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„Mit wenig Platz komme ich schlecht klar“
Panorama 5 Min. 02.09.2021
Devid Striesow im Interview

„Mit wenig Platz komme ich schlecht klar“

Sorgt mit seinem Einzug für Unruhe: Niklas Wagner (Max Schimmelpfennig, l.) stößt auf wenig Verständnis für seine derzeitige Situation bei Vater Michael (Devid Striesow).
Devid Striesow im Interview

„Mit wenig Platz komme ich schlecht klar“

Sorgt mit seinem Einzug für Unruhe: Niklas Wagner (Max Schimmelpfennig, l.) stößt auf wenig Verständnis für seine derzeitige Situation bei Vater Michael (Devid Striesow).
Foto: ZDF/Jürgen Olczyk
Panorama 5 Min. 02.09.2021
Devid Striesow im Interview

„Mit wenig Platz komme ich schlecht klar“

Schauspieler Devid Striesow im Gespräch über die Komödie „Für immer Eltern“, seine frühe Flucht aus der elterlichen Wohnung und seine Geige.

Interview: Cornelia Wystrichowski  

Den Job als „Tatort“-Kommissar hat er vor zwei Jahren an den Nagel gehängt – über einen Mangel an Rollenangeboten kann sich Schauspieler Devid Striesow seitdem nicht beklagen. Im Fernsehfilm „Für immer Eltern“ – zu sehen am 2. September um 20.15 Uhr im ZDF – zeigt sich der 47-Jährige, der auf der Insel Rügen geboren wurde und seine Ausbildung an der renommierten Ernst-Busch-Schauspielschule absolvierte, von seiner komischen Seite: In der Familienkomödie zieht ein erwachsener Sohn wieder daheim ein und bringt das Leben seiner Eltern, gespielt von Devid Striesow und Anja Schneider, damit gehörig durcheinander.

Devid Striesow, im Film „Für immer Eltern“ zieht der erwachsene Sohn wieder bei seinen Eltern ein, als er aus seiner Wohngemeinschaft fliegt. Wann sind Sie selbst von zu Hause ausgezogen?

Es war mir eine Herzensangelegenheit, schnell selbstständig zu werden, ich bin deshalb schon mit knapp 18 auszogen. Das war natürlich auch eine andere gesellschaftliche Situation als heute. Wir leben jetzt in einer Zeit, in der Wohnraum knapp und zunehmend unerschwinglich ist. Damals sind die Leute nach der Wende massenhaft in den Westen gegangen, es gab deshalb einen extremen Leerstand im Osten – man konnte in eine leere Wohnung einziehen und hatte kein Problem, dafür einen Mietvertrag bei der Wohnbaugesellschaft zu bekommen. Deshalb hatte ich mit meiner damaligen Freundin ganz schnell über Nacht eine Wohnung in Rostock.


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Das klingt ja traumhaft, aus heutiger Sicht …

Es war eine sehr schöne Situation und auch eine sehr schöne Wohnung. Natürlich war sie ganz schlicht mit Ofenheizung, und das Klo war immer noch halbe Treppe. (lacht) (in alten Gebäuden die Toilette, die sich nicht in der Wohnung, sondern im Treppenhaus befindet, Anm. d. Red.) Aber sie hatte viel Platz, und es war toll, mit 18 plötzlich über Küche, Esszimmer und Schlafzimmer zu verfügen.

Brauchen Sie viel Platz und Freiraum für sich, müssen Sie eine Tür hinter sich schließen können?

Ja, absolut. Das Problem ist, dass ich es nicht kann, wenn ich in meiner Stadtwohnung in Berlin bin. Ich habe ja dieses Buch geschrieben, „Klassik drastisch“, und saß bei der Arbeit teilweise mit Kopfhörern, die Außengeräusche filtern, am Schreibtisch, weil die Wohnung kein Arbeitszimmer hat. Das ist eigentlich unerträglich.

Aber haben Sie nicht auch ein Haus in Brandenburg, in der Uckermark?

Ja, und in der Ferienzeit bin ich mit meiner Familie natürlich dort – ich liebe es auf dem Land, am liebsten bin ich sowieso draußen. Mit weniger Platz komme ich schlecht klar, weil ich in einer sehr kleinen Wohnung aufgewachsen bin und eng mit meinen Eltern zusammen hockte, das waren etwa 48 Quadratmeter für teilweise fünf Leute. Das war nicht so prickelnd, und darum bin ich sehr auf Raum bedacht.

Sie selbst wollten schon früh auf eigenen Beinen stehen. Wie viel Freiheit lassen Sie Ihren eigenen Kindern?

Die Kinder müssen die Freiheit haben, ihre eigenen Erfahrungen machen zu dürfen – das geht natürlich auf dem Land auch am besten, wo man nicht so eng aufeinander sitzt und die Emotionen nicht gleich so hochgehen. Eltern müssen außerdem die Bereitschaft signalisieren, sich über alle Themen auseinandersetzen zu wollen, alle Fragen der Kinder beantworten zu wollen. Und wenn man keine Antworten weiß, muss man die weiße Fahne hissen und das auch ganz klar zugeben. Es ist wichtig, dass man die eigenen Schwächen eingesteht und nicht so tut, als wüsste man alles und könnte man alles.

Haben Sie eine Maxime, welche Werte und Fähigkeiten Sie Ihren Kindern vermitteln möchten?

Nein, absolut nicht. Am Anfang des Erwachsenendaseins hatte ich eine Menge Maximen und habe gemerkt, dass es das alles nicht bringt, getreu Brechts Ballade von der Unzulänglichkeit: „Ja, mach nur einen Plan! Sei nur ein großes Licht! Und mach‘ dann noch ‘nen zweiten Plan, gehen tun sie beide nicht.“ (lacht)

Da spricht der Schauspieler aus Ihnen. Vor Ihrem Schauspielstudium hatten Sie aber erst mal Musik auf Lehramt studiert …

Genau, das war eine Kombination Gymnasiallehrer mit Schwerpunkt Musik. Aber der ausschlaggebende Punkt war dabei für mich, E-Gitarre zu studieren, das war mein Hauptfach.

Angefangen haben Sie aber mit dem Geigenspiel, oder?

Ja, aber ich habe nie so gut Geige gespielt, dass ich auch nur entfernt an ein Studium hätte denken können. Mit Geige habe ich als Sechsjähriger begonnen, weil das in der DDR eben so war, da hat man schon als kleines Kind angefangen sich musikalisch zu bilden, was ja auch Vorteile hat. Aber der ganze Apparat des Lernens im Osten war darauf ausgerichtet, möglichst schnell Erfolge vorzuzeigen, so wie im Sport, der Leistungsgedanke hat die Freude an der Sache zerstört. Wir hatten alle paar Wochen ein Vorspiel, und der Druck, vor den vielen Leuten zu bestehen, war für mich der Horror. Ich habe Blut und Wasser geschwitzt. Dass es dann mal zu einer Schauspielkarriere, zu einer Theatererfahrung kommen wird, war in der Zeit undenkbar.


ARCHIV - 11.07.2021, Frankreich, Cannes: Schauspielerin Catherine Deneuve beim Photocall für den Film "de son vivant" bei den 74. internationalen Filmfestspielen in Cannes. (zu dpa: «Catherine Deneuve versteigert ihre Schuhe für guten Zweck») Foto: Mickael Chavet/ZUMA Wire/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Catherine Deneuve versteigert ihre Schuhe
Deneuve hatte 2018 bereits ihre riesige Kleidersammlung von Modeschöpfer Yves Saint Laurent versteigern lassen.

Haben Sie noch eine Geige oder haben Sie die verkauft?

Oh doch, ich habe eine wunderbare Geige, die gibt man nicht einfach so weg! Aber die Konzerttournee mit Ann-Sophie Mutter habe ich abgesagt. (lacht) Nein, Spaß beiseite. Ich habe überlegt, wieder Unterricht zu nehmen, aber mir fehlt ein bisschen die Zeit. Ich habe eine nette Bratschen-Kollegin von der Elbphilharmonie gebeten, mir Unterricht zu geben, das hat auch ein paar Mal ganz gut funktioniert, aber dann kam die Pandemie und es ist ein bisschen eingeschlafen.

Im Film „Für immer Eltern“ machen sich Vater und Mutter Sorgen um die Zukunft ihres Sohnes. Ihre Vita wirkt von außen betrachtet auch nicht sehr geradlinig: eine geplatzte Ausbildung, ein nachgeholtes Abitur, ein abgebrochenes Musikstudium ...

Es waren ja teils äußere Umstände, die das beeinflusst haben. Die Lehre hat nicht geklappt, weil die Wende kam und der Betrieb pleiteging. Ich bin heilfroh, dass das so gekommen ist, ich wäre ein lausiger Goldschmied geworden. Nach der Wende hatte ich viel mehr Möglichkeiten. Ich konnte mein Abitur machen und Musik studieren, bevor ich dann nach Berlin bin und das Schauspielstudium begonnen habe. Das hat sich alles als sehr gut herausgestellt. Ich bin manchmal sogar über die Geradlinigkeit der Entwicklung verblüfft, weil ich nie gezielt an einer Karriere gearbeitet habe.

Betrachten Sie sich als Glückspilz?

Vom Begriff Glück halte ich nicht so viel. Glück hat immer was mit Zufall zu tun, und der Zufall kam da nicht um die Ecke, ich habe nur im richtigen Moment die richtigen Entscheidungen getroffen. 

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