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Eine Granny fährt im Auto durch Afrika: Das Abenteuer ihres Lebens
Wohlbehalten zurück: Julia Albu konnte sich auf ihren 20 Jahre alten 
Toyota Conquest verlassen.

Eine Granny fährt im Auto durch Afrika: Das Abenteuer ihres Lebens

Foto: Holger Heye / My African Conquest
Wohlbehalten zurück: Julia Albu konnte sich auf ihren 20 Jahre alten 
Toyota Conquest verlassen.
Panorama 2 Min. 09.02.2018

Eine Granny fährt im Auto durch Afrika: Das Abenteuer ihres Lebens

Michael JUCHMES
Michael JUCHMES
Einmal mit dem Auto von Kapstadt nach London reisen: Dies ist der Traum von Julia Albu aus Kapstadt, den sie kürzlich in Angriff nahm – und das im Alter von 80 Jahren.

von Markus Schönherr (Kapstadt)

Julia Albus grauer Toyota Conquest hat 20 Jahre auf dem Buckel. „Zusammen sind wir 100. Jetzt wurde es Zeit für einen Ausflug nach London“, lacht die rüstige 80-Jährige. Die Großmutter aus Kapstadt ist sichtlich mitgenommen – die Hände in Bandagen, das Gesicht von der afrikanischen Sonne gegerbt. Albu ist eben erst zurück von ihrem Roadtrip von Kapstadt nach Kairo. Trotz der Strapazen ist die jung gebliebene Seniorin fest entschlossen, in wenigen Wochen die restliche Strecke bis nach Großbritannien zu bestreiten. Und danach? Über den Balkan und quer durch Afrika wieder zurück!

„Man darf sich die Welt nicht bloß bei ,National Geographic‘ anschauen. Man muss sie selbst erleben, sie anfassen, riechen, essen“, erklärt die Rentnerin begeistert. 14 000 Kilometer fuhr Albu in ihrem Wagen „Tracy“ in den vergangenen Monaten auf Autobahnen, Schlammpisten und Sandstraßen durch den Schwarzen Kontinent. Im Juni war die Südafrikanerin in Kapstadt gestartet. Den Kleinwagen hatte sie als Vorbereitung auf den Trip mit neuen Stoßdämpfern ausstatten lassen, außerdem mit größeren Reifen und Sitzüberzügen im Strandstil der 1970er-Jahre.

Nie alleine unterwegs

Selten war die vierfache Mutter und neunfache Großmutter alleine unterwegs. Etappenweise wurde sie von Verwandten oder neuen Freunden auf dem Beifahrersitz begleitet. „Für ein solches Unterfangen brauchst du Leute um dich.“ Ob sie jemals Zweifel oder Angst verspürt habe? „Nein, ich bin zu alt, um mich zu fürchten!“ Allerdings habe sie ihre Mitreisenden durch ihren Musikgeschmack mitunter in den Wahnsinn getrieben: „Fragt man meinen Schwiegersohn nach der grauenvollsten Erfahrung unterwegs – er würde sagen: meine Musik.“

Auf zwei Dinge sei Albu in Afrika immer wieder gestoßen: Menschlichkeit und Hilfsbereitschaft. Und dies nicht nur, als Grenzbeamte in Kenia ihr Frühstück servierten, als sie wegen eines fehlenden Visums in Tränen ausbrach. Unterstützung erhielt Albu auch, wenn ihr Werkzeugkoffer, bestehend aus Gartenschere und Duschkopf, an seine Grenzen stieß. Im islamisch geprägten Sudan grillten bis dahin Fremde Nilbarsch zum Weihnachtsdinner für sie und ihre Familie. Und in Kairo durfte sie zwei Nächte an der Seite von sieben Ägyptern in einer Cafeteria schlafen. „Sie sprachen kaum Englisch, aber kümmerten sich rührend um mich.“

Die allergrößte Herausforderung war jedoch die Bürokratie: So hätten die Gebühren für Visa den Großteil ihres Reisebudgets verschlungen. Bei einer Gelegenheit habe sie Botschaftspersonal sogar vorgegaukelt, einen Termin beim Botschafter zu haben, um an ein Visum zu gelangen.

Und was macht eine ältere Dame auf ihrem Weg durch die Savanne? Kekse und Lollies verteilen. Aber noch viel wichtiger: Stifte und Bücher. Um Kindern das Lesen näherzubringen, arbeitete die Abenteurerin mit „Shine Literacy“ zusammen. Die südafrikanische Hilfsorganisation hatte Albu einen Stapel Lehrbücher mit auf den Weg gegeben, die sie an Dorfschulen verteilte. Die weit gereiste Großmutter ist überzeugt: „Lesen ist überlebenswichtig. Es hilft dir, die Welt zu verstehen.“



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