Meter, die fehlen, ärgern mich. Das will ich dieses Jahr im September auch noch schaffen, dann findet ein solches 24-Stunden-Schwimmen im Saarland statt.“ 

Das ist aber natürlich nicht die einzige Challenge, die auf dem Plan steht. Fürs nächste Jahr hat sich der Hobbysportler den „MaxiPlouf“ auf Antibes vorgenommen – ein Wettkampf über 30 Kilometer im offenen Meer. 

Mentale Stärke gefordert 

Immer ein Stück weiter gehen und schauen, was man schafft, das treibt den Luxemburger an. „Wie weit kann ich körperlich, aber auch mental gehen? Bei den 24-Stunden-Schwimmen ist es beispielsweise wirklich das Mentale. Man macht sich einen Plan, man rechnet, wie viele Kilometer man in der Stunde schwimmt, wann man Pause macht. Das habe ich bisher sieben Mal gemacht und sieben Mal hat der Plan so nicht funktioniert. Man schwimmt, dann geht es mal besser als gedacht, oft ist es aber auch schwieriger als gedacht. Das Risiko, dass es einem etwa schlecht geht, ist recht hoch.“ 

Man sollte das Wasser nicht unterschätzen – es nicht fürchten, ihm aber mit Respekt begegnen.

Guy Bertemes, Extremschwimmer

Bei Veranstaltungen wie der Bodenseequerung liege die Schwierigkeit dagegen darin, dass man zwar eine Pause machen könne – aber nur auf dem Wasser. „Man darf das Boot, das zur Orientierung mitfährt, nicht berühren. Man kann zwar eine Pause machen, aber im Wasser. Das ist auch der Reiz an der Veranstaltung. Wenn man läuft und bekommt einen Krampf, hört man auf und geht ein paar Meter. Beim Schwimmen ist es etwas anderes, zumindest bei den offiziellen Wettkämpfen.“ 

Hobby in der Natur 

Auch wenn das Schwimmtraining viel Zeit in Anspruch nimmt, hat Guy Bertemes auch Zeit für andere Aktivitäten. „Im Vergleich etwa zu einem Ironman-Athleten ist der Aufwand überschaubar. Wenn ich zwei Stunden schwimme, ist das als Training schon viel. Wenn jemand zwei Stunden Fahrrad fährt, ist das als Training noch nicht so viel. Ansonsten gehe ich auch mal laufen oder fahre Fahrrad und natürlich verbringe ich auch gerne Zeit mit meiner Familie.“ Daneben fotografiert der Luxemburger ab und an – so wie alle anderen Hobbys am liebsten draußen in der Natur. 

Das Schwimmen ist für ihn jedoch nicht nur Wettkampf, sondern auch Ausgleich zu seinem Beruf als Gefängniswärter. „Bei meinem Job ist man auch mental relativ gefordert. Und wenn man dann hier ist und einfach schwimmt, kann man sich gehen lassen. Anfangs denkt man noch nach, aber dann schwimmt man einfach. Wenn nicht so viele Leute hier sind, mache ich nach dem Schwimmen auch Stretching und Yoga – die Kombi ist perfekt.“ 


28.5.2018 Luxembourg, Gasperich, Guy Bertemes, Schwimmen, Sport photo Anouk Antony
"Es lohnt sich immer"
48 Kilometer in 24 Stunden schwimmen, wenig Schlaf, kaum Pausen: Das hat der luxemburgische Extremschwimmer Guy Bertemes geschafft. Am Ziel ist er jedoch noch lange nicht.

Guy Bertemes, der im Besitz des „Certificate of achievement“ als Instructor Lifesaver/Lifeguard der „Fédération Luxembourgeoise de Natation et de Sauvetage“ (FLNS) ist, behält sein Wissen übers Schwimmen aber nicht für sich. Neben einem Projekt mit Flüchtlingen, das er bereits ins Leben gerufen hat, arbeitet er auch mit dem Naturpark Obersauer zusammen und gibt Kurse zum Schwimmen im offenen Wasser. 

Für alle, die das Schwimmen außerhalb des geschützten Rahmens der Schwimmbäder und Pools gerne einmal versuchen wollen, hat der Luxemburger einen Tipp: „Anfangs nicht alleine rausschwimmen. Am besten hält man sich zu Beginn in der Nähe des Ufers auf, damit man recht schnell wieder an Land sein könnte, falls etwas passiert. Und am allerbesten ist eine Boje. Sie ist zwar keine Pflicht, kann aber ein Lebensretter sein, denn man kann sich im Zweifelsfall darauf abstützen. Man sollte das Wasser nicht unterschätzen – es nicht fürchten, ihm aber mit Respekt begegnen.“

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