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Eckart von Hirschhausen: „Ich möchte einen humorvollen Grabstein“
Panorama 5 Min. 16.09.2019

Eckart von Hirschhausen: „Ich möchte einen humorvollen Grabstein“

Eckart von Hirschhausen (r.) möchte herausfinden: Wie gelingt ein Leben, wenn einem die Endlichkeit bewusst ist; wenn man nur noch wenige Tage zu leben hat? Um darauf eine Antwort zu finden, verbringt Eckart von Hirschhausen zwei Tage in einem Bochumer Hospiz.

Eckart von Hirschhausen: „Ich möchte einen humorvollen Grabstein“

Eckart von Hirschhausen (r.) möchte herausfinden: Wie gelingt ein Leben, wenn einem die Endlichkeit bewusst ist; wenn man nur noch wenige Tage zu leben hat? Um darauf eine Antwort zu finden, verbringt Eckart von Hirschhausen zwei Tage in einem Bochumer Hospiz.
Foto: WDR/Ben Knabe
Panorama 5 Min. 16.09.2019

Eckart von Hirschhausen: „Ich möchte einen humorvollen Grabstein“

Der promovierte Arzt und Kabarettist spricht im Interview über seine Dreharbeiten in einer Sterbeklinik und seine Tipps für ein langes Leben.

Interview: Cornelia Wystrichowski   

Eckart von Hirschhausen ist nicht nur promovierter Mediziner, Kabarettist und Autor etlicher erfolgreicher Bücher, sondern auch als Moderator sehr gefragt. In zwei neuen TV-Reportagen befasst sich der 52-Jährige, der es auch zu einem eigenen Magazin gebracht hat, jetzt mit den ernsten Themen des Lebens: Für „Hirschhausen im Hospiz“ zog er für zwei Tage in eine Bochumer Sterbeklinik – zu sehen heute um 20.15 Uhr in der ARD. Für die Dokumentation „Hirschhausen im Knast“, die am 23. September ausgestrahlt wird, ließ er sich ins Gefängnis sperren. Außerdem präsentiert der TV-Entertainer, der kürzlich zum zweitbeliebtesten Quizmaster nach Günther Jauch gewählt wurde, ab 21. September im Ersten eine neue Staffel seiner beliebten Samstagabend-Show „Hirschhausens Quiz des Menschen“.

Eckart von Hirschhausen, für Ihre neue Reportage haben Sie zwei Tage in einem Hospiz verbracht. Was hat Sie dort besonders bewegt?

In meiner Ausbildungszeit hatte ich als angehender Arzt in der Kinderneurologie wenig mit dem Tod zu tun und daher war das Hospiz für mich echtes Neuland. Mich hat beeindruckt, dass dort gegen die Erwartung keine durchgehende Grabesstimmung herrscht, sondern es viele herzliche und auch leichte Momente gibt, die wir erleben und einfangen konnten. Vor allem hat mich berührt, mit welcher Liebe und Hingabe dort Ärzte, Pflegekräfte, Ehrenamtliche und Angehörige zusammenarbeiten, um der letzten Lebensphase Würde und Fülle zu geben.

Verdrängen wir den Tod zu sehr aus unserem Alltag?

Wir kommen aus Staub, wir werden zu Staub, deshalb meinen die meisten, es müsse im Leben darum gehen, viel Staub aufzuwirbeln. Angesichts des Todes wird sehr viel von dem, wonach wir alle lange streben und womit wir unglaublich viel Zeit verdödeln, total unwichtig. Und davor haben wir Angst: dass wir einsehen müssten, die falschen Prioritäten gehabt zu haben. Keiner hat doch auf dem Sterbebett jemals gesagt: Ich hätte mehr Zeit im Büro verbringen sollen oder mit Social Media. Alles, was am Ende zählt, ist nicht mit Geld aufzuwiegen.

Glauben Sie selber an ein Leben nach dem Tod?

Die Frage beantworte ich Ihnen im nächsten Leben. Ich war in Bochum im Ruhrgebiet, dort sagte ein Bergmann etwas sehr Weises: „Vor der Hacke ist es dunkel.“ Wir wissen es nicht. Denn alle Aussagen über den Tod haben einen systematischen Fehler: Sie kommen von Lebenden. Was mich angeht: Ich glaube an ein Leben nach dem Tod, zumindest in Teilen, und bin deshalb erklärter Organspender. Und was den Nachruhm angeht, bin ich lieber zu Lebzeiten überschätzt als andersherum.


9.6. Limpertsberg / Grab Wilhem Voigt , alias Hauptmann von Koepenick / Nekloskierfech , Cimetiere Notre Dame Foto:Guy Jallay
Letzte Ruhestätten
Die Grabstätten der Stars vergangener Tage ziehen auch heute noch Besucher an. Selbst in Luxemburg findet man auf Friedhöfen einige bekannte Namen – darunter einen „Star“, dem einst eine Straftat zu Ruhm verhalf.

Haben Sie schon genaue Vorstellungen, wie mal Ihre Beerdigung aussehen soll?

Nein, aber ich möchte auf jeden Fall einen humorvollen Grabstein, zum Beispiel mit der Inschrift: „Typisch: Jetzt wo ich Zeit habe, kommt keiner vorbei.“ Oder wie Johnny Carson. Der berühmte Talkmaster ließ wie vor einer Werbepause schreiben: „Ich bin gleich wieder für Sie da“. An meinem Satz arbeite ich noch.

Ihre zweite Reportage führt Sie in ein Gefängnis. Was haben Sie bei dem Aufenthalt hinter Gittern für sich persönlich gelernt?

Dass es Türen gibt, die man nicht von innen öffnen kann. Und wie seltsam es ist, nicht nur Gitter vor dem Fenster zu haben, sondern auch vor der Dachluke. Ich wollte auch hier ein Gefühl dafür bekommen, wie das ist, eingesperrt zu sein, isoliert, weg vom Fenster. Was macht das mit einem selber, wie verändert das Menschen, Beziehungen, Lebensläufe. Da kann man schon ins Grübeln kommen, wie sinnvoll manche Strafmaßnahme ist. Ich hatte ja Zeit nachzudenken, denn ich musste wie jeder andere auch mein Handy abgeben, was einem ja sonst pausenlos das eigene Denken abnimmt.

Sie propagieren stets das Lachen als Medizin, den Humor als Wunderwaffe. Sind existenzielle Situationen wie das Absitzen von Zeit im Hospiz oder Gefängnis aber nicht Lebenslagen, in denen es nichts mehr zu lachen gibt?

Von Karl Valentin stammt der weise Satz: „Wenn es regnet, freue ich mich. Denn wenn ich mich nicht freue, regnet es auch.“ Humor ist überhaupt nichts Oberflächliches, sondern das tiefe Einverständnis in die Widersprüchlichkeit, in die Absurdität und die unauflösbaren Rätsel unserer Existenz. Der Humor wurde uns geschenkt als Ausweg und Trost, damit wir über Dinge, die wir nicht ändern können, nicht verrückt werden oder verzweifeln.

Sie haben in einer aktuellen Umfrage als beliebtester Quizmaster nach Günther Jauch abgeschnitten. Wollten Sie eigentlich schon immer ins Fernsehen?

Ganz im Gegenteil. Mit vier wollte ich Feuerwehrmann werden, dann Lokführer und Zoodirektor, und während des Studiums Entwicklungshelfer. Heute unterstütze ich unter anderem „Scientists for Future“, die Welthungerhilfe und Ärzte ohne Grenzen, bin mit der Bahn unterwegs, arbeite zwar nicht gegen Feuer, aber gegen Burn-out und setze mich für seelische Gesundheit ein, stehe auf der Bühne und mache mich zum Affen, bin dabei aber mein eigener Direktor. Ich finde, ich habe ziemlich viel von meinen Kindheitsträumen verwirklicht. Zumindest keinen verraten.

In Ihren Shows wirken Sie immer ganz schön schlau. Wo sind denn Ihre Wissenslücken?

Überall dort, wo ich die Antwort nicht auf meinem Zettel ablesen kann. Moderatoren werden grundsätzlich überschätzt. Dabei finde ich gute Fragen oft wichtiger als vorschnelle Antworten. Eine Frage, die mir Jane Goodall, die Schimpansenforscherin, gestellt hat, gebe ich gerne weiter: „Wenn der Mensch die intelligenteste Art ist, die es auf der Erde gibt – warum zerstören wir dann unser eigenes Zuhause?“ Darüber wüsste ich gerne mehr, wie wir verhindern können, dass die Erde in wenigen Jahren überhitzt und unbewohnbar wird.

Sind die Leute heute dank des Internets in Gesundheitsfragen aufgeklärter als früher?

Mein elftes Gebot: Du sollst nicht googeln! Das Netz macht nur die Schlauen schlauer. Man muss wissen, wonach man sucht, und die Quellen einordnen können. Jede Pharmafirma und jeder Quacksalber kann alles behaupten, ohne Beweise liefern zu müssen. Deswegen sich unbedingt an vertrauenswürdige Institutionen wenden, zum Beispiel den Krebsinformationsdienst, die Verbraucherzentralen oder die Krankenkassen, die manchmal besser sind als ihr Ruf.

Gesundheit ist Ihr Lebensthema. Welches sind Ihre wichtigsten Tipps für ein langes, gesundes Leben?

Ganz einfach, lassen Sie einfach alles weg, was es verkürzt. 15 Jahre unseres Lebens hängen am Lebensstil. Es gibt keine Tablette, keine Operation und erst recht keine Creme, die uns besser schützen als ganz einfache Dinge des Alltags: nicht rauchen, bewegen, Gemüse – erwachsen werden und Kind bleiben.


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