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Elegant wie Models: Zu Besuch beim Kuh-Frisör
Panorama 3 Min. 14.05.2020

Elegant wie Models: Zu Besuch beim Kuh-Frisör

Tobias Guggemos, Kuhfitter und Landwirt, schert auf seinem Bauernhof die vierjährige Swiss-Brown Kuh Granit.

Elegant wie Models: Zu Besuch beim Kuh-Frisör

Tobias Guggemos, Kuhfitter und Landwirt, schert auf seinem Bauernhof die vierjährige Swiss-Brown Kuh Granit.
Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
Panorama 3 Min. 14.05.2020

Elegant wie Models: Zu Besuch beim Kuh-Frisör

Babyöl fürs Euter und Echthaar-Toupets für den Schwanz. Für das Aussehen ihrer Kühe - etwa bei Zuchtschauen - engagieren einige Bauern sogenannte Kuh-Fitter.

(dpa) - Das Beautyprogramm beginnt für Tobias Guggemos stets am hinteren Körperteil. Als der 23-jährige Allgäuer die Schermaschine anwirft, lässt seine etwa 600 Kilogramm schwere Kundin namens Granit das ruhig über sich ergehen. "Sie ist es gewohnt", sagt Guggemos. Er hält große Stücke auf die Swiss-Brown-Kuh, die bei der deutschen Bundesjungzüchterschau 2019 in der Kategorie "schönstes Euter" den zweiten Platz geholt hat. Für Guggemos ein besonderer Erfolg: Er macht Rinder wie Granit als Kuh-Fitter für große Auftritte schön.

Wie oft er das in den vergangenen sieben Jahren getan hat, weiß Guggemos nicht genau. "200 bis 300 Tiere werden es schon sein", sagt er und lacht. "Irgendwann hört man auf zu zählen." Aber er weiß, worauf es ankommt: eine gerade Oberlinie am Rücken als Zeichen für Langlebigkeit, die Betonung von breiten, abfallenden Beckenknochen, die fürs Kalben wichtig sind, und gut sichtbare Adern, die viel Milch versprechen. "Das Auge spielt immer mit", weiß Guggemos. Deswegen reibt er Euter mit Babyöl ein, kaschiert Unebenheiten am Rücken durch gerade Felllinien oder bringt ein Echthaar-Toupet am Schwanz an. "Manche finden auch Muster im Fell total toll, aber das mache ich nur spaßeshalber."

"Visitenkarte für Betriebe"

Bis zu zweieinhalb Stunden kann es dauern, bis seine Kundinnen für Zuchtschauen bereit sind. Für dieses Hobby muss im Zweifelsfall auch mal die Arbeit auf dem Hof der Eltern hintenanstehen.

Das Scheren erfordert höchste Konzentration und Präzision.
Das Scheren erfordert höchste Konzentration und Präzision.
Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Schätzungsweise sind deutschlandweit etwa 25 Fitter im Nebenberuf aktiv. "Davon leben kann man nur in den USA und vielleicht in der Schweiz", bedauert Guggemos. Ihn fasziniere, was man aus den Tieren herausholen könne. "Sie werden dadurch elegant wie Models", meint er. "Dafür braucht man Leidenschaft und einen gewissen Ehrgeiz." Eine gerade Oberlinie zu schneiden, zu bürsten, zu föhnen und mit Spray zu fixieren, erfordert Konzentration und Geduld. Gleiches gilt für die Nassrasur des Fells am Euter auf ein Zehntelmillimeter.

Beim tierischen Schönheitswettbewerb gibt es aber auch Grenzen. "Das fängt da an, wo es um den Tierschutz geht", sagt Christoph Busch. Er ist bei der Allgäuer Herdebuchgesellschaft unter anderem für Messen zuständig und als Richter bei Zuchtschauen tätig. "Wenn ein Züchter seine Kuh zum Beispiel nicht milkt, damit das Euter bei der Schau optimal aussieht, kann ich das Tier disqualifizieren", erklärt er. Das komme selten vor, müsse aber kritisch verfolgt werden.

Kuh-Fitter scheren nicht einfach drauf los - es gibt einiges zu beachten. Denn für Kühe gelten ganz eigene Schönheitsideale.
Kuh-Fitter scheren nicht einfach drauf los - es gibt einiges zu beachten. Denn für Kühe gelten ganz eigene Schönheitsideale.
Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Gegen den Grundgedanken, die Vorteile einer Kuh durch schönes Herrichten hervorzuheben, sei dagegen nichts einzuwenden, findet Busch. Er selbst habe in seiner Freizeit schon als Kuh-Fitter gearbeitet. Inzwischen gebe es aber auch Veranstalter, die diese Art der Vorbereitung bei ihren Schauen teilweise oder gar nicht mehr zulassen: "Da geht es um Chancengleichheit für Landwirte, die kein Geld dafür ausgeben wollen."


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Doch beim Kuh-Fitting geht es längst nicht nur ums Geld: "Das ist auch eine Visitenkarte für die Betriebe, da ist eine gewisse Ehre mit dabei", sagt Busch. Die Möglichkeit, seine Tiere entsprechend zu präsentieren, ist wegen der Corona-Krise derzeit aber kaum vorhanden: Schauen und Auktionen sind abgesagt, Kühe werden nur durch Direktvermarktung verkauft. Trotzdem macht Tobias Guggemos weiter, vor allem mit Tieren vom eigenen Hof. "Man muss in Übung bleiben", erklärt er. Außerdem werde das Fell durch regelmäßiges Scheren feiner.

Ob er auch Menschen die Haare schneiden könnte? Das habe er sich trotz geschlossener Friseursalons in Zeiten von Corona nicht getraut, sagt Guggemos und lacht. "Für meine Haare hat meine Schwester die Schermaschine vor zwei Wochen aber benutzt."

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