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Ein Leben der Superlative
Panorama 3 Min. 07.11.2017 Aus unserem online-Archiv
Marie Curie

Ein Leben der Superlative

Marie Curie wurde am 7. November 1867 in Warschau geboren.
Marie Curie

Ein Leben der Superlative

Marie Curie wurde am 7. November 1867 in Warschau geboren.
Foto: LW-Archiv
Panorama 3 Min. 07.11.2017 Aus unserem online-Archiv
Marie Curie

Ein Leben der Superlative

Marie Curie bekam für ihre Entdeckungen auf dem Gebiet der Radioaktivität zwei Nobelpreise - als Frau. Die Ausnahme-Wissenschaftlerin wäre jetzt 150 Jahre alt.

(KNA) Ihre Entdeckungen sind bahnbrechend und faszinierend, können aber zu schrecklichen Zerstörungen und Leid führen. Vor 150 Jahren, am 7. November 1867, wurde die Physikerin und zweimalige Nobelpreisträgerin Marie Curie geboren.

Sie isolierte die bis dato unbekannten Elemente Radium und Polonium und benannte die Radioaktivität. Ihr Leben ist eines der Superlative: Curie schloss im ausgehenden 19. Jahrhundert ihr Physikstudium an der Pariser Sorbonne als Beste ab. Sie erhielt als erste Frau den Nobelpreis für Physik (1903) und Chemie (1911). Zwischen den Ehrungen, 1906, hielt sie als erste Frau an der Sorbonne ihre Antrittsvorlesung. Nebenbei schaffte sie es offenbar, Beruf und Familie unter einen Hut zu bekommen: Der Physiker Pierre Curie war nicht nur ihr Ehemann, sondern auch enger Forschungspartner. Sie hatten zwei Töchter.

Mit einer von ihnen, Irene, forschte Marie Curie nach dem Ersten Weltkrieg am Radium-Institut in Paris, ein Zentrum der Nuklearphysik. Irene erhielt übrigens 1935 gemeinsam mit ihrem Ehemann Frederic Joliot den Chemie-Nobelpreis.

Von Warschau nach Paris

Ihre berühmte Mutter kam mit dem Familiennamen Sklodowska in Warschau zur Welt. Ihr Vater: ein Mathematik- und Physiklehrer. Zum Physik- und Mathematikstudium ging sie 1891 nach Paris. Dort wurde sie nach ihrem Abschluss Doktorandin des Physikprofessors Antoine Henri Becquerel. 1895 heiratete sie Pierre - erst nach dem zweiten Heiratsantrag.

Das Paar widmete sein Leben der Wissenschaft. Beide arbeiteten und forschten gemeinsam in einem Hinterhof-Laboratorium unter wenig adäquaten Bedingungen. 1896 entdeckte Becquerel die natürliche radioaktive Strahlung des Uraniums. Die Curies tauschten sich mit Becquerel aus; Marie fand in Experimenten heraus, dass auch andere Elemente radioaktive Strahlung aufwiesen.

Das Ehepaar beschäftigte sich mit dem Mineral Pechblende, und Marie isolierte Radium und Polonium (benannt nach Curies Heimat). Nachdem 1901 Wilhelm Conrad Röntgen für die von ihm entdeckten Strahlen den Physik-Nobelpreis bekommen hatte, folgte 1903 die internationale Anerkennung der Erkenntnisse der Curies und von Becquerel: Das Forscher-Trio erhielt den Nobelpreis für Physik. Das Ehepaar wurde weltberühmt - obwohl es eigentlich mehr auf Ruhe aus war.

Schwerer Schicksalsschlag

Der Name Becquerel kam auch zu Ehren, als Maß für die Menge einer radioaktiven Substanz. Die Vergabe des Nobelpreises war erst drei Jahre her, als Marie einen schweren Schicksalsschlag erlitt: Am 19. April 1906 verlor sie ihren Ehemann und Forscherkollegen Pierre bei einem Straßenbahnunfall. Persönliche Aufzeichnungen zeigten, wie verzweifelt sie war. Um die gemeinsame Arbeit fortzusetzen, führte Curie noch im selben Jahr die Vorlesungen ihres Mannes an der Sorbonne fort, 1908 erhielt sie eine ordentliche Professur für Physik. Zwei Jahre später folgte erneut der Nobelpreis, in Chemie. 

Nach dem Ersten Weltkrieg - Curie entwickelte seinerzeit eine mobile Röntgenstation für verletzte Soldaten - forschte sie mit Tochter Irene am Radium-Institut, reiste im Namen der Forschung um die Welt und suchte nach medizinischen Nutzungsmöglichkeiten radioaktiver Stoffe. Curie war fasziniert von diesen Substanzen, die im Dunkeln leuchten. Der Kontakt mit diesen Stoffen kostete sie jedoch das Leben: Am 4. Juli 1934 starb sie an Leukämie.

Noch heute ist der Ruhm Marie Curies präsent, auch in Polen. Die historische Figur interessiert: So wurden 1995 die sterblichen Überreste des Ehepaares in den Pariser Ruhmestempel Pantheon überführt; im vergangenen Jahr startete ein Film über ihr Leben nicht nur in Programmkinos.

Auf die teils fatalen Folgen ihrer Entdeckungen steuerte Curie nicht zu - den weiteren Weg zur Atombombe bahnten andere Wissenschaftler. Die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki, Katastrophen in der zivilen Nutzung der Atomenergie in Tschernobyl und Fukushima, marode, gefährliche Kraftwerke wie im belgischen Tihange: Von Verheißungen der Kernenergie auf diesen Gebieten ist heute nicht mehr viel übrig.  


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