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Die dunkle Rose von Saint-Germain: Juliette Gréco feiert 90. Geburtstag
Panorama 3 Min. 07.02.2017 Aus unserem online-Archiv

Die dunkle Rose von Saint-Germain: Juliette Gréco feiert 90. Geburtstag

Eine Aufnahme der Sängerin im Hotel Royal, 2007.

Die dunkle Rose von Saint-Germain: Juliette Gréco feiert 90. Geburtstag

Eine Aufnahme der Sängerin im Hotel Royal, 2007.
Foto: Anouk Antony / LW-Archiv
Panorama 3 Min. 07.02.2017 Aus unserem online-Archiv

Die dunkle Rose von Saint-Germain: Juliette Gréco feiert 90. Geburtstag

Nicole WERKMEISTER
Nicole WERKMEISTER
Dass sie Sängerin und einmal eine berühmte Chan­son­ni­è­re werden sollte, verdankt Juliette Gréco einer spontanen Eingebung von Jean-Paul Sartre. Ihre Stimme gefiel dem Romancier außergewöhnlich gut.

von Rainer Holbe

Juliette Gréco galt als die „Königin der Existentialisten“, der Mythos von Saint-Germain. Berühmte Philosophen wie Camus und Sartre schrieben Chansons für sie, Stars zählten zu ihren Freunden. Heute feiert sie in ihrem Haus an der Côte d’Azur ihren 90. Geburtstag.

Juliette kommt aus dem Süden Frankreichs. 1927 in Montpellier geboren, lebt das Mädchen gemeinsam mit Mutter und Schwester zunächst in Bordeaux, bis sie als Zehnjährige nach Paris reist. Der Vater hat die Familie früh verlassen. Von ihrer Mutter spricht Juliette dagegen voller Hochachtung. „Sie lebte mit einer Frau zusammen und machte, was sie wollte“, erinnert sich Juliette. „Ich bin stolz auf sie. Sie ist eine Heldin. Eine Frau, die ein Männerleben geführt hat.“

Als das Verhältnis zwischen den Kindern und der Mutter enger zu werden verspricht, kommen der Krieg und die Besatzung. Die Mutter engagiert sich im Widerstand und wird zusammen mit ihren Töchtern in das Konzentrationslager Ravensbrück deportiert. Die gerade 16-jährige Juliette wird nach drei Wochen entlassen. Mutter und Schwester überleben den Krieg, doch Juliettes Verhältnis zu Deutschland bleibt vorerst distanziert. Erst vierzehn Jahre nach dem Krieg tritt sie zum ersten Mal in der Bundesrepublik auf.

Galionsfigur im „Le Tabou“

In Cabarets und Jazz-Kellern zwischen Montparnasse, Saint-Germain-des-Prés und dem Quartier Latin wächst Juliette auf. Vom Wunderkind wird sie schnell zur Grande Dame des Chansons, befreundet sich mit Malern, Philosophen, Schauspielern. Im Cabaret „Le Tabou“ wird die Schwarzhaarige im schwarzen Kleid mit den dunklen Mandelaugen und der samtig rauen Stimme bald zur Galionsfigur. „Die Gréco“ unterhält das Publikum mit schwermütigen Chansons wie „Si tu t'imagines“ oder „L'Eternel feminin“. Sie singt Lieder von Jacques Prévert, Raymond Queneau und Boris Vian. Jean Cocteau bietet ihr eine Rolle im Film „Orphée“ an.

Nach ihrer ersten Platte „Je suis comme je suis“ verlässt die Gréco hin und wieder die dunklen Kellerlokale. Konzertreisen führen sie auf alle Kontinente, Filme wie „Orphée“ und „Bonjour Tristesse“ machen sie auch als Schauspielerin bekannt.

Der Erfolg verwöhnt die schöne Frau und sie zahlt den Preis dafür: Ihre erste Ehe mit dem Schauspieler Philippe Lemaire, von dem sie ihre Tochter Laurence-Marie hat, scheitert. Elf Jahre ist sie mit Michel Piccoli verheiratet, dann verliert sie ihr Herz an den Pianisten Gerard Jouannest, der sie seitdem auf ihren Konzertreisen musikalisch begleitet.

Poetische Erinnerungen

In ihrer Autobiografie „Ich bin, die ich bin“ denkt sie mit Freude an ihre Zeit als „Schwarze Rose von Saint-Germain-des-Prés“. Ihre Erinnerungen sind so poetisch wie die Lieder, die sie gesungen hat, so erfüllt, aber auch so herb, wie dieses Leben bis heute verlaufen ist. An ihrem 90. Geburtstag blickt Juliette Gréco auf Höhepunkte und Niederlagen, Erfüllungen und Enttäuschungen, Glanzpunkte und Katastrophen, die aufs engste miteinander verwoben sind. Sie ist eine Frau, die sich wandelt und von der man weiß, dass sie alles überwindet, vor allem sich selbst. Es waren vor allem junge Menschen, die ihre Konzerte besuchten, weil sie spürten: Hier steht eine Frau, die ehrlich mit sich selbst ist. Und sie formuliert es mit einer Klarheit, wie sie nur die französische Sprache kennt. Sind das alles inzwischen verklungene Melodien?

Ein im Januar geplantes Konzert in der Zürcher Oper hat Juliette Gréco aus gesundheitlichen Gründen abgesagt. Zuletzt in Luxemburg war sie im Januar 2014. Damals sang sie im Theater in Esch/Alzette viele ihrer größten Hits, darunter „C'était bien“, „Déshabillez-moi“ und „Un petit poisson, un petit oiseau“.



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