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Doppeldeutig? Facebook sperrt französische Gemeinde Bitche
Panorama 2 Min. 13.04.2021

Doppeldeutig? Facebook sperrt französische Gemeinde Bitche

Komplett Facebook-konform: die Citadelle de Bitche, erbaut von Vauban.

Doppeldeutig? Facebook sperrt französische Gemeinde Bitche

Komplett Facebook-konform: die Citadelle de Bitche, erbaut von Vauban.
Foto: Ville de Bitche
Panorama 2 Min. 13.04.2021

Doppeldeutig? Facebook sperrt französische Gemeinde Bitche

Tom RÜDELL
Tom RÜDELL
"Bitche" oder "Bitch"? Ein Facebook-Algorithmus nahm es zu locker und sperrte die Lothringer Gemeinde - wegen des englischen Schimpfworts. Am Dienstag wurde die Sperre nach drei Wochen aufgehoben.

Ganze drei Wochen war die französische Gemeinde Bitche (Département Moselle) ohne ihre offizielle Facebook-Seite. Am 19. März war die Social-Media-Präsenz der Gemeinde gesperrt worden, so der Bürgermeister von Bitche, Benoît Kieffer. Zuerst hatte der französische Radiosender Radio Mélodie darüber berichtet. Der Grund für die Sperre: ein angeblicher Verstoß gegen die Facebook-Standards. 

Ein solcher lag allerdings gar nicht vor, zumindest nicht aktiv: Der Algorithmus, der beim Community-Riesen Facebook für das Aufspüren von Regelübertretungen zuständig ist, hatte den Namen der 5.000-Einwohner-Kleinstadt, also „Bitche“ (oder zu Deutsch „Bitsch“) schlicht verwechselt - nämlich mit dem englischen Schimpfwort „Bitch“


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Das bedeutet ursprünglich „Hündin“, hat aber, wie viele Schimpfwörter einen Bedeutungswandel durchlaufen: Im alltäglichen englischen Sprachgebrauch ist „bitch“ ein sehr abwertender, zumeist sexuell konnotierter Begriff für eine Frau - „Miststück“ trifft es so einigermaßen, „Schlampe“ wohl auch. 

Auch der Ausruf „son of a bitch“ ist geläufig und kann so ziemlich alles heißen - von einer ziemlich unflätigen Beleidigung für den Adressaten und seine Mutter bis hin zu einem ehrfürchtigen „Teufelskerl“. Wie auch immer: Der Ortsname der Gemeinde im Département Moselle, nahe Sarreguemines, hat damit nichts zu tun. 

Bürgermeister Kieffer versuchte den Machern von Facebook diesen feinen Unterschied wohl sehr geduldig zu erklären. Doch die Mühlen der Plattform mahlen langsam, und so brauchte Kieffer mehrere Anläufe, um die Sperrung aufheben zu lassen. Zwischenzeitlich hatte er sogar schon eine Ersatzseite unter dem Namen „Mairie 57230“, also der unverfänglichen Postleitzahl von Bitche eingerichtet, um weiter über Facebook kommunizieren zu können - immerhin hatten rund 2.500 Nutzer die angeblich unflätige Seite abonniert. Auch Kieffers Amtskollege aus Rohrbach-les-Bitche bewies Umsicht und benannte die Facebook-Seite seiner Gemeinde kurzerhand in „Ville de Rohrbach“ um - man weiß ja nie.   

Zu Ehren der „Sons of Bitche“

Am 13. April konnte Kieffer schließlich einen Erfolg für die Gemeinde Bitche verbuchen: Die Seite ist wieder erreichbarFacebook bestätigte, dass die Sperrung „aufgrund einer fehlerhaften Analyse durch unsere Systeme“ erfolgt sei - verbunden mit einer Entschuldigung. Kieffer lud daraufhin den Frankreich-Chef von Facebook sowie CEO Mark Zuckerberg nach Bitche ein - um „unsere schöne Stadt zu zeigen“, aber auch, wie er schreibt, um „mit ihnen zusammen ihre Landsleute und unsere amerikanischen Freunde zu ehren, die unter dem Banner der 100. Infanterie-Division aus South Carolina gekommen sind, um unsere Stadt zu befreien.“  

Diese 100. Infanterie-Division, die im Dezember 1944 die Stadt aus den Händen der Wehrmacht befreite, hatte offenbar deutlich mehr Gespür für Wortwitze als der Facebook-Algorithmus - wie Kieffer clever hinzufügt: „Unsere Befreier nannten sich stolz 'Sons of Bitche'“.  


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