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Erfindung von Luxemburger Schüler: Der Helm, der Kräfte misst
Panorama 4 Min. 09.10.2016 Aus unserem online-Archiv

Erfindung von Luxemburger Schüler: Der Helm, der Kräfte misst

Niccolò Hurst hat den ersten „Kräfte messenden Helm“ entwickelt, der eventuell Leben retten kann.

Erfindung von Luxemburger Schüler: Der Helm, der Kräfte misst

Niccolò Hurst hat den ersten „Kräfte messenden Helm“ entwickelt, der eventuell Leben retten kann.
Foto: N. Hurst)
Panorama 4 Min. 09.10.2016 Aus unserem online-Archiv

Erfindung von Luxemburger Schüler: Der Helm, der Kräfte misst

Manon KRAMP
Manon KRAMP
Nach einem Sikunfall seines Vaters entwickelte Niccolò Hurst einen Helm, der Leben retten soll. Seine Erfindung ist Teil einer Ausstellung mit Forschungsprojekten von Laien im „Forum Geesseknäppchen“

Von Birgit Pfaus-Ravida

Wissenschaft auf dem Weg durch Europa: Zurzeit zeigt das „Forum Geesseknäppchen“ die Wanderausstellung „Jenseits des Labors: die Revolution der hausgemachten Wissenschaft“. Unter den Exponaten: der „Kraft messende Helm“ eines Schülers aus Luxemburg.

Am Anfang stand der große Knall: Es war ein Skiunfall, bei dem Niccolò Hurst mit seinem Vater zusammenstieß. Der Vater war nach dem schweren Schlag auf den Kopf bewusstlos, wurde mit dem Helikopter ins Krankenhaus gebracht. Der 15-jährige Sohn war in Angst. Stundenlang wussten die Ärzte nicht, wie schlimm es um den Vater stand, und der Sohn bangte und hoffte, ohne Information darüber, wie schlimm die Kopfverletzungen des Vaters wirklich waren.

Dieses Erlebnis hat Niccolò geprägt. Und bei dem technisch interessierten Jungen einen Denkprozess in Gang gesetzt, dessen Ergebnis interessierte Besucher nun im „Forum Geesseknäppchen“ in Luxemburg begutachten können. Denn Niccolò hat einen „Kraft messenden Helm“ erfunden. „Ich wollte wissen: Wie können Rettungskräfte am besten noch vor Ort sehen, wie schwer eine Kopfverletzung ist? Beziehungsweise, welche Kräfte auf den Helm des Unfallopfers eingewirkt haben? Daraufhin habe ich das Kräfte messende System entwickelt“, erklärt Niccolò das Konzept.

Diese bewegliche Handprothese stammt aus einem 3D-Drucker.
Diese bewegliche Handprothese stammt aus einem 3D-Drucker.
Foto: Lex Kleren

Zu Beginn seiner Überlegungen und Skizzen stand die Frage: Wie könnte ein Hinweis auf einem Helm aussehen, der anzeigt, wie groß die einwirkenden Kräfte waren? „Zuerst wollte ich etwas Elektronisches entwickeln. Doch das Problem ist: Elektronische Systeme wären teuer und bräuchten eine Batterie, die vielleicht genau im falschen Moment leer ist“, so Niccolò. Er wollte jedoch eine Lösung, die für jeden erschwinglich ist und immer funktioniert, die man sowohl bei Skihelmen als auch bei jedem anderen Helm einsetzen kann, ob Fahrrad- oder Motorradhelm, ob für Erwachsene oder Kinder.

Kleine Box mit großer Wirkung

Und so sieht die Lösung aus: In einer kleinen Box ist ein System mit einer Masse und zwei Federn eingebaut. Nach einem schweren Schlag deformiert die Masse die Feder auf der entsprechend gegenüberliegenden Seite: Sie klemmt in einer bestimmten Position fest, während sie bei einem leichteren Schlag wieder in die Ursprungsposition zurückschnellt. Nach außen hin wird die Deformation anhand einer Skala sichtbar – zum Beispiel von Grün bis Rot.

Die Wanderausstellung ist noch bis zum 11. November geöffnet.
Die Wanderausstellung ist noch bis zum 11. November geöffnet.
Foto: Lex Kleren

„Nach einem schweren Schlag ist dann sichtbar: Rot, Achtung, Gefahr einer schweren Verletzung“, unterstreicht Niccolò. „Das kann übrigens auch der Fall sein, wenn der Helm einfach runtergefallen ist. Das bedeutet: Das System zeigt unabhängig von Unfällen und Verletzungen auch an, wenn der Helm ausgetauscht werden muss, weil er nicht mehr sicher ist. Denn an Stellen, an denen er auf dem Boden aufkam, kann das innen liegende, den Schlag dämpfende Material Polystyrol kaputt sein. Und das sieht man von außen nicht.“

Für seine Erfindung wurde der junge Luxemburger, der bei den „Jonk Fuerscher“ aktiv ist, schon ausgezeichnet – unter anderem in China beim „Adolescent Science & Technology“- Wettbewerb. Und Premier Xavier Bettel hat ihm bei einem persönlichen Treffen angeboten, die Patentkosten zu übernehmen. „Das war schon eine tolle Sache. Xavier Bettel war sehr nett und interessiert. Bis ich die Erfindung zum Patent anmelden kann, dauert es aber bestimmt noch“, sagt Niccolò Hurst. Man müsse sehr viele Formalitäten dafür erledigen. Das sei bisher wegen des Schulabschlusses einfach nicht möglich gewesen.

Der junge Mann hat nun vor wenigen Tagen sein Studium „Mechanical Engineering“ in London begonnen – passend zur Erfindung. „Ich hoffe natürlich, hier meine Ideen weiterentwickeln zu können“, erzählt er. Auch sein Vater sei auf diesem Gebiet tätig. „Die Erfindung hätte ich ohne die Unterstützung meines Vaters und meiner tollen Lehrer an der Europaschule, die mich sehr motiviert haben, sowie ohne die 'Jonk Fuerscher' nie durchziehen können“, betont Niccolò Hurst, der die Basteleien am Helm mit dem Werkzeug des Vaters begonnen hatte.

Er träumt davon, das System weiterzuentwickeln, und die Box, die auf jeden Helm gesetzt werden kann, noch praktischer und aerodynamischer zu gestalten. „Dann sieht das Ganze nämlich auch noch gut aus.“

Im Zentrum der „Sparks“-Schau stehen die Biologie und der Mensch; das Spektrum reicht von einem Taschenlabor über Pflanzenzüchtungen gegen Bakterien bis hin zum Roboter, der den Appetit zügelt.
Im Zentrum der „Sparks“-Schau stehen die Biologie und der Mensch; das Spektrum reicht von einem Taschenlabor über Pflanzenzüchtungen gegen Bakterien bis hin zum Roboter, der den Appetit zügelt.
Foto: Lex Kleren

Laienforscher motivieren

Niccolòs Erfindung kann noch bis zum 11. November im Forum Gesseknäppchen angeschaut werden. Sie ist Teil der dreisprachigen Ausstellung: „Jenseits des Labors: Die Revolution der hausgemachten Wissenschaft“. Der Name der am 5. Oktober eröffneten Ausstellung ist dabei Programm: Zu sehen sind Forschungsprojekte von Laien, die wie das von Niccolò vor allem eines sind: „hausgemacht“, von Hobbyforschern aus ganz Europa. Die Forscher sind etwa Menschen, die ihre eigenen medizintechnischen Geräte bauen, um ihre Diabeteserkrankung zu kontrollieren, bis hin zu Bürgergruppen, die Umweltverschmutzung messen wollen.

Die Wanderausstellung ist Teil des EU-Projekts „Sparks“, das nachhaltig den Innovationsgeist in der Bevölkerung inspirieren will. „Repenser l’innovation. Ensemble“ lautet dabei das Motto, und damit dies gelingt, werden die Exponate in ganz Europa gezeigt.

In Luxemburg ist das Luxembourg Science Center für die Organisation verantwortlich. Geboten werden zudem mehrere sogenannte „Science Espressos“ mit Experten beziehungsweise Spielen und Experimenten sowie ein „Reversed Science Café“ zum Abschluss. Dort stellen Experten Fragen an Laien – und diese versuchen, in Gruppenarbeit Antworten zu finden.


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