Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Eine Hochzeit, die Briten und „ihr“ Harry
In ganz Großbritannien dominiert nur noch ein Thema .. oder etwa nicht?

Eine Hochzeit, die Briten und „ihr“ Harry

Foto: AFP
In ganz Großbritannien dominiert nur noch ein Thema .. oder etwa nicht?
Panorama 3 Min. 18.05.2018

Eine Hochzeit, die Briten und „ihr“ Harry

Eric HAMUS
Eric HAMUS
„Ich kann zwei Worte nicht mehr hören“, sagt Thomas. Der junge Kommunikationsberater schlürft seinen Latte und nimmt einen weiteren Zug an seiner Zigarette. „Sorry, eigentlich sind es drei Worte: royale, Hochzeit … und Brexit“, fügt er hinzu und grinst. Es dominieren nur noch diese beiden Themen auf der Insel. Dabei hätten die Briten durchaus andere Sorgen, meint Thomas. „Aber die Medien zwingen uns diese beiden Themen regelrecht auf."

Tatsächlich prangt auf jedem zweiten Titelblatt der Tageszeitungen ein Prinz oder ein Mitglied des Markle-Clans, während die Touristenshops im Zentrum der Hauptstadt mit billigen Kopien der offiziellen Souvenierartikel locken. Das Luxuskaufhaus Harrods wirbt mit einer „extravaganten Mischung“ Hochzeitstee, während der weniger exklusive Konkurrent von Marks and Spencer mit Hochzeitskeksen um die Aufmerksamkeit der Passanten buhlt. Greift man sich zusätzlich eine Packung Plätzchen zur Geburt des Prinzen Louis, gibt es zehn Prozent Rabatt.

Beim Genuss der Kekse kann man dann gemütlich in den Tageszeitungen der Insel blättern, wo man dann erfährt, dass die beiden Hauptprotagonisten die letzte Nacht vor der Trauung getrennt verbringen, der eben genannte Prinz Louis die Hochzeit schwänzen wird und Meghan Markles Vater zur Feier kommt … und dann wieder nicht. Jedes kleinste Detail wird derzeit aufgegriffen, umgedreht und von allen Seiten beleuchtet. Dabei wird man als unabhängiger Beobachter das Gefühl nicht los, als ließe es vor allem die Briten kalt.

Nun ist die Beziehung des Volkes zu „ihrem“ Prinzen eine ganz besondere. Angefangen beim Namen. Denn eigentlich heißt der zweitälteste Sohn des britischen Thronfolgers Charles und der verstorbenen Lady Di Henry Charles Albert David of Wales. Familie und Bevölkerung nennen ihn liebevoll Harry. „Harry of Wales“ - eine Formel, die inzwischen sogar in offiziellen Mitteilungen des Palastes verwendet wird.

Mitleid und Sympathie

Die älteren Briten haben immer noch das Bild vor sich, wie der junger Prinz mit gesenktem Kopf und unendlich traurigen Augen hinter dem Sarg seiner Mutter her schreitet. „Er war doch noch so jung“, erinnert sich Margaret am Tisch nebenan. „Und sofort im Scheinwerferlicht. Das konnte doch nicht gut gehen“, so die ältere Dame. Doch habe er sich gut geschlagen, Prinz Harry, fährt sie fort.

Die offiziellen Souvenirs im Laden des Buckingham Palasts kosten ein kleines Vermögen. Rund 155 Euro schlägt eine Tasse zu Buche. Viele Touristen greifen lieber zu den billigeren Kopien in den Souvernirshops.
Die offiziellen Souvenirs im Laden des Buckingham Palasts kosten ein kleines Vermögen. Rund 155 Euro schlägt eine Tasse zu Buche. Viele Touristen greifen lieber zu den billigeren Kopien in den Souvernirshops.
AFP

Die aktive Bevölkerung bewundere indessen seinen Einsatz zu Gunsten benachteiligter Jugendlicher und die jüngere Generation fühle sich dem Prinzen aus anderen Gründen verbunden. Er ist einer von ihnen, nur etwas reicher. Ein Lebemann, der das beste aus seiner Situation zu machen vermochte. Und doch wisse er um seinen Status, sein Glück und seine Pflichten, meint Margaret.

So wurde aus Mitleid rasch Beileid, und aus Neid wurde Sympathie. Vor allem wenn der Schelm hervor kommt und er mit spitzbübischem Lächeln in die Kamera grinst. Sei es nun ihm Gespräch mit jungen Menschen - einer seiner Herzensangelegenheiten – in Uniform vor seinem Hubschrauber oder beim Fachsimpeln mit behinderten Sportlern, ein weiteres Feld, in dem sich der Prinz mit Leidenschaft engagiert.

Vom Enfant terrible zum Lebemann

Lange genug war er das Enfant terrible des Königshauses, der rothaarige Wuschelkopf mit dem Lausbub-Lächeln. Mal waren es Fotos, die Harry zu Halloween in einer Nazi-Uniform zeigten oder Geschichten über nackte Tanzeinlagen in Las Vegas. Die Großmutter, Queen Elisabeth, hat es ihm verziehen. Und das gleiche gilt auch für die Untertanen. Sie lieben ihn nämlich, „ihren“ Prinzen.

Am Picadilly Circus können sich die Besucher mit dem Prinzen und seiner Braut ablichten lassen.
Am Picadilly Circus können sich die Besucher mit dem Prinzen und seiner Braut ablichten lassen.
AFP

„Sie sollen den Jungen doch einfach in Ruhe lassen“, meint Roger. Seit 20 Jahren schon betreibt der Verkäufer seinen kleinen Zeitungs- und Imbissstand vor den Toren der „Earl's Court“-U-Bahnstation. Er hat sie alle gelesen, die Schlagzeilen um den Prinzen. „Und er hat mir immer leid getan. Manche meiner Kunden meinen, es seien eben die Regeln des Spiels. Doch jeder Mensch hat ein Recht auf Privatsphäre“, fährt das etwas ältere Semester fort. „Und so denken viele Briten. Der Junge macht nur seinen Job. Und zieht sich ziemlich gut aus der Affäre.“ Er freue sich für Harry, meint Roger. Der „Junge“ habe es verdient, glücklich zu sein.

Und wieder fällt der Name seiner Mutter. Der Tod von Lady Diana habe „Harry halt mitgenommen“, erklärt Roger. „Wer weiss denn schon, wie man in so einem Augenblick reagiert. Ich wünsche ihm auf jeden Fall nur das Beste“, sagt er, dreht sich um und widmet sich wieder seiner Zeitung. Auf dem Titelblatt: der Vater der Braut … und Prinz Harry. „In einer Woche haben wir es hinter uns“, hallt es noch aus dem Zeitungsstand nach. Und schon ist Roger wieder in seine Zeitschrift vertieft.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Es ist nicht alles Gold, was glänzt
Die anstehende Hochzeit von Prinz Harry und Meghan Markle beherrscht in Großbritannien die Berichterstattung. Was wird die Braut tragen? Welche Farbe wird der Hut von Königin Elisabeth II. haben? Die Kritiker der Monarchie sind jedoch noch lange nicht verstummt.
21.04.2018, Großbritannien, London: Prinz Harry und Meghan Markle kommen zu einem Empfang für die kommenden Invictus Games in Sydney zur Australischen Botschaft. (zu dpa-Themenpaket zur Hochzeit von Harry & Meghan vom 11.05.2018) Foto: Dominic Lipinski/PA Wire/dpa +++ dpa-Bildfunk +++