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Ein Clown auf Reisen
Panorama 4 Min. 12.06.2019

Ein Clown auf Reisen

Panorama, Happy Man Project, Tom Picard, Foto: Chris Karaba/Luxemburger Wort

Ein Clown auf Reisen

Panorama, Happy Man Project, Tom Picard, Foto: Chris Karaba/Luxemburger Wort
Chris Karaba/Luxemburger Wort
Panorama 4 Min. 12.06.2019

Ein Clown auf Reisen

The Happy Man Project: Erzieher Tom Picard wandert kostümiert von Köln nach Echternach und sammelt dabei Geld für einen guten Zweck.

von Birgit Pfaus-Ravida 

Tom Picard aus Echternach hat einen ganz besonderen Weg für den guten Zweck vor sich: Er wird als Clown verkleidet von Köln nach Echternach wandern – zugunsten der „Île aux Clowns“. Und natürlich, wie es sich gehört, mit Clownsnase, Lockenperücke, Kostüm und nicht zuletzt den typischen überdimensionierten Clownsschuhen. Der Startschuss für die ungewöhnliche Aktion fällt am 6. Juli. Dann geht es für Picard von Köln aus in Richtung Süden. Sein Ziel ist es, sechs Tage später, am 12. Juli in Echternach anzukommen.

Doch wie kommt man eigentlich auf die Idee, als Clown durch die Gegend zu laufen und dabei auch noch Geld für eine gute Sache zu sammeln? „Ich wollte einen Marsch für einen guten Zweck machen, aber keine der großen, sondern eher eine kleinere Asbl. unterstützen“, erklärt der 27-Jährige. „Die Mitglieder der Île aux Clowns gehen in Kliniken und Altersheime, um dort kranke Menschen aufzuheitern. Die Arbeit der Organisation verfolge ich schon seit Jahren und finde einfach großartig, was die Leute machen.“

Bei seiner Wanderung für den guten Zweck war ihm schnell klar: Er wollte in Köln starten – eine gute Distanz zu seinem Wohnort Echternach. Und was passte besser zu Köln – der Karnevalshochburg – und auch der „Île aux Clowns“ als ein Marsch in einem waschechten Clownskostüm?

Ein Clown von Kindesbeinen an

In dieser Verkleidung fühlt sich Tom ohnehin seit seiner Kindheit zu Hause. „Ich mag Clowns einfach. Mein erstes Karnevalskostüm war, natürlich, ein Clownskostüm. Und als Student war ich als Clown beim Kinderfaschingsball unterwegs – etwa in Bad Mondorf oder Biwer“, erinnert sich der junge Erzieher. So kostümiert könne man auf die Menschen eingehen, man mache sie glücklich – das gefalle ihm.


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Als die Idee feststand, überlegte Tom, wie er Anreize schaffen könnte, um die Menschen zum Spenden zu überreden. „Mein Ziel waren eigentlich 1 500 Euro.“ Je mehr Geld zusammenkommt, desto aufwendiger seine Kostümierung: In 500-Euro-Schritten legte er fest, welches Teil einer Clownmontur jeweils zum Outfit hinzugefügt würde. Nach 100 Euro die rote Nase, mit der er seine Wanderung gehen muss, bei 500 Euro die Perücke, nach 1 000 das ganze Kostüm, nach 1 500 Euro auch noch die klobigen Schuhe, die selbst einem sportlichen, trainierten und das Wandern gewöhnten jungen Mann wie Tom das Gehen erschweren würden.

„Ich habe Freunden, Verwandten und Kollegen von der Idee erzählt – und nach nur wenigen Tagen waren die 1 500 Euro schon erreicht“, so Tom erstaunt. Das zeigt: Sein ungewöhnliches System funktioniert, schließlich ist auch ein bisschen Spaß und Schadenfreude dabei, wenn der Kumpel sich in der Öffentlichkeit verkleidet zeigen muss.

Nach Erreichen der 1 500-Euro-Grenze rief Tom dann auf Facebook dazu auf, sich neue Herausforderungen auszudenken, die er auf dem Weg meistern muss – etwa in jedem Ort, durch den er läuft, in eine Tröte zu blasen, einen Clownshut aufzusetzen oder Witze zu erzählen. Und natürlich alles zum Beweis auf Facebook zu posten.

Brühl, Bitburg, Echternach

In wenigen Tagen ist diese Abstimmung vorbei. Und am 6. Juli wird es dann ernst. Ein Freund wird Tom nach Köln fahren, wo er komplett verkleidet vor dem Dom seine Tour starten wird. Er wird über Brühl, Euskirchen, Blankenheim, Hillesheim, Hersdorf und Bitburg nach Hause laufen und am 12. Juli vor der Basilika in Echternach einem Vertreter der Île aux Clowns den symbolischen Scheck mit dem Erlös der Aktion überreichen.

„Unterwegs werde ich aber nicht immer alleine sein; einige Freunde werden mich etappenweise begleiten“, freut sich Tom Picard. Ob er Angst hat, dass Leute ihm „komisch“ oder gar kritisch begegnen? „Ja, die Angst hatte ich. Aber ich habe kürzlich übers lange Wochenende einen Test-Hike in kompletter Montur gemacht. Da habe ich gemerkt, wie positiv, fröhlich und interessiert die Leute auf mich reagieren. Seither freue ich mich nur noch darauf und bin sicher, dass es toll wird.“

Voll kostümiert - mit Perücke, roter Nase und riesigen Schuhen - geht es auf Wanderschaft.
Voll kostümiert - mit Perücke, roter Nase und riesigen Schuhen - geht es auf Wanderschaft.
Foto: Chris Karaba

Außerdem, sagt Tom erleichtert, habe er gemerkt, dass das Gehen in den Schuhen sogar besser funktioniert als erwartet. „Ich hatte nur zwei Blasen – da hätte ich Schlimmeres erwartet.“ Auch technische Probleme lassen ihn nicht verzweifeln: Die sich ablösenden Seitenränder der Sohlen werden einfach wieder angeklebt.

Schon jetzt freut sich Tom über die durchgehend positive Resonanz. „Ich hätte nie gedacht, dass so schnell so viele Spenden zusammenkommen – ich freue mich aber natürlich über noch mehr Spenden.“ Für die Zukunft hat er schon das nächste Projekt im Visier – zumindest „wenn alles gut geht und ich merke, dass ich fit genug für so etwas bin“: Tom hat sich vorgenommen, ab jetzt jedes Jahr um die gleiche Zeit einen Marsch für den guten Zweck zu machen.

Er kann sich zum Beispiel vorstellen, die Fondatioun Wonschstär zu unterstützen, die kranken oder sozial benachteiligten Menschen Herzenswünsche erfüllt. „Vielleicht fahre ich da ja mit dem Rollstuhl irgendwo hin – das ist bestimmt auch eine riesige Herausforderung.“

Man kann alles schaffen

Und Herausforderungen ist Tom Picard gewöhnt. Schließlich arbeitet er in einem Heim für schwer erziehbare Jugendliche, im 2018 neu gegründeten Foyer Roc in Ehleringen. „Der Job ist auch eine Challenge. Aber ich liebe das. Jeder Tag ist anders, das ist cool. Ich mache den Lauf unter anderem auch für die Jungs dort. Ich möchte ihnen zeigen: Wenn Du Dir was vornimmst, kannst du das auch schaffen.“

Noch bis zum 12. Juli können Unterstützer für Tom und sein Projekt spenden. Weitere Informationen unter bit.ly/happymanproject


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