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Die deutsche Königin
Panorama 3 Min. 23.12.2018 Aus unserem online-Archiv

Die deutsche Königin

Schön war die Zeit: König Carl XVI. Gustaf von Schweden verlässt mit seiner Braut Silvia nach der Trauung die Stockholmer Storkyrken. (19. Juni 1976)

Die deutsche Königin

Schön war die Zeit: König Carl XVI. Gustaf von Schweden verlässt mit seiner Braut Silvia nach der Trauung die Stockholmer Storkyrken. (19. Juni 1976)
Foto: dpa
Panorama 3 Min. 23.12.2018 Aus unserem online-Archiv

Die deutsche Königin

Als Silvia Sommerlath den schwedischen König heiratete, schlugen auch in Deutschland viele Herzen höher. Aus der einstigen Olympia-Hostess ist eine geschätzte Königin geworden, die sich für den Schutz der Kinder einsetzt.

(dpa) - Als Kind war Silvia Sommerlath nicht so glücklich über ihren Geburtstag am 23. Dezember. Einen Tag vor Heiligabend waren alle viel zu beschäftigt, als dass sie dem kleinen Mädchen ein gediegenes Fest hätten bereiten können. Nun wird die schwedische Königin mit deutschen Wurzeln 75 Jahre alt. Doch statt selbst im Rampenlicht zu stehen, lenkt sie die Aufmerksamkeit lieber auf die, die ihr am Herzen liegen: auf Kinder, die obdachlos sind, die missbraucht werden, die Suizidgedanken haben.

Anstelle eines großen Festes zu ihren Ehren gab es im Oscarstheater ein Seminar, bei dem es um die Stiftungen ging, für die sich die Königin einsetzt. Eine davon ist die World Childhood Foundation, die Silvia 1999 selbst ins Leben gerufen hat, um zu erreichen, dass Kinder weltweit besser vor sexuellem Missbrauch geschützt werden. „Die Schweden respektieren das Engagement der Königin für Kinder sehr“, erzählt der Adelsexperte und Buchautor Roger Lundgren, der viele Male mit der Königin gesprochen hat. „Sie hat Grenzen eingerissen, sie spricht über das Unaussprechliche. Sie tut etwas, das Adelige normalerweise nicht tun.“ Zahlreiche Länder hätten wegen ihr die Gesetze zum Schutz der Kinder geändert.

Die spätere Königin Silvia von Schweden (3.v.r.) zeigt gemeinsam mit anderen Hostessen dem bayerischen Ministerpräsidenten Alfons Goppel (l) und dem deutschen NOK-Präsident Willi Daume (r) in München die bayerischen Trachten in denen die Mädchen bei den Olympischen Spielen 1972 in München die Medaillen überreichen werden.
Die spätere Königin Silvia von Schweden (3.v.r.) zeigt gemeinsam mit anderen Hostessen dem bayerischen Ministerpräsidenten Alfons Goppel (l) und dem deutschen NOK-Präsident Willi Daume (r) in München die bayerischen Trachten in denen die Mädchen bei den Olympischen Spielen 1972 in München die Medaillen überreichen werden.
Foto: dpa

Die Frau des Partyprinzen

Silvia Sommerlath aus Heidelberg hat nicht nur dem damaligen Kronprinzen Carl Gustaf den Kopf verdreht, ganz Schweden verehrt sie wie keine andere. „Sie hat die Monarchie gerettet“, ist Lundgren überzeugt. Als der schwedische König Gustav VI. Adolf 1973 starb und der 27-jährige Carl XVI. Gustaf König wurde, da hätten nicht viele Schweden an die Zukunft der Monarchie geglaubt.

Der sogenannte Partyprinz galt als der Rolle nicht gewachsen. Noch war nicht bekannt, dass er ein Jahr zuvor bei den Olympischen Spielen in München eine junge Frau kennengelernt hatte, die ihm nicht mehr aus dem Kopf ging. Silvia arbeitete dort als Hostess und war dank ihrer Sprachkenntnisse für die VIPs zuständig. „Carl Gustaf beobachtete sie mit dem Fernglas und lud sie schließlich zum Essen ein“, weiß der Adelsexperte zu berichten. Der Rest ist Geschichte.

1979: Der schwedische König Carl Gustaf und seine in Deutschland geborene Frau Silvia während eines Besuchs in Silvias Geburtsstadt Heidelberg.
1979: Der schwedische König Carl Gustaf und seine in Deutschland geborene Frau Silvia während eines Besuchs in Silvias Geburtsstadt Heidelberg.
Foto: dpa

Die erste Zeit am Hof war für die junge Deutsche, die zehn Jahre ihres Lebens in Brasilien gelebt hatte, nicht leicht. „Ich kam aus einem völlig anderen Umfeld, und es gab Dinge, die ich lernen musste, insbesondere die Sprache“, erzählt sie in einem Interview mit dem „Kungliga Magasinet“. Außerdem gab es keine Frau am Hofe, die ihr beibringen konnte, wie sie sich zu benehmen hatte, denn ihre Schwiegermutter war bereits gestorben. Hilfe bekam sie schließlich von ihrer Schwägerin Ingrid, die den dänischen König Frederik IX. geheiratet hatte. Doch auch ihre eigenen Erfahrungen aus München halfen ihr. „Durch ihre Arbeit mit VIPs wusste sie mit hochgestellten Persönlichkeiten umzugehen“, erzählt Lundgren.

Beliebte Monarchin

Silvias Offenheit ist es zu verdanken, dass das ganze Königshaus beim schwedischen Volk wieder beliebter wurde. Dabei hätten ihr auch ihre Wurzeln geholfen, erzählt die Königin selbst in einem offiziellen Interview. „Es heißt, ich habe ein brasilianisches Herz, einen deutschen Kopf und eine schwedische Seele.“ Ihre Spontaneität habe ihr als Königin oft geholfen. „Wo ich so viele Menschen treffe, denke ich, ist es sehr wichtig, spontan und nicht zu schüchtern zu sein. Meine portugiesische und meine brasilianische Seite haben mir sehr geholfen, Türen zu öffnen und Kontakte zu Leuten zu knüpfen, die ich getroffen habe.“

König Carl Gustaf von Schweden und seine Frau Silvia halten zusammen - trotz zahlreicher Skandale.
König Carl Gustaf von Schweden und seine Frau Silvia halten zusammen - trotz zahlreicher Skandale.
Foto: dpa

Lundgren kann das bestätigen: „Sie hat die einzigartige Gabe, die Menschen, mit denen sie spricht, wirklich zu sehen. Wenn sie den Raum betritt, dann fühlt man förmlich ihre Präsenz.“ Ihre Tochter, Kronprinzessin Victoria, habe dieselbe Fähigkeit. Ein weiterer Grund, warum die Monarchie bei den Schweden wieder hoch im Kurs steht. Zum 75. Geburtstag der Königin gibt es Sondersendungen im Fernsehen und die Zeitungen bringen Extraseiten.

Für Silvia aber ist es am wichtigsten, an ihrem Geburtstag und über die Weihnachtstage mit der Familie zusammen zu sein. „Sie ist ihren sieben Enkelkindern eine hingebungsvolle Großmutter“, meint Lundgren. Deshalb freue sie sich besonders, dass auch ihre jüngste Tochter Madeleine mit den drei Kindern aus den USA anreist. Die wird ihr zwar nicht auf Thron folgen, aber teilt das Engagement ihrer Mutter für Kinder. In den USA arbeitet Madeleine für die Stiftung der Königin.


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