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"Es lohnt sich immer"
Guy Bertemes erholt sich derzeit von seinem anstrengenden 24-Stunden-Wettkampf.

"Es lohnt sich immer"

Foto: Anouk Antony
Guy Bertemes erholt sich derzeit von seinem anstrengenden 24-Stunden-Wettkampf.
Panorama 3 Min. 31.05.2018

"Es lohnt sich immer"

48 Kilometer in 24 Stunden schwimmen, wenig Schlaf, kaum Pausen: Das hat der luxemburgische Extremschwimmer Guy Bertemes geschafft. Am Ziel ist er jedoch noch lange nicht.

von Birgit Pfaus-Ravida

Er ist Gefängniswärter, Triathlet, ehrenamtlicher Sporttrainer von Flüchtlingen und benachteiligten Jugendlichen, Rettungsschwimmer und – nicht zu vergessen – Extremschwimmer: Die Rede ist von Guy Bertemes, der jüngst einen neuen Rekord aufgestellt hat. Ganze 48 Kilometer schwamm er am vergangenen Wochenende im deutschen Oldenburg. Zusammen mit 199 weiteren Sportlern nahm er dort in einem Freibad am 24-Stunden-Schwimmen teil – und belegte einen beeindruckenden zweiten Platz hinter dem Deutschen Bernd Broich, der 50 Kilometer schaffte.

"Eine tolle Erfahrung"

"Ich bin echt happy über diese Platzierung – und es war eine tolle Erfahrung", erzählt der 45-Jährige, eben zurückgekehrt von dem Sport-Event, noch mit Sonnenbrand und ein wenig angegriffener Stimme, einigen Abschürfungen am Handgelenk vom Transponder, der die Bahnen automatisch zählt, sowie ganz schön müden Knochen. 48 Kilometer, genauer 48 100 Meter, das waren ganze 924 Bahnen im Freibad, in dem der Wettkampf stattfand. 24 Stunden Schwimmen, das heißt natürlich nicht, dass alle Schwimmer ohne Pause 24 Stunden im Wasser sind. "Du kannst auch sagen, du nimmst teil und schwimmst fünf Kilometer, ansonsten genießt du die Atmosphäre und schaust zu", erklärt er. Und so seien die Teilnehmer eine ganz heterogene Gruppe – mit einem ganz ehrgeizigen "harten Kern", der die Spitzenleistungen erreichen wolle.

Bertemes selbst übernachtete wie sehr viele vor Ort im Zelt und hatte als Unterstützerin, Fotografin und nicht zuletzt strenge Managerin seine 16-jährige Tochter dabei. "Die hat das echt super gemacht! In der Nacht hatte ich mich kurz ins Zelt gelegt, um eine kleine Pause zu machen. Als nach kurzer Zeit der Wecker klingelte, fiel es mir echt schwer, aus dem warmen Schlafsack raus in die kalte Nacht und ins noch kältere Wasser zu gehen." Doch Gwendolynn war knallhart – zum Glück. "Papa! Schwimm!", mahnte sie.

24-Stunden-Schwimmen in einem Freibad in Oldenburg.
24-Stunden-Schwimmen in einem Freibad in Oldenburg.
Foto: Anouk Antony

Und Papa schwamm. Eine 50-Meter-Bahn nach der anderen, meistens im Kraul-Stil. "Ein harter Kampf zwischen dem Erstplatzierten und mir, aber wir haben uns super verstanden, ein echt netter Typ", erzählt Bertemes. So ein Sport-Erlebnis, das bleibe hängen im Leben. Insgesamt ruhte er sich viermal eine halbe Stunde aus, dazu wenige ganz kurze Pausen – etwa, um Sonnencreme aufzutragen. Das Wetter war wechselhaft, aber für norddeutsche Verhältnisse recht "gnädig" mit viel Sonnenschein. "Zum Glück gab es keine Gewitter, sonst hätte das Schwimmen abgebrochen werden müssen!"


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In seinem Job als Gefängniswärter erlebt er täglich Herausforderungen, muss stark sein und stets ruhig bleiben. "Dabei hilft mir der Sport sehr!", betont er. Umgekehrt möchte er auch andere motivieren, durch Sport Ausgleich und Erfolgserlebnisse zu haben. So kümmert er sich als Sporttrainer im "Be You"-Projekt um geflüchtete Jugendliche, trainiert sie und hilft ihnen so, sich zu motivieren, einzugliedern, zurechtzufinden.

Immer neue Ziele

Körperliche Bewegung sei ihm generell schon immer wichtig gewesen, erinnert sich Guy Bertemes. War es früher eher Radfahren und Laufen, habe das Schwimmen mehr und mehr an Bedeutung gewonnen. "Und irgendwann habe ich gedacht: Wie weit könnte ich eigentlich schwimmen? Das war der Anfang der langen Strecken", erinnert er sich. Bei einem 24-Stunden-Rennen in Aachen, einem seiner ersten Wettbewerbe, schaffte er 34 Kilometer. 2017 durchquerte er den Bodensee einmal der Breite nach von der schweizerischen zur deutschen Seite. Zwölf Kilometer schaffte er so im vergangenen Jahr auf dem offenen Wasser – noch einmal eine größere Herausforderung als im Schwimmbad, unruhiger, kälter. "Aber mit einer tollen Kulisse!", berichtet Guy Bertemes begeistert.

Der 45-Jährige trainiert auf jeden Fall weiter und hat schon nächste Events im Blick, möchte aber in jedem Fall nicht übertreiben und dem Körper erst mal die nötige Zeit geben, um sich zu erholen. In Luxemburg gibt es keine 24-Stunden-Rennen, in Deutschland dafür einige. Neue Rekorde reizen ihn, und das Schwimmen macht ihm einfach Spaß. Natürlich muss auch er sich motivieren und den inneren Schweinehund überwinden. "Klar ist es manchmal hart, sich nach einer langen Schicht noch aufzuraffen, schließlich ist da auch die Familie, schließlich ist man auch mal müde. Aber es lohnt sich immer!"


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