Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Die Schweizergarde und das Virus
Panorama 3 Min. 01.09.2020

Die Schweizergarde und das Virus

In Distanz und mit Mundschutz: Auch die Mitglieder der Schweizergarde halten sich im Dienst an die vorgeschriebenen Hygiene- und Abstandsregeln.

Die Schweizergarde und das Virus

In Distanz und mit Mundschutz: Auch die Mitglieder der Schweizergarde halten sich im Dienst an die vorgeschriebenen Hygiene- und Abstandsregeln.
Foto: GettyImages
Panorama 3 Min. 01.09.2020

Die Schweizergarde und das Virus

Sie überwachen den Besucherverkehr, kommen als Personenschützer dem Papst näher als kaum jemand sonst und leben auf engstem Raum: Die Pandemie stellt die Schweizergarde vor einen beispiellosen Ernstfall.

(KNA) - Ein Stilbruch zeigt den Ernst der Lage: Die Schweizergardisten, die am Petersplatz den Eingang zum Vatikan bewachen, tragen zu ihren historischen rot-blau-gelben Uniformen neuerdings OP-Masken. Sie folgen damit nicht nur den aktuellen Rücksichtsregeln. Die kleine Truppe muss unter allen Umständen operativ bleiben. Und regelrecht unvorstellbar wäre es, wenn der Papst durch seine eigenen Personenschützer mit dem Corona-Virus infiziert würde.

Wie andere Armeen lebte auch die Schweizergarde in ihrer 500-jährigen Geschichte immer eng beieinander. Bislang war das kein Sicherheitsproblem. Die Hellebardiere wohnen in Zweier-, teils Dreierzimmern; man trifft sich bei den Mahlzeiten in der Mensa. Jetzt stellt das Virus das gewöhnliche Kasernenleben vor eine „Herausforderung“, wie Wachtmeister Urs Breitenmoser sagt, der Sprecher der Garde. 

Hygieneregeln in der Kaserne

Wenigstens bildete die Truppe, schon bevor die Pandemie kam, eine Art geschlossene Gemeinschaft. Dennoch sind im Wachdienst Begegnungen mit Fremden unumgänglich. Auch ist den Gardisten der Ausgang in der Freizeit nicht verboten. Wie andere junge Leute gehen sie abends eine Pizza essen oder treffen sich mit Freunden auf einen Aperitif. 

Grund genug, in der Kaserne auf Distanz- und Hygienegebote zu achten. Die Soldaten sitzen in der Mensa auf Abstand, sind zu regelmäßiger Händedesinfektion angehalten. Die Ausbildung in Gruppen ist aufgehoben, im Dienst gilt das Prinzip der Kontaktvermeidung. Wer Krankheitsanzeichen verspürt, hat sich umgehend zu melden. Alle Gardisten absolvierten einen Corona-Test; nach Angaben der Leitung fiel er durchweg negativ aus.


The limousine transporting Russian President Vladimir Putin drives past Swiss Guards while arriving at San Damaso courtyard for Putin's private audience with the Pope on July 4, 2019 at the Vatican. - Russian President Vladimir Putin arrives in Rome Thursday for a lightning visit including talks with the pope and Italy's populist government, which has called for an easing of sanctions despite Moscow's ongoing crisis with the West. (Photo by Tiziana FABI / AFP)
Ein Heim für die Schweizergarde
Der Neubau der Kaserne im Vatikan kostet fast 50 Millionen Euro. Und das ist nur eine der Herausforderungen.

Derzeit zählt das Korps 113 Mitglieder; zusätzlich begannen gestern 15 Rekruten ihre Ausbildung. Schon seit einiger Zeit ist geplant, die Truppenstärke mit Blick auf zunehmende Aufgaben auf 135 zu erhöhen. Die Pandemie ist inzwischen ein zusätzliches Argument für den in Planung befindlichen Kasernen-Neubau: Jeder Gardist soll dann ein Einzelzimmer mit Bad bekommen. 

Papst Franziskus in Gefahr  

Besonders stellt sich die Lage in der Papstresidenz Santa Marta dar. Wenige Menschen kommen dem 83-jährigen Kirchenoberhaupt so nah wie die Gardeoffiziere im Personenschutz. 

Schon qua Alter zählt Papst Franziskus zur Risikogruppe. Seit einer Operation in jungen Jahren ist zudem seine Lungenfunktion eingeschränkt. Doch auf persönliche Treffen kann Franziskus in seiner Amtsausübung nicht verzichten. Die Garde hat daher Sorge zu tragen, dass das Ansteckungsrisiko so niedrig wie möglich bleibt.

View this post on Instagram

Kampf gegen einen unsichtbaren Feind (4/5) Die Probleme in der ewigen Stadt häufen sich Dass wir nun das eine oder andere Bier mehr innerhalb unserer Kaserne trinken und gezwungen sind, jeden Abend in unserer Mensa unter Einhaltung der obligaten Abstände zu essen, tut zwar unserer Gemeinschaft gut, sicherlich freuen sich aber auch die Wirte in Rom darauf, wenn sie ihre Lokale wieder öffnen dürfen und auch uns wieder bewirten können. Denn die wirtschaftlichen Einbussen, die die Stadt Rom – ja ganz Italien – hinnehmen muss, sind enorm. Für eine Stadt, die sich – wie Rom – zu einem grossen Teil auf den Tourismus ausgerichtet hat und in der enorm viele Arbeitsplätze davon abhängen, steht viel auf dem Spiel. Bei einem Blick aus dem Fenster schaut man auf eine scheinbar ausgestorbene Stadt, nur wenige Leute sind unterwegs, die sonstigen Blechlawinen auf den Strassen sind vollends verschwunden. Es ist ein Bild, das angesichts der normalerweise um diese Jahreszeit nach Rom strömenden Touristenmassen erschrickt. Ächzte die Infrastruktur in den letzten Jahren erheblich unter dieser Last, so stehen nun, nach nur wenigen Wochen des «Lockdowns», viele Existenzen auf dem Spiel. # www.schweizergarde.ch # #GSP1506 #GuardiaSvizzeraPontificia #Schweizergarde #Gardesuisse #SwissGuard #SwissGuards #Schweiz #Suisse #Svizzera #Vatikan #Vatican #Vaticano #ArmeeCH #tuttoandràbene #covıd19 #covid_19 #corona #coronamemes #praytogether #iorestoacasa #coronainfoch #jerestechezmoi #bliibdihei #ostern #pasqua #pâques

A post shared by Päpstliche Schweizergarde (@guardiasvizzerapontificia) on

Eine Maßnahme: Reduzierung des Personenkreises. Laut dem Medienoffizier sind es „möglichst immer die gleichen Gardisten“, die direkt vor dem päpstlichen Appartement Dienst tun, und ihre Gesundheit wird extra aufmerksam überwacht. Generell seien „im Umfeld von Santa Marta keine Infektionen bekannt“, sagt Breitenmoser. Aber die Garde hat Pläne für Notfallszenarien zurechtgelegt. 

Nachwuchs in Aussicht

Stand die Garde in jüngerer Vergangenheit vor Nachwuchssorgen, so haben die Unsicherheiten der Corona-Krise das Interesse junger katholischer Schweizer an einem Dienst im Vatikan offenbar nicht gedämpft. Am 4. Oktober schwören 39 neue Gardisten im Damasushof ihren feierlichen Eid – abweichend vom traditionellen Datum am 6. Mai und auch nur im eingeschränkten Kreis von Eltern und Geschwistern.


Swiss Guards look on during a Pope's mass for World Day of Migrants and Refugees on September 29, 2019 at St. Peter's Square in the Vatican. (Photo by Vincenzo PINTO / AFP)
Schweizergarde: Rund um die Uhr für den Papst
Die Traditionstruppe im Vatikan steht für die Sicherheit nach innen und Repräsentation nach außen. In beiden Bereichen steigen die Anforderungen.

Für eine anschließende Schnupperwoche meldeten sich rund 20 Jugendliche zwischen 16 und 18 Jahren; Folgeveranstaltungen sind schon für April und Oktober 2021 geplant – für Breitenmoser „ein gutes Zeichen“, dass die Garde in der Schweizer Öffentlichkeit gut wahrgenommen wird. 

Angepasst an den Infektionsschutz, aber unvermindert läuft auch die Ausbildung in Zusammenarbeit mit der Tessiner Kantonspolizei weiter. „Wir müssen vorbereitet in die Mission gehen“, so der Sprecher. Die kleinste Armee der Welt, wie die Garde gern tituliert wird, will sich nicht von einem noch kleineren Feind schlagen lassen. 


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Hämmern in päpstlicher Mission
Helme, Schwerter, Harnische – die Ausrüstung der Schweizergarde ist ein echter Hingucker. Gefertigt wird sie von einer Traditionsschmiede im oberösterreichischen Molln – ein Jahrhundertauftrag.
Mithilfe von Hammer und Meißel nimmt das Muster auf den Helmen Gestalt an.