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Die Mischung macht das Tier
Ein Liger zeichnet sich durch das gleichzeitige Vorhandensein einer Mähne und eines dezenten Streifenmusters aus.

Die Mischung macht das Tier

Foto: Shutterstock
Ein Liger zeichnet sich durch das gleichzeitige Vorhandensein einer Mähne und eines dezenten Streifenmusters aus.
Panorama 3 Min. 21.05.2019

Die Mischung macht das Tier

Die Natur treibt es manchmal bunt: Hinter Schiege, Zesel, Liger und Co. verbergen sich faszinierende Kreuzungen.

von Christian Satorius   

Manche Seitensprünge lassen sich nicht geheim halten. Als Saraswati im Dezember des Jahres 2013 Apollo, Yeti, Sampson und Odin zur Welt brachte, war jedem sofort klar, dass die weiße Tigerdame ein Verhältnis mit dem weißen Löwen Lord Ivory gehabt haben musste. Die Liebe geht eben manchmal seltsame Wege. Der bunte Mix aus Löwe und Tiger, der dabei herausgekommen ist, nennt sich Liger. Den umgekehrten Fall gibt es übrigens auch: Wird aus einem männlichen Tiger und einer Löwendame ein Paar, dann nennen sich deren Sprösslinge schlicht und einfach Töwen.

In der freien Natur würden die beiden Arten nicht aufeinandertreffen, im Zoo hingegen macht die Gelegenheit Liebe, könnte man sagen. So ist es wohl auch nicht weiter verwunderlich, dass sich in menschlicher Obhut die unterschiedlichsten Paare zusammenfinden. Vom Jagilon (Jaguar und Löwin) und Tigard (Tiger und Leopardin) bis hin zum Lepjag (Leopard und Jaguarin) ist schon alles vorgekommen.

Ein Liger zeichnet sich durch das gleichzeitige Vorhandensein einer Mähne und eines dezenten Streifenmusters aus.
Ein Liger zeichnet sich durch das gleichzeitige Vorhandensein einer Mähne und eines dezenten Streifenmusters aus.
Foto: Shutterstock

Doch nicht immer ist dem Seitensprung so einfach auf die Spur zu kommen wie bei einem Liger, der Löwenmähne und Tigerstreifen ganz offen zur Schau trägt. Das mussten Alain Hennache und sein internationales Wissenschaftlerteam feststellen, als sie sich auf die Suche nach dem sagenumwobenen Kaiserfasan (Lophura imperialis) machten. „Der Vogel wurde 1924 anhand eines in Vietnam gefangenen Paares wissenschaftlich beschrieben und seitdem in der freien Natur nie wieder gesehen“, so Hennache. „Erst 1990 geriet wieder ein Tier in eine aufgestellte Falle.“

Ein Zesel stammt von Esel und Zebra ab.
Ein Zesel stammt von Esel und Zebra ab.
Foto: Getty Images

Obwohl der Kaiserfasan derart selten war, fanden die Forscher gleich mehrere Exemplare, die sie näher untersuchen konnten. Sie gingen allerdings nicht in Vietnam auf die Pirsch, sondern im Museum. „Wir analysierten die DNA aller existierender Museumsstücke“, erläutert der Forschungsleiter. So fand man heraus: „Der Kaiserfasan ist eine gelegentlich vorkommende Kreuzung zwischen dem Silberfasan (L.nycthemera) und dem Edwardsfasan (L. edwardsi).“

Etliche bekannte Vertreter

Hybriden nennen Wissenschaftler die Kreuzungen, die aus Lebewesen zweier unterschiedlicher Gattungen, Arten oder auch Zuchtlinien entstehen, wenn diese sich auf natürliche Weise fortpflanzen. Wird im Labor mittels Gentechnik nachgeholfen, was heute immer öfter bei Nutzpflanzen der Fall ist, aber auch bei Tieren vorkommt, heißen sie Chimären. Derartige Kreuzungen sind gar nicht so selten, wie man vielleicht meinen möchte. Teichfrösche (Seefrosch und Kleiner Wasserfrosch) sowie Tigerforellen (Bachforelle und Bachsaibling) sind alte Bekannte. Vor allem Vögel schauen sich wohl gerne anderweitig um. Mehrere Tausend Artkombinationen sind nachgewiesen.


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Eine ganze Reihe unterschiedlicher Verpaarungen sind allerdings nicht dem puren Zufall zu verdanken, sondern den Zuchtbemühungen des Menschen, der sich davon gewisse Vorteile erhofft. Bekannt geworden sind neben den Grundlagenforschungen des deutschen Agrarwissenschaftlers Julius Kühn unter anderem die Puschas (Pudel und Schakal) des Zoologen Wolf Herres, sowie die Puwos (Pudel und Wolf) des Kynologen Erik Zimen, mit denen die Wissenschaftler die Evolution des Verhaltens vom Wolf zum Haushund erforschten.

Das Verhalten einer anderen Hybride kennen wir hingegen schon seit Jahrtausenden. Das Maultier (Vater: Pferd, Mutter: Esel) beziehungsweise das Muli (Vater: Esel, Mutter: Pferd) vereint das Beste aus zwei Welten, könnte man sagen. Schon Charles Darwin schrieb auf seiner Reise mit der „HMS Beagle“ am 18. März 1835 voller Begeisterung in sein Tagebuch: „Das Maultier scheint mir ein sehr beeindruckendes Tier zu sein. Dass eine Hybride seine Eltern übertrifft, deutet anscheinend darauf hin, dass die Kunst hier die Natur überboten hat.“

Es ist als Zug- und Lastentier belastbar wie ein Esel, aber kräftig wie ein Pferd. In unwegsamem Gelände ist es trittfester als ein Pferd und auch weniger scheu. Dafür lässt es sich aber gut reiten, ganz im Gegensatz zu einem Esel, der ja als regelrecht störrisch gilt. Kein Wunder also, dass die Tiere auch heute noch überall dort eingesetzt werden, wo es unter anderem durch unwegsames Gelände geht oder ganz einfach das Geld für ein motorisiertes Fahrzeug fehlt.

Grenzen des Möglichen

Dennoch gibt es einen Haken: Hybride sind in der Regel untereinander nicht fortpflanzungsfähig. Das gilt auch für Maultiere und die Mulis, denn die Hengste sind in jedem Fall steril und die Stuten meist auch.

Noch bemerkenswerter ist übrigens eine Schiege, die aus der Affaire eines Schafs und einer Ziege hervorgeht. Bei der Verpaarung von Schaf und Ziege sind nämlich noch größere Hindernisse zu überwinden, entstammen beide Tiere doch nicht nur zwei unterschiedlichen Arten, sondern sogar zwei unterschiedlichen Gattungen. So sind Schiegen auch sehr selten. Dennoch kommen sie ab und zu vor. 2018 wurden im irischen Murneen sogar Schiegenzwillinge geboren, die auf die Namen „This“ und „That“ hören. Passender könnten die Namen wohl kaum sein. 


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