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Erste "Wort"-Homepage vor 20 Jahren: Gehversuche im Netz
Erste Homepage des Luxemburger Wort am 15. Dezember 1995

Erste "Wort"-Homepage vor 20 Jahren: Gehversuche im Netz

Erste Homepage des Luxemburger Wort am 15. Dezember 1995
Panorama 1 4 Min. 15.12.2015

Erste "Wort"-Homepage vor 20 Jahren: Gehversuche im Netz

Von Google (online seit 1998) oder Facebook (2004) sprach Mitte der 1990er-Jahre noch niemand. Doch viele Medienhäuser wagten schon sehr früh die ersten Gehversuche im Netz – so auch das „Luxemburger Wort“ im Dezember 1995.

Von Roland Arens

AOL, Compuserve, Altavista. Namen aus der Frühzeit des World Wide Web, dem seit zwei Jahrzehnten populärsten Dienst des Internets. Von Google (online seit 1998) oder Facebook (2004) sprach damals noch niemand, aber viele Medienhäuser wagten schon sehr früh die ersten Gehversuche im Netz – so auch das „Luxemburger Wort“ Ende 1995.

In den 1990er-Jahren, in den Anfängen des Onlinezeitalters, war es für viele Menschen noch kompliziert, sich ins Internet einzuwählen und interessante Inhalte zu finden. Die Internetpioniere wie Compuserve (gegründet 1985) und später America Online (AOL, ab Dezember 1995) sprangen in diese Bresche. Gegen monatliche Abonnementgebühren boten sie zugleich den technischen Zugang samt Bandbreite sowie ausgesuchte, sprich exklusive Inhalte im Paket an.

Mitte der 1990er-Jahre half die Suchmaschine Altavista mit seiner revolutionären Volltextsuche vielen bei den ersten Gehversuchen im Netz. Standardbrowser waren nicht die Programme wie Googles Chrome, Apples Safari, Microsofts Internet Explorer oder Firefox, sondern der unabhängige Anbieter Netscape.

Internet-Zugang und Inhalte im Paket

Auch am Medienstandort Luxemburg wollte man den Zug nicht verpassen. Dem Vorbild der amerikanischen Plattformen folgend wurde 1995 der Dienst „Europe Online“ ins Leben gerufen. 210 Franken berechnete „Europe Online“ seinen Kunden pro Monat, umgerechnet etwa fünf Euro. Darin enthalten waren zwei Freistunden, jede weitere Stunde Surfen wurde mit 120 Franken oder drei Euro veranschlagt.

Eine der Hauptinitiatorinnen von „Europe Online“ war die Amerikanerin Candace Johnson, Frau des Luxemburger Berufsdiplomaten Adrien Meisch, die ein Jahrzehnt zuvor dazu beigetragen hatte, das SES-Astra-Projekt einzufädeln.

Für das „Luxemburger Wort“ sei das neue Engagement erst einmal Auftrag, Dienst und Prüfung der eigenen Fähigkeiten" (LW-Chefredakteur Léon Zeches, 16.12.1995)

Wie viele andere traditionelle Medienhäuser beschäftigte sich das „Luxemburger Wort“ sehr frühzeitig mit dem neuen Medium Internet. Als „Europe Online“ an den Start ging, war auch diese Zeitung mit ersten Inhalten an Bord. Es war der 15. Dezember 1995. Ein Interview mit dem damaligen CGFP-Generalsekretär Jos Daleiden zum Streik im öffentlichen Dienst und ein Parlamentsbericht über die Umsetzung des Spitalplans waren zwei der Artikel, die von der Redaktion ausgewählt worden waren und als „Wort Online“ ins Netz gestellt wurden. Auch Kleinanzeigen mit Suchfunktion gehörten zu dem noch recht bescheidenen, aber kostenlosen Testangebot.

Der damalige LW-Chefredakteur erkannte die Dimension der Veränderungen und widmete dem Thema seinen Leitartikel am Tag nach dem Start. „Für unsere Zeitung ein besonderes Ereignis, ist sie doch von Anfang an mit dabei“, schrieb Léon Zeches am 16. Dezember 1995. „Eine neue mediale Zukunft hat für uns begonnen.“ Für das „Luxemburger Wort“ sei das neue Engagement erst einmal Auftrag, Dienst und Prüfung der eigenen Fähigkeiten, Einstimmung, Training – „aber auch Freude am Neuen und Bejahung des Fortschritts in allen Bereichen, die mit Kommunikation unter Menschen zu tun haben.“

Chancen und Bedrohung der „Neuen Medien“

Doch der multimedialen Aufgeschlossenheit einerseits stand andererseits eine gewisse Skepsis den neuen digitalen Kanälen gegenüber. Das neue Medium biete die Möglichkeit, „eine Auswahl wichtiger Informationen im Voraus zugänglich zu machen, ohne dass es mit Sicherheit jemandem einfallen würde, in Zukunft eine Zeitung vom Umfang etwa des „Luxemburger Wort“ auf dem Bildschirm „durchblättern“ und lesen zu wollen“, schrieb Léon Zeches.

  • Die "Wort"-Homepage im Wandel der Zeit:

Den ersten Schritten des „Luxemburger Wort“ im Internet sollten noch viele weitere folgen. Als „Europe Online“ 1996 Konkurs anmeldete, führte die Zeitung ihr Engagement für den Netzjournalismus in anderer Form fort.

Zusammen mit dem Partnerunternehmen „Luxembourg Online“ wurde 1997 der neue Webauftritt „Wort Online“ entwickelt. Ab 2002 baute Saint-Paul Luxembourg seine erste Onlineredaktion auf, zu der auch Webdesigner und Entwickler gehörten, was damals ein Novum in einer Redaktion war.

„Relaunches“ in regelmäßigen Abständen

Im April 2002 erfolgte ein erster großer Relaunch: Aus „LW Online“ wurde „wort.lu“, das mit einer aufgestockten Mannschaft und einem eigenen Markenbild die Gemeinsamkeit mit dem „Luxemburger Wort“ und zugleich den besonderen Charakter des Onlinejournalismus kenntlich machen sollte.

In regelmäßigen Abständen wurde wort.lu überarbeitet und das Informationsangebot erweitert, wie etwa beim großen Relaunch im Oktober 2008 oder im Mai 2011, als wort.lu neben Deutsch und Französisch auch mit einer englischsprachigen Ausgabe online ging.

Unterdessen verlagerte sich die Internetnutzung immer mehr ins mobile Web, was in den Pionierjahren noch völlig unvorstellbar erschienen wäre. Im Juni 2009 kam die erste iPhone-App von wort.lu auf den Markt, 2012 kam eine Android-App hinzu. Auch das Videoangebot wurde konsequent mit eigenproduzierten Reportagen ausgebaut.

Für das „Wort“ gilt digital die gleiche Herausforderung, die seit jeher auf Papier galt: die Leser von der Wertigkeit der Dienstleistung Zeitung zu überzeugen.

Ab März 2012 kehrte wort.lu wieder zur Frakturschrift im Logo zurück, bevor das Webportal im Mai 2014 im heute aktuellen Design unter dem gleichen Schriftzug wie die Zeitung gestartet wurde. Im Juli 2013 hatte die Redaktion des „Luxemburger Wort“ ein neues Organisationsschema eingeführt. Wo früher Online- und Zeitungsredakteure nebeneinander an ihren Produkten feilten, entstehen alle Inhalte jetzt in einer gemeinsamen Planung und Produktionsabläufen innerhalb des „Newsrooms“, der zentralen Schaltstelle für den Redaktionsalltag.

Am 15. September 2015 innovierte das "Wort" erneut. Als erste Zeitung des Landes  begann das "Luxemburger Wort", auch in der digitalen Welt des Internet seine zahlenden Leser bevorzugt zu behandeln, wie Chefredakteur Jean-Lou Siweck in seinem Leitartikel schrieb.

Auch in Luxemburg seien sich Zeitungen heute bewusst, dass es keine Garantie gebe, dass es ihnen nie so gehen könnte wie einst den Monopol-Geschäften, so Siweck. "Für das „Wort“ gilt demnach digital die gleiche Herausforderung, die seit jeher auf Papier galt: die Leser von der Wertigkeit der Dienstleistung Zeitung zu überzeugen."