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Die Klassenclowns
Kämpfen mit dem Älterwerden: Andreas (Milan Peschel), Thomas (Til Schweiger) und Nils (Samuel Finzi) (v.l.n.r.).

Die Klassenclowns

Foto: Warner Bros. Germany / dpa
Kämpfen mit dem Älterwerden: Andreas (Milan Peschel), Thomas (Til Schweiger) und Nils (Samuel Finzi) (v.l.n.r.).
Panorama 1 5 Min. 21.09.2018

Die Klassenclowns

Til Schweiger, Milan Peschel und Samuel Finzi sind die Stars der Komödie "Klassentreffen 1.0 - Die unglaubliche Reise der Silberrücken", die derzeit in den Kinos zu sehen ist. Das "Luxemburger Wort" traf die drei Schauspieler zum Gespräch.

Interview: André Wesche

Til Schweigers neue Komödie "Klassentreffen 1.0 – Die unglaubliche Reise der Silberrücken" handelt von den Erlebnissen der Schulfreunde Thomas, Andreas und Nils, die sich mit 50 ins Abenteuer Klassentreffen stürzen. Sie werden vom illustren Trio Til Schweiger (54, TS), Milan Peschel (50, MP) und Samuel Finzi (52, SF) verkörpert. Ein Gespräch über Freundschaften, Monogamie und Stalker.

Meine Herren, haben Sie – so wie die Filmfiguren – selbst auch Probleme mit diesem Alter?

MP: Nee, die Zipperlein kommen und gehen. Das finde ich gar nicht so schlimm.

SF: Ich auch nicht. Wenn ich uns ansehe, dann geht es vom Körperlichen doch eigentlich noch. Das hängt wahrscheinlich auch damit zusammen, dass wir ununterbrochen arbeiten.

MP: Wir spielen. Wir müssen nicht arbeiten. Es ist eine schöne Art und Weise, alt zu werden: Mit Sachen, die einem Spaß machen.

TS: Das geht mir ganz ähnlich. Ich empfinde meine Arbeit nicht als Arbeit. Sie macht mir Spaß. Ich habe auch schon Filme gemacht, die ich wirklich nur für Geld gedreht habe. Das wusste ich im Voraus, weil man aus einem gurkigen Drehbuch keinen guten Film machen kann. Aber ich habe die Kohle mitgenommen, weil ich darauf angewiesen war. Wenn ich einen eigenen Film mache, dann habe ich so viel Freude daran, dass ich mir überhaupt keine Gedanken übers Altwerden machen kann.

Gehen Sie selbst zu Klassentreffen?

MP: Ich war zweimal in den letzten 15 Jahren. Ich glaube, mehr gab es auch nicht.

TS: Ich war auch mal bei einem Treffen, vor sechs oder sieben Jahren. Ich hatte damals zu der Klasse eigentlich keinen intensiven Kontakt. Ich hatte zwei beste Freundinnen und einen besten Freund, mit denen ich meine Freizeit und die Pausen in der Raucherecke verbracht habe. Ich habe alle noch erkannt, aber die Namen wusste ich teilweise nicht mehr.


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Schafft es Probleme, der Prominente aus der Klasse zu sein?

TS: Überhaupt nicht. Ich habe mich selbst nie als Promi gesehen. Es fällt mir nur auf, wenn mich fremde Leute auf der Straße ansprechen oder ein Foto machen wollen. Oder wenn ich Pressearbeit mache, um einen neuen Film zu bewerben. Wenn ich nach Hause komme, schließt kein Promi die Tür ab, sondern ich. Auch wenn es sich langsam umzukehren beginnt, war ich immer noch die längste Zeit meines Lebens nicht berühmt. Es hat so mit 30 oder 31 angefangen. Also bin ich immer noch länger der normale Til als der, der in den Medien gezeichnet wird.

Ist es schwieriger, im Erwachsenenalter wichtige Freundschaften zu schließen?

MP: Man weiß ja immer erst in schwierigen Situationen, was eine richtige Freundschaft ist. Das ist ständig in Bewegung. Ich habe Freunde, die ich schon sehr lange habe, 20 oder 30 Jahre. Die sind aber eher nicht aus der Schulzeit. Sie haben aber auch nichts mit dem Beruf zu tun. Die Freunde, die ich hatte, als wir damals an der Schauspielschule in den Beruf gestartet sind, haben teilweise ganz andere Wege beschritten. Und dann entstehen neue Freundschaften, so wie mit den beiden hier.

TS: Meine besten Freunde von früher sind immer noch meine besten Freunde, aber es sind auch beste Freunde hinzugekommen. Es gab auch große Enttäuschungen. Ich habe von Leuten gedacht, sie seien meine Freunde, und wurde von ihnen richtig hintergangen. Dann leidet man kurz und schmeißt sie aus seinem Leben raus. Und dann ist man wieder offen für neue Freundschaften. Ich finde es generell wichtig im Leben, für alles offen zu sein und sich für alles zu interessieren, Dinge zu hinterfragen und neugierig zu bleiben.

Hat es sich schon zu Schulzeiten abgezeichnet, dass Sie im Mittelpunkt stehen?

MP: Ja, so ein bisschen vielleicht. Ich bin ja sehr harmoniesüchtig. Deshalb ist es immer sehr günstig, wenn die Leute um einen herum keine schlechte Laune haben, sondern gute. Deshalb möchte man möglichst gute Laune verbreiten. Im Mittelpunkt zu stehen, war aber nie mein Ziel.

SF: Meines auch nicht. Aber ich habe es genossen, die Mädchen zum Lachen zu bringen. Sie haben sehr oft gelacht. Und ich habe mir eingebildet, weil meine Witze vielleicht gut waren.

MP: Lemmy Kilmister, der inzwischen verstorbene Frontmann von Motörhead, hat angefangen, Musik zu machen, weil ihm aufgefallen ist, dass die Mädchen auf Gitarre spielende Typen stehen.

TS: Ich war immer sehr schüchtern. Als ich in der achten Klasse war, habe ich aber an Selbstbewusstsein gewonnen, weil ich gemerkt habe, dass die Mädels meine Jokes mögen. Ich habe zu Hause gesessen und gedacht: "Ich bin ja vielleicht witzig." Und dann habe ich das ausgebaut.

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Um ein Thema des Films aufzugreifen: Wie wichtig ist Ihnen Monogamie in einer Beziehung?

TS: Aus der Evolution heraus betrachtet, ist der Mensch nicht monogam. Monogamie ist eine Erfindung der Kirche. Wer es hinkriegt, eine offene Ehe zu führen, ist wahrscheinlich eher glücklich als jemand, der sich zwingen muss, monogam zu leben. Manche Leute sind ja auch gezwungenermaßen monogam, weil sie immer nur eine fiese Fresse ziehen und über alles herummeckern. Mit so jemandem möchte man doch nicht in die Kiste springen! Früher hieß es, dass nur die Männer fremdgehen. Heute weiß man, dass es eher noch die Frauen tun. Das muss jeder für sich selbst entscheiden.

MP: Man kann auch nicht sagen, ein Paar ist grundsätzlich glücklich, wenn das und das gegeben ist. Es hängt immer von zwei völlig unterschiedlichen Individuen ab. Und jede Beziehung ist einzigartig.

Hatten Sie jemals Stalker, so wie die Figur Thomas in ihrem gemeinsamen Film "Klassentreffen 1.0"?

TS: Ich hatte mal eine Form davon, aber nicht so hardcore, dass sie irgendwie bei mir im Zimmer standen. Es lief eher über Facebook, das war aber nicht so dramatisch wie bei den großen Hollywoodstars.

SF: Ich habe das mal erlebt, am Theater. Sie stand plötzlich vor der Garderobe, mit Blumen und Brief, obwohl sie schon Hausverbot bekommen hatte.

MP: Eine Kollegin am Theater hatte mal Stalker, das war schlimm. Es war eine Familie mit ein oder zwei Kindern. Die saßen in jeder Vorstellung in der ersten Reihe. Echt furchteinflößend.


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