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Ein Kosmonaut in Luxemburg: 803 Tage im Weltraum
Panorama 5 2 Min. 25.11.2017

Ein Kosmonaut in Luxemburg: 803 Tage im Weltraum

Michel THIEL
Michel THIEL
Er gehört zum elitären Kreis der erfahrensten Weltraumfahrer aller Zeiten und war vergangene Woche in Luxemburg zu Besuch. Das „Luxemburger Wort“ hat ihn begleitet und sich mit ihm über seine Erfahrungen als Kosmonaut und die bemannte Raumfahrt unterhalten.

(mth) - Am 18. Mai 1991 startete Sergei Konstantinowitsch Krikaljow an Bord einer Sojus-Rakete vom Weltraumflughafen Baikonur zu seiner zweiten Weltraummission auf der Raumstation Mir. Zu diesem Zeitpunkt ahnte der sowjetische Kosmonaut noch nicht, dass er knapp zehn Monate später als Bürger der Russischen Föderation auf die Erde zurückkehren würde. Dort war mittlerweile Boris Jelzin Präsident geworden, die Hardliner des zusammenbrechenden Regimes hatten einen erfolglosen Putschversuch gestartet und die Sowjetunion existierte als Staat nicht mehr.

Eine Erfahrung, auf die der in Leningrad, dem heutigen Sankt Petersburg, geborene 59-Jährige heute im Gespräch nicht mehr weiter eingehen möchte. Er sei „vor allem ein Techniker und Pilot“, so Krikaljow, der das Glück gehabt habe, seine Passion zum Beruf zu machen. Dass er etwas mehr als zwei Jahre seines Lebens im Orbit verbrachte, sei für ihn eine große Erfüllung gewesen: „Die Raumfahrt, das Training und Technik sind ein wichtiger Teil meines Lebens und trotz der hohen Belastungen, die solche Missionen mit sich bringen, fiel mir dies nie wirklich schwer, weil es genau das war, was ich eigentlich immer tun wollte“.

Drittlängste Aufenthaltsdauer im Weltraum

Kirkaljow hat insgesamt sechs Missionen hinter sich und ist mit 803 Tagen im Erdorbit der Raumfahrer mit der drittlängsten Aufenthaltsdauer im Weltall. Der Russe, der heute Vizepräsident des russischen Raumfahrtkonzerns RKK Energija und Leiter des zivilen Juri-Gagarin-Trainingszentrums für Kosmonauten ist, besuchte am vergangenen Wochenende, auf Einladung aus Luxemburg, das Luftfahrtmuseum in Bad Mondorf, nachdem er am Vortag in der Hauptstadt die Ausstellung #Sputnik60 im „Centre Culturel et Scientifique de Russie“ eröffnet hatte.

Mit viel Humor ging Krikaljow dort auf die Fragen des interessierten Publikums ein, das zu diesem außergewöhnlichen Treffen erschienen war. Wie es dazu gekommen sei, dass er Kosmonaut wurde? „Ich habe wohl als Jugendlicher zu viel Science-Fiction gelesen“, scherzt der studierte Maschinenbauingenieur, der neben seiner Karriere als Raumfahrer auch zwei Titel als Mannschaftsweltmeister und sowjetischer Meister im Kunstflug in den Jahren 1983 und 1986 aufweisen kann.

Ein Umstand, den man dem Russen anmerkt, als er mit den Betreibern des Mondorfer Luftfahrtmuseums durch die Ausstellung schlendert und mit Interesse Fragen zu dem ein oder anderen Exponat stellt. Dabei fällt ihm eine Vitrine auf, in der neben diversen anderen Artefakten ein Autogrammfoto seines Landsmanns, der Weltraumlegende Alexei Leonow zu sehen ist, der im April 2015 ebenfalls das Großherzogtum besuchte. 

Krikaljow betrachtet interessiert die Modelle russischer Flugzeuge, die Leonow dem Museum als Geschenke mitbrachte. Auf die Frage, welche Flugzeuge er denn persönlich geflogen habe, zählt er ein Dutzend Typen auf.

Mit sehr viel Fachwissen und Geduld beantwortet Sergei Krikaljow an jedem Samstag noch zahlreiche Fragen aus dem Publikum, das sichtlich gebannt ist. Meist klingt er eher nüchtern und sachlich. Als ihn ein Zuschauer auf seine insgesamt acht Weltraumspaziergänge anspricht, wird er dann aber kurz emotional: „Als Pilot ist man es gewohnt, die Erde von oben zu sehen. Aber erst im Weltraum sieht man mit eigenen Augen, wie begrenzt und verletzlich der Lebensraum ist, der uns Menschen auf der Erde zur Verfügung steht. Und man beginnt zwangsläufig, Probleme wie den Schutz unserer Umwelt sehr viel ernster zu nehmen.“


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