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Ein Wiederholungstäter
Panorama 3 Min. 14.12.2014 Aus unserem online-Archiv
Tom Hillenbrands neuer Roman "Tödliche Oliven"

Ein Wiederholungstäter

Tom Hillenbrand, Hobbykoch und Gourmet, ließ sich von Feinkosthändler Christian Kaempff-Kohler erklären, wie dessen Großvater das Riesling-Pastéitchen erfunden hat.
Tom Hillenbrands neuer Roman "Tödliche Oliven"

Ein Wiederholungstäter

Tom Hillenbrand, Hobbykoch und Gourmet, ließ sich von Feinkosthändler Christian Kaempff-Kohler erklären, wie dessen Großvater das Riesling-Pastéitchen erfunden hat.
Ann Sophie Lindström
Panorama 3 Min. 14.12.2014 Aus unserem online-Archiv
Tom Hillenbrands neuer Roman "Tödliche Oliven"

Ein Wiederholungstäter

Seine Xavier-Kieffer-Krimis haben Luxemburg viele neue Fans im Ausland beschert. Nachdem der vierte Band "Tödliche Oliven" erschienen ist, verrät der Autor dem Télécran, ob er seinen kochenden Held bald sterben lässt.

Von Uli Botzler

Sein Name ist Hillenbrand. Tom Hillenbrand. Er ist ein Held. Zu buchen als Vortragsredner - Schwerpunktthemen Lebensmittel, Technologie und Wirtschaft - bei der Agentur für Helden. Er ist für Luxemburg sogar ein Superheld, womöglich demnächst geehrt vom Großherzog mit einer Verdienstmedaille. Denn er schreibt seit 2011 Krimis, deren Held Xavier Kieffer ein leicht melancholischer Gourmetkoch in Luxemburg ist.

Alles fing bei der Kieffer-Saga damit an, dass eines Tages der Gastrokritiker eines berühmten Restaurantführers im „Les Deux Eglises" in der Luxemburger Unterstadt speiste und bei Tisch tot umkippte. Kieffer, der Chef des Lokals, geriet unter Mordverdacht, ermittelte auf eigene Faust und deckte am Ende einen ungeheuerlichen kulinarischen Skandal auf. Hillenbrand gelang mit „Teufelsfrucht" vor drei Jahren auf Anhieb der Durchbruch als Krimiautor. Seither geht es Jahr für Jahr Schlag auf Schlag: „Rotes Gold“ (2012), „Letzte Ernte“ (2013), „Tödliche Oliven“ (2014).

Entdeckung in verlassener Mühle

Im vierten Band macht sich der Luxemburger Buchheld Xavier Kieffer auf die Fährte, um seinen Schulfreund, den Wein- und Ölhändler Alessandro Colao, wieder zu finden. Mit ihm fährt er einmal im Jahr in die Toskana, unternimmt Weinproben und bringt eine Ladung voller Wein und Öl zurück nach Luxemburg. Doch plötzlich geht allerdings etwas gehörig schief. Sein Freund versetzt ihn und Kieffer findet heraus, dass Alessandro bereits Tage zuvor ohne ihn nach Italien aufgebrochen war – und seither hat niemand etwas von ihm gehört. Der Koch macht sich also auf die Suche. Aber statt Alessandro findet er eine verlassene Mühle, Tanks voll seltsam riechenden Olivenöls und bewaffnete Männer, die gerade Öl in einen Lastwagen pumpen. Hat der Ölhändler krumme Geschäfte getätigt? Kann Kieffer seinen Freund finden, bevor es zu spät ist? Über 300 Seiten später kennt der Leser die Antwort und bekommt im Glossar „Küchenlatein“ noch Erklärungen, was „Biwwelamoud“ ist (Sauerbraten), „Huesenziwwi (Hasenpfeffer) und „Klappschmant“ (Schlagsahne).

Wer beim Olivenölkauf auf korrekte Erzeugerangaben achtet, kann sich vor gepanschter Ware schützen.
Wer beim Olivenölkauf auf korrekte Erzeugerangaben achtet, kann sich vor gepanschter Ware schützen.
Ann Sophie Lindström

Dass er sich der Luxemburger Küche so detaillreich widmet, hat längst dazu geführt, dass Hillenbrand mit Luxemburgs Sterneköchin Léa Linster im Doppelpack für kulinarische Lesungen zu buchen ist. Gern kommen auch TV-Teams und filmen, wie Léa Linster dem Deutschen in die Geheimnisse der schmackhaften Landesküche einweiht. Hillenbrand, selbst Hobbykoch, wenn die Zeit es ihm erlaubt, hat seinen Spaß daran, das Publikum sowieso.

Auf der Suche nach einer Krimifigur und einem interessanten Schauplatz erinnerte der gebürtige Hamburger und Wahl-Münchner Hillenbrand sich an seine kurze Praktikantenzeit in Luxemburg. Flugs ersann er den Koch, der zum Hobby-Kommissar wider Willen wird, und schon stürmte er die Bestseller-Listen der Buchhändler. Schreiben war zuvor schon sein Handwerk, als Journalist u.a. bei „Spiegel online.“

Über Nacht hatte Luxemburg also seinen Krimi-Helden samt Erfolgsautor, der das Land mit seinem französisch angehauchten Lebensstil ins schönste Licht stellt. Die Journalisten umschwärmen Hillenbrand seither wie Motten das Licht, befragen ihn nach seinen Geheimtipps in Luxemburg, fotografieren ihn an den idyllischen Schauplätzen seiner Verfolgungsjagden und Morde. So exzellente Werbung für das Land, seine gute Küche, seine Sehenswürdigkeiten kann die zweitkleinste EU-Nation dringend gebrauchen.

Recherche auch im Urlaub

Wie es zu der Olivenöl-Story kam, ist schnell erzählt. Denn im Schriftsteller, hochgelobt für einen anderen Roman („Drohnenland“) steckt bekanntlich ein wissbegieriger und hellwacher Journalist, der sogar im Urlaub noch recherchiert. Auf Kreta fiel ihm auf, dass das Olivenöl aus dem Supermarkt zehnmal besser als die Ware in deutschen Regalen schmeckte, obwohl es dreimal billiger war. „Die Kreter lassen sich nicht so leicht betrügen“, schlussfolgerte er und sammelte Fakten über die Panscherei im Ölhandel.

Tom Hillenbrand: Tödliche Oliven, 320 Seiten, KiWi 1405, ISBN 978-3462046953, 9,99 Euro.

Dies ist die gekürzte Fassung des Originalberichts, der im Télécran 50/2014 (4. Dezember) erschienen ist.


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