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„Es geht irgendwie weiter“
Panorama 5 Min. 25.10.2021
Anneke Kim Sarnau im Interview

„Es geht irgendwie weiter“

Rechtsanwalt Meyer (Jörg Pintsch, l.) klärt die aufgebrachten Schwestern Sandra (Anneke Kim Sarnau, M.) und Ulrike (Silke Bodenbender, r.) über das vom Heim verhängte Hausverbot gegen sie auf.
Anneke Kim Sarnau im Interview

„Es geht irgendwie weiter“

Rechtsanwalt Meyer (Jörg Pintsch, l.) klärt die aufgebrachten Schwestern Sandra (Anneke Kim Sarnau, M.) und Ulrike (Silke Bodenbender, r.) über das vom Heim verhängte Hausverbot gegen sie auf.
Foto: ZDF und Hannes Hubach
Panorama 5 Min. 25.10.2021
Anneke Kim Sarnau im Interview

„Es geht irgendwie weiter“

Schauspielerin Anneke Kim Sarnau spricht im Interview über die Beschäftigung mit dem Tod, Patientenverfügungen und Humor am Set.

Der Fernsehfilm „Bring mich nach Hause“ (am Montag, 25. Oktober um 20.15 Uhr im ZDF) beruht auf wahren Begebenheiten: Als ihre Mutter ins Koma fällt, müssen die Schwestern Ulrike (Silke Bodenbender) und Sandra (Anneke Kim Sarnau) die schwerste Entscheidung ihres Lebens fällen, weil keine Patientenverfügung vorliegt. Das „Luxemburger Wort“ sprach mit Schauspielerin Anneke Kim Sarnau (49) über das intensive Drama.

Interview: André Wesche

Anneke Kim Sarnau, man meint Sie aus Quiz- und Unterhaltungssendungen als Frohnatur zu kennen. Wie präsent sind in Ihrem Denken der Tod und das Sterben? 

Oh, eine harte Frage. Ich war vor diesem Interview sehr aufgeregt. Kurz nachdem wir den Film gedreht haben, kam meine eigene Mutter tatsächlich unerwartet ins Krankenhaus. Es wurden Tumore im Gehirn festgestellt. Entgegen aller Hoffnung, dass eine OP hilft, ist sie einen Monat später gestorben, kurz vor Weihnachten. Das Thema des Filmes wurde auf einmal so präsent, dass ich dachte, mich haut’s komplett aus den Latschen. Tatsächlich habe ich durch meine PR-Agentin vor dem Dreh eine Patientenverfügung ausgefüllt. Wir haben über das Thema geredet und sie hat mir klar gemacht, wie verantwortungslos ich meinen Mitmenschen gegenüber andernfalls handeln würde. 

Sandra (Anneke Kim Sarnau) informiert sich im Netz über Hirnschäden, wie ihre Mutter sie bei dem Zusammenbruch erlitten hat.
Sandra (Anneke Kim Sarnau) informiert sich im Netz über Hirnschäden, wie ihre Mutter sie bei dem Zusammenbruch erlitten hat.
Foto: ZDF und Hannes Hubach

Hat die Beschäftigung mit solchen Gedanken etwas mit Ihnen gemacht? 

Ja. Bestimmte Sachen legt man dann nicht mehr so auf die Waagschale, andere Sachen dagegen umso mehr. Bei manchen Dingen wird man viel lässiger, bei anderen ist man wesentlich bedachter. Ich habe auch keine Lust mehr, mich über bestimmte Sachen aufzuregen, obwohl ich das teilweise immer noch tue. Wenn es um irgendwelche Nichtigkeiten geht, denke ich mir manchmal: „Mensch, Leute, lasst uns doch einfach nur die Zeit genießen, die wir haben und irgendwie versuchen, sie in Frieden miteinander zu verbringen!“. 

Glauben Sie, dass mit dem Tod alles endet? 

Nee. Ich habe mich damit auseinandergesetzt und mir so eine Welt aufgebaut. Meine Mutter, mein Vater und meine Großeltern haben immer gesagt, dass wir uns alle im Himmel wieder sehen. Das war meine Überzeugung als Kind und das vermittele ich meinen Kindern auch. Ich sage, es geht irgendwie weiter, einfach nur nicht mehr in körperlicher Form. Sie können durch die Welt reisen, sich alles angucken, die Menschen treffen, die sie treffen wollen. Ich glaube ganz fest, dass man einfach in einer anderen Form von seelischer Existenz weiter da ist oder wiedergeboren wird. Eins von beiden. Das habe ich beschlossen.

 Meine Mutter, mein Vater und meine Großeltern haben immer gesagt, dass wir uns alle im Himmel wieder sehen.

Sandra ist eine Wissenschaftlerin, die bisher ihre Karriere vor die Familie gestellt hat. Finden Sie einen solchen Lebensansatz auch legitim? 

Ich finde das total legitim, natürlich. Es ist keine Pflicht, eine Familie zu gründen oder der Familie permanent nahe sein zu müssen. Das heißt ja nicht, dass Sandra sich von ihrer Mutter getrennt hat, sondern dass Ihre Prioritäten in dieser Phase des Lebens andere sind. Eigentlich merkt man ja, dass der Wunsch nach einer eigenen Familie auch in ihr besteht. 

Hat es für Sie einen persönlichen Mehrwert, wenn sich durch diesen Film wahrscheinlich viele Zuschauer zu einer Patientenverfügung durchringen? 

Dann haben wir unser Ziel doch erreicht! Das wäre ein Traum. Ich kann den Menschen, die damit hadern, nur sagen: Es wird nichts gegen Ihren Willen passieren, Sie können jedes Detail festlegen und Sie können das jederzeit ändern. Wenn nichts ausgefüllt wird, werden Entscheidungen gegebenenfalls von einer Amtsvertretung an der Familie vorbei gefällt, was für keinen wirklich gut ist. Als Elternteil denke ich: Was wünschen Sie ihren Kindern für ihr Leben? Entscheidungen über den Tod oder das Leben der Eltern treffen zu müssen ist eine Bürde, die auf jeden Fall einen ganzen Lebensabschnitt der Kinder massiv beeinträchtigt. Das Sterben eines Elternteils ist ohnehin schon so ein Einschnitt, warum also den Kindern nicht auf gewisser Ebene etwas abnehmen? 


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Der Film zeigt auch, dass die Pflege ein lukratives Geschäft ist. Gerade in Corona-Zeiten ein sensibles Thema. Wurde diskutiert, wie kritisch man dieses Umfeld darstellen kann? 

Absolut. Der Film beruht ja auf einem wahren Fall, der ungefähr so abgelaufen ist. Wir wollen keinesfalls behaupten, dass das überall so läuft und dass sämtliche Pflegedienste und Einrichtungen so sind. Aber ich denke schon, dass da auf einigen Ebenen Schindluder getrieben wird. Und sei es nur, weil man seine Kräfte sparen will und sagt, anstelle von einer halben Stunde gehe ich jetzt nur eine Viertelstunde zu der Klientin oder Patientin, wie immer man es nennen will. So habe ich es auch erlebt, als ich als Studentin in der Alten- und Krankenpflege gearbeitet habe. Mir wurde einmal von einer Mitarbeiterin gesagt: „Diese Frau ist dement, da kannst du nach einer Viertelstunde gehen.“. Ich bin brav meine halbe Stunde geblieben und habe mit der Dame jeden Tag wieder das gleiche geredet. Aber das soll auf gar keinen Fall heißen, dass in dieser Beziehung im Bereich der Pflege etwas massiv schiefläuft. Auf anderer Ebene schon: Dass Pfleger und Pflegerinnen viel zu wenig Anerkennung, auch monetärer Art bekommen, steht für mich außer Frage. Das geht gar nicht. 

Kompensiert man die Spannung eines Drehtages mit Humor – hat Sie „Komapatientin“ Hedi Kriegeskotte zum Lachen gebracht? 

Normalerweise würde ich sagen: Ja. Und wir haben auch viel gelacht und uns lustige Anekdoten erzählt, auch aus dem familiären Bereich. Wir haben uns über unsere Eltern unterhalten, über deren Macken und Eigenarten und sehr viel über diese Erfahrungen gelacht. Hedi musste sich sehr konzentrieren, das zu spielen, auch wenn das komisch klingen mag. Nach einigen Szenen haben wir uns einfach nur in den Arm genommen. Die Zeit wird bei solchen Drehs auch immer knapper. Da muss man konzentriert bleiben, man kann nicht allzu viel Quatsch machen. Aber manchmal muss man eben doch irgendwie loslassen und etwas Komisches tun oder einen doofen Spruch bringen, um diese Spannung rauszulassen.

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