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Die große Berg- und Talfahrt

Die große Berg- und Talfahrt

Die große Berg- und Talfahrt

Die große Berg- und Talfahrt


von Henri LEYDER/ 17.08.2019

Temmels, die erste Ortschaft auf der Strecke.

Auf der dritten „Stippvisite in der Großregion“ geht es von Grevenmacher bis Piesport, eine ungeahnt schöne, 92 Kilometer lange Berg- und Talfahrt über den nordwestlichen Hunsrück.

Die von den Luxemburgern wohl am wenigsten bekannte und bereiste Region im nahen Grenzgebiet ist der Hunsrück. Auf der dritten „Stippvisite in der Großregion“ geht es von Grevenmacher bis Piesport, eine ungeahnt schöne, 92 Kilometer lange Berg- und Talfahrt über den nordwestlichen Hunsrück…

Text: Henri Leyder / Fotos: Henri Leyder/Shutterstock

Der Reiz der Strecke ist ihr Landschaftsbild. Schmale Bergrücken und tief eingeschnittene Täler lösen sich immer wieder nach wenigen Kilometern ab. Genauso schnell folgen sich Aussichtspunkte, bewaldete Berghänge und tiefgrüne Bach- und Flusstäler. Nicht zu vergessen die Weinberge an Mosel, Saar und Ruwer!

Aus dem Luxemburger Moselstädtchen machen wir uns über die neue Stringbow-Brücke in Richtung Trier auf. In Temmels, der ersten Ortschaft, die wir erreichen, verlassen wir den Verteilerkreis sofort wieder, fahren die Saarburger Straße steil hinauf bis zum ersten großartigen Ausblick (direkt hinter einer Haarnadelkurve) über Temmels hinweg zurück nach Grevenmacher, hinunter auf den Merterter Hafen und hinauf nach Munschecker.

In der Moselelbling-Region

Ein paar Kilometer Viezstraße und Elblingroute weiter öffnet sich eine Talmulde, in deren Grün Tawern badet. Nichts wie hin, diesmal aber nicht, um dem außerhalb der Ortschaft liegenden römischen Tempelbezirk einen Besuch abzustatten. Erinnerungen an sie haben die Römer im Umkreis von Augusta Trevorum oder Treveris (Trier) in einem weiten Umfeld Hunderte hinterlassen...

Der Hunsrück ist stets einen Abstecher wert.

In Tawern verlassen wir die Moselelbling-Region Richtung Konz, etwas später Konz-Könen. In Konz angelangt, folgen wir den Wegweisern „Stadtmitte“ bis an eine Ampel, bei der wir nach rechts in Richtung Wiltingen abbiegen. Noch einmal Richtung Wiltingen, etwas weiter dann nach links Richtung K.-Oberemmel und K.-Kommlingen. Die Straße verläuft durch ein relativ breites Tal. Linksseitig reifte Mitte August, als wir auf Erkundungsfahrt waren, der Saarwein. In Oberemmel wurde er an dem Sonntag ausgiebig gefeiert.

An den Pellinger Schanzen

Etwa zwei Kilometer hinter Konz biegen wir nach rechts ab, um das Höhendorf Kommlingen mit seiner prächtigen Aussicht zu erreichen. „Bei Hiwels“ lassen wir rechts liegen, tauchen nach rund zwei Kilometern 16 Prozent steil nach  Oberemmel hinab. Auch dieser Ort gehört zur Gemeinde Konz, deshalb an einer Kreuzung der Wegweiser „Stadtmitte“ (Konzerstraße), den wir befolgen. Nach dem letzten Krettnacher Haus erneut Richtungswechsel, wieder steil den Hang hoch, diesmal in Richtung „Pellingen 3 km“.

Auf dem Berggrat erreichen wir die Bundesstraße B268 Trier-Saarbrücken, folgen auch ihr aufwärts bis just vor Pellingen. Rechts führt der Weg „Am Höthkopf“ zu einer kaum 200 Meter entfernt liegenden historischen Stätte, die Sie allerdings nur zu Fuß erreichen dürfen. Sie ist mit dem gut sichtbaren  Friedensmahnmal PAX gekennzeichnet. Die über die ganze Gegend hinaus ragende, als „Pellinger Schanzen“ bekannt Erhebung war schon zur Römerzeit, später zur Zeit der Französischen Revolution von militärischer Bedeutung – wie am Ort selbst ausgiebig erläutert wird. Zwei Orientierungstafeln geben Aufschluss über die Ortschaften, die in der weiten Runde zu erkennen sind.

Knappe 50 Meter fahren wir die B268 zurück, biegen dann nach rechts ab, um im tief zerklüfteten Tal in Franzenheim anzulangen. Der Ort weiß nicht nur mit seiner Lage zu gefallen, sondern auch mit dem zur Schau gestellten  Einfallsreichtum. Dies geschah 2015 mit umstrickten Bäumen, danach mit bepflanzten Gummistiefeln und Tafeln, die Kinder bemalt hatten, dieses Jahr mit 47 in der Ortschaft aufgestellten ausgeschmückten oder bemalten Stühlen.

An der römischen Wasserleitung

Nächste Ortschaft: Pluwig. Auf der Gabelung heißt es, nach nach links (Richtung Trier) abzubiegen, auf der nächsten nach rechts, weiter an Gusterath vorbei und nach Gusterath-Tal hinab in das Ruwer-Tal. Dort fahren wir in Richtung Gutweiler und Waldrach weiter, um nach etwa einen Kilometer rechts ab den viel befahrenen Ruwerbahn-Radweg zu queren und über Sommerau einen kurzen malerischen Umweg einzulegen. Über der verträumten Ortschaft erhebt sich die Ruine einer Burg aus dem 13. Jahrhundert.

Steil bergan geht es dann nach Gutweiler hinauf. Wieder auf der Hauptstraße angelangt, biegen wir nach rechts ab, 400 Meter nach dem Ortsausgang ein zweites Mal rechts, Richtung Waldrach. Am Ortseingang ist ein nachgebautes Fragment einer römischen Wasserleitung (inklusive detaillierter Beschreibung) zu sehen. „Hermeskeil“ gilt es danach zu folgen. Bald zeigt ein Wegweiser „Riveris“ an. Die in einem Wald liegende Ortschaft ist einen Abstecher wert, die etwas weiter liegende Riveris-Talsperre ebenfalls. Sie ist allerdings ab einem Parkplatz am Straßenende nur (schnell) zu Fuß zu erreichen. Der in den 1950er-Jahren anlegte Wasserspeicher versorgt Trier mit dem kostbaren Nass.

Zurück nach Waldrach, wo wir scharf nach rechts abbiegen. Eine relativ breite Straße führt uns auf eine Anhöhe, wo wir nach Thomm übersetzen. Der kleine Höhenort bietet einen weiten Panoramablick über die Mosel hinweg bis hinüber auf die Eifel. Die Route führt nach Lorscheid (nicht Morscheid!), dann nach Bescheid (mit seiner modernen Kopfstein-Bepflasterung), von dort weiter hinunter bis nach Büdlicherbrück, wo es gilt, Richtung Trittenheim die Hunsrückhöhenstraße zu kreuzen.

Am Goldtröpfchen

Die Kleine Dhron entlang erreichen wir nach nicht gerade sechs Kilometern eine Gabelung, auf der wir nicht abbiegen, vorerst nicht! Nach etwa hundert Metern fasziniert am Zummethof ein großartiges Panoroma weit über die Mosel sowie die Winzerdörfer Leiwen und Trittenheim hinaus.


Ein gut erhaltener Hochofen als eindrucksvoller Zeuge der Eisenerzverhüttung in der Mitte des 19. Jahrhunderts; wie das Schloss von Cons steht auch er unter Denkmalschutz.
Stippvisite in der Großregion
Falls Sie am Wochenende noch nichts vorhaben. Hier einige touristischen Höhepunkte quasi direkt vor der Haustür.

Nach einer kleinen Pause wenden wir, um an der kurz zuvor verlassenen Gabelung nach Papiermühle abzubiegen, eine schön bewaldete Strecke begleitet uns hinunter. Ein weiterer im Waldgrün badender Flecken, der zum Verweilen einlädt, aber unser Endziel lautet Piesport. Zuvor geht es noch einmal „hoch hinauf“. In Papiermühle steuern wir Berglicht an,  nach etwa zwei Kilometern dann  aber Horath, wo wir kurz nach dem Ortsausgang auf der nach rechts abzweigenden kleinen Straße sofort einen Halt einlegen. Welch eine Aussicht süd-, südostwärts bis hinüber zum 816 Meter hohen Erbeskopf, der höchsten Erhebung im Hunsrück! Sie ist an ihren drei (Ski-)Schneisen zu erkennen.

Zurück auf die Ausgangsstraße. Weiter bergauf, zur 574 Meter über N.N. liegenden Höhe, dem höchsten Punkt unserer Route. Dort biegen nach rechts ab und folgen der breiten Hauptstraße, immer geradeaus und lange bergab, um in (Niederemmel)-Piesport die Brücke über die Mosel zu erreichen. Kurz vor dem Ortseingang, welch wunderschöner Anblick: die gegenüber liegende Weinbergwand im Nadelstreifendessin mit dem Schriftzug Piesporter Goldtröpfchen verziert! In diesem Städtchen angelangt, folgen wir der Richtung Piesport nicht – es sei denn, es gelte, (endlich) eine, oder eine weitere Pause einzulegen.  Möglichkeiten dazu gibt es reichlich, beidseitig der Mosel!

Zur (schnellsten und direktesten) Heimfahrt empfiehlt sich die Straße, die über die Moselbrücke nach Klausen und auf die Autobahn führt. Zuerst gilt es, mehrere Spitzkehren zu bewältigen. Am Waldesrand angekommen, zeigt ein Wegweiser rechtsseitig „Panoramastraße“ an. Diese bietet, rund zwei  Kilometer von der Gabelung entfernt, sozusagen zum krönenden Abschluss unserer Tour, einen unvergesslichen Ausblick hinab auf die Mosel und Piesport - und weit darüber hinaus. Nicht zu früh wenden!

Zurück auf die Hauptstraße. Über Klausen (mit seiner bekannten Wallfahrtskirche) ist die Autobahn A1 Richtung Trier schnell erreicht. „Trier“ gilt es nun zu befolgen, bis Luxemburg angezeigt wird. Bis zur Landesgrenze oberhalb Wasserbillig sind es insgesamt 45 Autobahnkilometer.

Dieser Text ist ursprünglich in AutoMoto erschienen.