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Ein Sinn für das Böse
Wotan Wilke Möhring jagt in der ZDF-Serie „Parfum“ als Staatsanwalt Joachim Grünberg einen Mörder. Fern ab von Familie und Heimat verbringt er mit seiner Kollegin Nadja Simon (Friederike Becht) intime Zeit.

Ein Sinn für das Böse

Foto: ZDF und Jakub Bejnarowicz
Wotan Wilke Möhring jagt in der ZDF-Serie „Parfum“ als Staatsanwalt Joachim Grünberg einen Mörder. Fern ab von Familie und Heimat verbringt er mit seiner Kollegin Nadja Simon (Friederike Becht) intime Zeit.
Panorama 3 Min. 05.01.2019

Ein Sinn für das Böse

„Parfum“-Seriendarsteller Wotan Wilke Möhring über deutsche Serien, gute und schlechte Gerüche und seinen Netflixkonsum.

Interview: Martin Weber  

Der Roman „Das Parfum“ von Patrick Süskind war ein Welterfolg und wurde 2006 verfilmt. Ab heute ist im ZDF eine von dem Stoff inspirierte Serie zu sehen: In dem Sechsteiler müssen die Ermittlerin Nadja Simon (Friederike Becht) und Staatsanwalt Grünberg (Wotan Wilke Möhring) den rätselhaften Mord an einer Sängerin aufklären. Die Spur führt zu fünf ehemaligen Internatsschülern, die vor vielen Jahren in einem geheimen Club versuchten, ihren Geruchssinn zu perfektionieren.

Wotan Wilke Möhring, in der Krimiserie „Parfum“ geht es um Gerüche. Haben Sie eine feine Nase?

Ja – eine feine Nase in Verbindung mit einem gesunden Bauchgefühl, würde ich sagen. Das gilt auch für Drehbuchstoffe, denke ich, und als mir diese Serie angeboten wurde, hatte ich auf jeden Fall ein gutes Gefühl.

Und wie ist das im wörtlichen Sinn mit der feinen Nase, was riechen Sie gerne?

Ganz klar: Meine Kinder, die Liebsten. Denn wenn man sie riechen kann, sind sie ganz nah, und das ist schön.

Riechen Sie auch gerne Parfüm an Frauen?

Kommt darauf an, aber die Bedeutung und Zukunft einer Beziehung entscheiden sich ja sowieso immer erst dann, wenn man über den Status des Parfümriechens hinaus ist und den wahren Geruch des Anderen wahrnimmt. Dieser eine, ganz spezielle und individuelle Geruch, der jeden Menschen vom anderen unterscheidet, auf den kommt es an.

Und was stinkt Ihnen?

Im übertragenen Sinne Ungerechtigkeit, Dummheit und Hass. Ich mag keine Faulheit, Spießigkeit und grausame Gleichgültigkeit. Das sind alles Dinge, die mir stinken. Im wörtlichen Sinne sind es die grundsätzlichen Dinge, die nicht gut riechen, ein U-Bahnschacht im Sommer, wenn einem da schon der Uringeruch entgegenschlägt. Oder alte Melonenschalen, die den halben Tag in der Sonne gelegen haben. Obwohl der Mensch sich angeblich innerhalb von 15 Minuten an alle Gerüche gewöhnt, ist zum Beispiel Fäkalgestank etwas, was ich nicht haben muss.

Wotan Wilke Möhring kam 1967 in Detmold zur Welt und war nach dem Abitur zunächst Zeitsoldat. Er ist ausgebildeter Elektriker und arbeitete unter anderem als Clubbesitzer, Model, Türsteher und Musiker. Sein Filmdebüt gab er erst mit 30 Jahren in „Die Bubi-Scholz-Story“. Seitdem war Möhring in zahlreichen Kino- und Fernsehfilmen wie „Der letzte schöne Tag“, „Das Adlon“ oder als Old Shatterhand im TV-Dreiteiler „Winnetou“ zu sehen. Seit 2013 spielt er den „Tatort“-Kommissar Thorsten Falke. Möhring hat drei Kinder aus einer langjährigen Beziehung, das Paar trennte sich 2014.
Wotan Wilke Möhring kam 1967 in Detmold zur Welt und war nach dem Abitur zunächst Zeitsoldat. Er ist ausgebildeter Elektriker und arbeitete unter anderem als Clubbesitzer, Model, Türsteher und Musiker. Sein Filmdebüt gab er erst mit 30 Jahren in „Die Bubi-Scholz-Story“. Seitdem war Möhring in zahlreichen Kino- und Fernsehfilmen wie „Der letzte schöne Tag“, „Das Adlon“ oder als Old Shatterhand im TV-Dreiteiler „Winnetou“ zu sehen. Seit 2013 spielt er den „Tatort“-Kommissar Thorsten Falke. Möhring hat drei Kinder aus einer langjährigen Beziehung, das Paar trennte sich 2014.
Foto: Getty Images

Das Publikum kennt Sie als „Tatort“-Kommissar, „Parfum“ ist Ihre erste Serie. Was ist der Unterschied zu einem Film?

Man hat in einer Serie viel bessere Möglichkeiten, einen Charakter zu vertiefen, weil man einfach in viel mehr Szenen Zustände und Motivationen dieser Figur zeigen kann. Außerdem hat man bei einer Serie ganz andere Mittel beim Spannungsaufbau, es gibt viel mehr Wendungen: Immer wenn der Zuschauer denkt, er hat die Geschichte durchschaut, kann man ihn wieder in die Irre führen.

Warum sollen sich die Zuschauer die Serie angucken?

Weil sie unmittelbar mit uns zu tun hat. Der Geruch entscheidet ja oft darüber, was wir mögen und was wir nicht mögen, und wenn wir eine Essenz extrahieren könnten, die uns beliebt macht, das wäre doch toll. Wir alle wollen doch geliked werden – ob wir das nun zugeben oder nicht. Dazu kommt, dass die Serie einfach unglaublich spannend ist.

Die Gewaltdarstellung ist nichts für zarte Seelen.

Das muss in diesem Fall aber so sein, denn wenn Sie bestimmte Inhalte erzählen wollen, Abgründe der Figuren erforschen, dann können Sie sich nicht davor drücken eben diese auch zu zeigen. Der Serie liegt ja eine abgründige, morbide Geschichte zugrunde, die den Zuschauer in ihren Bann zieht.

Mit dem berühmten Buch von Patrick Süskind und der Verfilmung von Tom Tykwer hat die Serie nicht mehr viel zu tun.

Mit der Grundidee schon. Es geht auch in der Serie um das Phänomen des Geruchs. Ansonsten ist natürlich vieles anders, die Serie spielt anders als im Buch oder im Film in der Gegenwart. Aber auch in unserer Serie geht es um die klassischen Themen Liebe, Sehnsucht und Gewalt.

„Parfum“ ist ein Teil der neuen deutschen Serienoffensive. Wie bewerten Sie diese?

Rundum positiv, weil Serien eben ganz andere Möglichkeiten haben als etwa Filme. Die Abkehr vom linearen Erzählen, die in Serien umgesetzt werden kann, ist einfach auch der Entwicklung der Sehgewohnheiten geschuldet, die sich enorm verändert haben. Es wurde für unsere großen Sender Zeit da nachzuziehen. Und Filme zu schauen wann und wo man es gerade will, ist auch eine technische Entwicklung, die Formate und Sehgewohnheiten geändert hat.

Gucken Sie privat Serien?

Aber klar, ich schaue mir angesagte Streaming-Serien wie „Ozark“, „Better Call Saul“ oder „Narcos“ an, nutze Netflix intensiv und bin da immer neugierig.

Und wie geht’s mit dem „Tatort“ weiter, in dem Sie seit ein paar Jahren den Kommissar Thorsten Falke spielen?

Den mache ich so lange weiter, bis Falke zum Dienst geschoben werden muss. (lacht)


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