Drogenexporte in den Niederlanden

Gras für die Nachbarn

epa02310452 A worker tends to cannabis plants at a growing facility for the Tikun Olam company near the northern Israeli town of Safed on 31 August 2010. In conjunction with Israel's Health Ministry, the company currently distributes cannabis or Marijuana for medicinal purposes to over 1,800 people to help relieve pain caused by various health conditions.  EPA/ABIR SULTAN ISRAEL OUT
epa02310452 A worker tends to cannabis plants at a growing facility for the Tikun Olam company near the northern Israeli town of Safed on 31 August 2010. In conjunction with Israel's Health Ministry, the company currently distributes cannabis or Marijuana for medicinal purposes to over 1,800 people to help relieve pain caused by various health conditions. EPA/ABIR SULTAN ISRAEL OUT
EPA

von Helmut Hetzel (Den Haag)

Die Ausfuhrmenge von Haschisch und Gras ist in den Niederlanden höher als erwartet. Das geht aus einem Bericht des Wissenschafts- und Forschungszentrums des Haager Justizministeriums hervor. Darin ist weiter zu lesen, dass die Zahl jährlich schätzungsweise ,,zwischen 230 und 570 Tonnen beträgt“.

Genau sei das nicht zu beziffern, weil die Hanfzucht nach wie vor illegal sei. Aber es sei davon auszugehen, dass rund 87 bis 95 Prozent der niederländischen Cannabisproduktion im Ausland abgesetzt wird. Vor allem in den geografisch nahen europäischen Nachbarländern wie Deutschland, Belgien, Luxemburg, Frankreich und Großbritannien. Der Drogenexport ist für die Niederlande ein Milliardengeschäft.

Flächendeckende Zucht

Nicht nur in vielen Gewächshäusern wachsen die Hanfpflanzen massenhaft. Auch immer mehr Wohnungen werden für die Cannabisaufzucht umgebaut. Sogar in noblen Stadtvierteln, wie etwa dem Stadtteil Archipel in Den Haag. Die lokale ,,Archipel-Zeitung‘‘ rief gerade alle Bewohner dazu auf ,,wachsam zu sein und die illegale Hanfzucht sofort der Polizei zu melden,“ wenn man etwas entdeckt oder vermutet.

Das Lokalblatt gibt Tipps, wie man den Züchtern auf die Schliche kommen kann: ,,Oft ist vor der Haustür die Straße etwas aufgebrochen. Dann wird dort illegal Strom abgezapft.“ Denn Hanfpflanzen brauchen viel künstliches Licht, damit sie schnell sprießen.

Der Bericht hat auch die Debatte darüber, ob man den Hanfanbau in den Niederlanden nicht generell freigeben sollte, neu entfacht. Einige Politiker und Bürgermeister fordern das vehement. Hanf sollte ihrer Meinung nach staatlich kontrolliert angebaut – und dann an die Coffeeshops verteilt werden. Bisher dürfen die Coffeeshops zwar Cannabis verkaufen, aber eben nicht legal einkaufen. Das ist die Achillesferse der Drogenpolitik.

Sie führte dazu, dass in den Niederlanden eine Drogenmafia entstand. Die Gegner einer Legalisierung des Hanfanbaus und ihr prominentester Vertreter, Justizminister Ivo Opstelten, argumentieren: Die Legalisierung des Hanfanbaus wird das illegale Drogenmilieu nicht treffen. Sie werden weiterhin Hanf züchten und anbauen, weil damit viel Geld zu verdienen ist.

Das beweise auch das Ergebnis des aktuellen Berichts. Die Hanf-Dealer wollten exportieren und Geld verdienen.