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Deutschlands ältester Zoo wird 175
Panorama 3 Min. 01.08.2019

Deutschlands ältester Zoo wird 175

Zwischenzeitlich der bekannteste Bewohner: der verstorbene Eisbär Knut.

Deutschlands ältester Zoo wird 175

Zwischenzeitlich der bekannteste Bewohner: der verstorbene Eisbär Knut.
Foto: dpa
Panorama 3 Min. 01.08.2019

Deutschlands ältester Zoo wird 175

Der Berliner Zoo hat Geburtstag. Er gilt als neuntältester der Erde und in Bezug auf die Artenvielfalt gar als der größte. In seiner langen Geschichte ist es manchem Tier tragisch ergangen.

(KNA) - Wenn der Berliner Zoo selbst ein Tier wäre - welches wohl? Vielleicht ein Nacktmull. Der kleine Nager gilt nämlich als weitgehend unempfindlich für Schmerzen. Und diese Eigenschaft ist nicht abträglich bei dem, was der älteste Tiergarten Deutschlands so alles mitmachen musste. Seit seiner Eröffnung am 1. August 1844 - vor 175 Jahren - ist dort einiges passiert, was Naturfreunden durchaus nahegehen dürfte.

Seinen Ursprung hat der Zoo in einer Menagerie und einer Fasanerie der Preußen-Könige Friedrich Wilhelm III. und Wilhelm IV. Daraus machten Martin Hinrich Lichtenstein, Direktor des Zoologischen Museums, der Naturforscher Alexander von Humboldt und der Landschaftsarchitekt Peter Joseph Lenne den "Zoologischen Garten bei Berlin".

Schwieriger Start

Doch aller Anfang war schwer, wie Clemens Maier-Wolthausen in dem neuen Buch "Hauptstadt der Tiere - Die Geschichte des ältesten deutschen Zoos" schreibt. Demnach starb etwa der 1845 angekommene erste Löwe rasch an den "Strapazen der monatelangen Reise" aus Afrika. Auch aufgrund von Gedankenlosigkeit gingen Tiere ein: Im Magen eines Seehunds fand man einmal 61 Münzen und eine Anstecknadel.

Die Menschen hatten indes ihren Spaß: Die fremdländische Fauna stillte Fernweh, es gab viele Konzerte. Neben der Unterhaltung "konnte ein Zoobesuch sogar als sittlich-moralische (Weiter-)Bildung verstanden werden". Denn im 19. Jahrhundert wollte man durch vertieftes naturkundliches Wissen die göttliche Ordnung begreifen.

Ebenfalls ein Publikumsliebling: Panda-Dame Meng Meng zeigt sich in ihrem Gehege im Zoo.
Ebenfalls ein Publikumsliebling: Panda-Dame Meng Meng zeigt sich in ihrem Gehege im Zoo.
Foto: dpa

Von dieser Ordnung gab es damals einen eigenen Begriff: Manche Menschen galten als ebenso ausstellbar wie Tiere. So kam 1878 die erste "Völkerschaugruppe" in den Berliner Zoo: Inuit aus Grönland. Bis in die 1930er Jahre existierten solche Spektakel, die auch die Zeitläufte spiegelten: Als 1900 Samoaner dazu herhalten mussten, wurden sie als "unsere neuen Landsleute" beworben - das deutsche Kolonialreich hatte sich just erweitert.

Der bald darauffolgende Erste Weltkrieg beutelte den Zoo. 1913 hatte man noch ein großes Aquarium eröffnet, nun darbte das Land. Tiere starben an minderwertigem Futter, manche wurden geschlachtet, zeitweise schloss der Zoo. In den 1920er Jahren ging es wieder aufwärts, doch das nächste Desaster stand bevor.


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"Überaus zügig passten Direktoren, Aufsichtsrat und Belegschaft sich und den Zoo den neuen Verhältnissen an", schreibt Maier-Wolthausen zur NS-Zeit. Jüdische Aufsichtsratsmitglieder seien verdrängt worden und Zoo-Chef Lutz Heck persönlich habe dem späteren "Reichsmarschall" Hermann Göring junge Löwen als Haustiere zur Verfügung gestellt.

Im Zweiten Weltkrieg bedienten sich die Nazis des Zoos, um die Wehrmacht zu unterhalten: Waschbären, Affen oder Papageien sollten für Abwechslung im Soldatenalltag sorgen. Wer fürs Showbusiness ungeeignet war, landete im Kochtopf. Nachdem etwa eine Bombe ins Aquarium eingeschlagen war, gab's "schmackhafte Suppe aus den Krokodilen", so Maier-Wolthausen.

Nach Kriegsende bekam der Zoo Konkurrenz: Die DDR eröffnete 1955 in Ost-Berlin einen Tierpark. Heute sind beide Einrichtungen samt Aquarium unter der Dachmarke "Zoologische Gärten von Berlin" vereint und ziehen jährlich fünf Millionen Besucher an. Die bekommen allein im Zoo jede Menge zu sehen: Mit knapp 1.300 Arten (und rund 20.000 Individuen) ist das 33-Hektar-Areal nach eigenen Angaben Weltspitze.

Bei dieser Masse kann es erstaunen, dass einzelne Tiere zu Stars werden. So wie Eisbär Knut, der nach seiner Geburt 2006 global durch die Gazetten ging. Maier-Wolthausen notiert dazu: Wie kritisch man den Rummel auch beurteilen möge - die Aufmerksamkeit habe "bei vielen Leuten die schrumpfenden Eiskappen in den Polarzonen ins Bewusstsein gebracht". Ein weiterer Punkt von Zoo-Befürwortern: Tiergärten trügen zum Erhalt der Artenvielfalt bei. Kritiker weisen das zurück. Die "Tierrechtsorganisation" PETA meint etwa, Zoos seien Gefängnisse, natürliche Lebensräume würden durch sie nicht geschützt und Tiere verkümmerten in ihnen.



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