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ESC: anders, aber gut
Panorama 4 3 Min. 08.05.2018 Aus unserem online-Archiv

ESC: anders, aber gut

Gilt als Favoritin: Netta aus Israel.

ESC: anders, aber gut

Gilt als Favoritin: Netta aus Israel.
Foto: Daniel Kaminsky
Panorama 4 3 Min. 08.05.2018 Aus unserem online-Archiv

ESC: anders, aber gut

Alle Jahre wieder trifft sich die europäische Musikszene, um sich im Wettstreit zu messen. In diesem Jahr ist Portugal der Gastgeber des Eurovision Song Contest.

von Michael Juchmes

Manchmal werden Träume wahr – so wie im Fall von Salvador Sobral, dem portugiesischen Teilnehmer des Eurovision Song Contest (ESC) im Jahr 2017. Der heute 28-Jährige konnte sich mit dem Rekordergebnis von 758 Punkten beim letztjährigen Megaevent in der Ukraine mit dem von seiner Schwester komponierten Titel „Amar pelos dois“ durchsetzen und erstmals den Titel für sein Heimatland sichern. Ein Wunder, wie manche sagten, was sich wohl nicht wiederholen wird, denn Sobral hat sich ein wenig aus dem öffentlichen Leben zurückgezogen. Der Grund: eine Herztransplantation Ende des vergangenen Jahres, die den äußerst schüchtern wirkenden Sänger dazu zwang, kürzer zu treten und – so hieß es in einem offiziellen Statement – „sich von großen Menschenmengen fernzuhalten“.

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Wirklich ernst zu nehmen scheint er diesen Vorschlag nicht, denn auch er ist beim kommenden Finale, das am 12. Mai in der größten Eventlocation des Landes, der Altice-Arena in Lissabon, stattfindet, mit von der Partie. In der Halle, die bis zu 20 000 Zuschauer fasst, wird Sobral voraussichtlich neben seinem Gewinnerlied, mit dem er auch international in den Hitlisten landete, eine neue Single präsentieren. Einer der Höhepunkte des Abends.

Geht für Deutschland ins Rennen: Michael Schulte.
Geht für Deutschland ins Rennen: Michael Schulte.
Kai Marks

Teilnehmer aus 47 Ländern

Im Mittelpunkt der Veranstaltung, die erneut von drei Damen – Silvia Alberto, Filomena Cautela und Catarina Furtado – moderiert wird, steht aber wie üblich die Suche nach dem Lied, dem es gelingt, Menschen aus allen Ecken Europas zu verzaubern. Mit dabei sind in diesem Jahr erneut 43 Länder – so viele wie schon 2008 und 2011. Mazedonien, das ursprünglich Ende vergangenen Jahres wegen fehlender Zahlungen an den Veranstalter, die European Broadcasting Union (EBU), ausgeschlossen war, wurde schlussendlich doch zugelassen.

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Automatisch im Finale (12. Mai) gesetzt sind die großen fünf Beitragszahler der EBU – Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien und das Vereinigte Königreich – sowie Gastgeber Portugal. Die übrigen 37 Länder messen sich in zwei Halbfinal-Shows, die am 8. und 10 Mai ausgestrahlt werden. Die Aufteilung erfolgte auf Basis der bisherigen Televoting-Abstimmungen. So soll unter anderem das Zuschachern von Stimmen für Nachbarstaaten – etwa aus dem ehemaligen Jugoslawien – verhindert werden.

Frankreich geht mit Madame Monsieur ins Rennen.
Frankreich geht mit Madame Monsieur ins Rennen.
Foto: FIFOU

Unentschuldigt fehlen ...

Auch dieses Jahr werden erneut einige Länder, die in der Vergangenheit mit von der Partie waren, dem ESC fernbleiben. Neben dem Großherzogtum, das 1993 zum letzten Mal am Wettbewerb teilnahm, fehlen erneut Andorra (zuletzt 2009), Bosnien und Herzegowina (zuletzt 2016), Monaco (zuletzt 2006) und die Slowakei (zuletzt 2012). Ein Grund ist bei einigen die Angst vor dem Sieg: Der Gewinner des Contests darf nicht nur in Ruhm baden, sondern muss auch den Contest im kommenden Jahr ausrichten – und das kann ganz schön teuer werden. Mit Kosten in Höhe von bis zu 30 Millionen Euro sollte man rechnen – davon müssen der ausrichtende Sender und die Stadt, in der der ESC stattfindet, rund 50 Prozent übernehmen. Der öffentlich-rechtliche Sender UA:PBC aus der Ukraine wäre im letzten Jahr beinahe an dieser Aufgabe gescheitert, denn dessen Jahresbudget betrug "nur" 33 Millionen Euro.

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Die Türkei, die sich 2003 sogar die Trophäe sichern konnte und letztmals 2012 einen Kandidaten entsendete, plant sogar, dem ESC für immer fernzubleiben – sagt zumindest Bekir Bozdag, der stellvertretende Ministerpräsident. Grund dafür ist laut dem staatlichen TV-Sender TRT die erneute Einführung von Länderjurys, deren Stimmen mit den Televotingergebnissen aufsummiert werden. Russland, das 2017 vom Wettbewerb ausgeschlossen wurde, da die nominierte Kandidatin Yuliya Samoylova ein Einreiseverbot in die Ukraine erhalten hatte, kehrt wieder auf die Bühne zurück. Und zwar erneut mit Yuliya Samoylova.

Aus Belgien tritt an: Sennek.
Aus Belgien tritt an: Sennek.
Foto: Marie Wynants

Favorit Israel

Geht es nach den Wettbüros, könnte im kommenden Jahr der ESC erneut in Israel stattfinden, das seit seinem Debüt im Jahr 1973 bereits drei Mal auf dem ersten Platz landete, zuletzt 1998 mit dem Song "Diva" der transsexuellen Sängerin Dana International. Ins Rennen schickt das Land die 25-jährige Netta Barzilai. Die Gewinnerin der Castingshow "HaKokhav HaBa" (zu Deutsch: der nächste Star) hat die etwas sperrige Up-Tempo-Nummer "Toy" im Gepäck, eine moderne Hymne für das weibliche Selbstbewusstsein mit westlichen, fernöstlichen und arabischen Klangelementen.

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"Du musst nicht dem Standardbild davon entsprechen, wie jemand aussehen, denken, reden und kreativ sein muss, um Erfolg zu haben", erklärt die 25-jährige Künstlerin im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Mit einigen Extrapfunden und schrillen Kostümen entspricht sie selbst nicht dem gängigen ESC-Schönheitsideal. Ihr Song "Toy" soll nicht nur Frauen ansprechen, sondern einfach jeden: "Seid stolz und nehmt euch selbst so an, wie ihr ausseht und denkt." Ein wenig anders zu sein, das hat in der ESC-Geschichte noch nie geschadet. Salvador Sobral, Dana International und Conchita Wurst können dies bezeugen.


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