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Deutschlandfunk schafft Verkehrsmeldungen ab
Panorama 02.02.2020

Deutschlandfunk schafft Verkehrsmeldungen ab

Deutschlandfunk schafft Verkehrsmeldungen ab

Foto: Guy Jallay
Panorama 02.02.2020

Deutschlandfunk schafft Verkehrsmeldungen ab

Tom RUEDELL
Tom RUEDELL
Eine Hörerumfrage habe ergeben, dass der Nutzwert in Zeiten mobiler Navigationssysteme und Apps gering sei. Der Sender verabschiedet sich vom Format der Verkehrsdurchsage mit einem "best of" zum Nachhören.

Nicht nur im deutschen Radio ist sie eine Institution, im Land der Autobahnen aber ganz besonders: die Verkehrsdurchsage zur vollen oder halben Stunde. Seit 1971 warnten ernste Sprecher und Sprecherinnen die Autofahrer vor zähfließendem Verkehr, Gefahrensituationen oder Stau. Den Anfang hatte der Bayerische Rundfunk auf seinem Lokalsender Bayern 3 gemacht. Auf dem bundesweit sendenden Deutschlandfunk gab es dann Verkehrsstörungen und Staus aus der ganzen Republik zu hören - verlässlich im Kielwasser der stündlichen Nachrichtensendungen. 


Verkehrssituation Luxemburg Bahnhof - Gare - Verkéier, Stau, Chaos - Foto: Pierre Matgé/Luxemburger Wort
Stau-Statistik: Stadt Luxemburg unter Top 60 weltweit
Sechs Tage, 19 Stunden: So lange standen Autofahrer in Luxemburg-Stadt im Vorjahr insgesamt im Stau. Die Hauptstadt findet sich in einem Ranking eines Navi-Herstellers im vorderen Drittel.

Seit dem 1. Februar 2020 ist im Deutschlandfunk nun Schluss mit den gravitätischen Stimmen, die routiniert die Nummern von Autobahnen, Landstraßen und Grenzübergängen sowie die zum Teil recht skurril anmutenden Namen von Anschlussstellen, Autobahnkreuzen und Abfahrten ("A1 Bremen-Hamburg. Zwischen Stuckenborstel und Bockel einstreifige Verkehrsführung") abspulen. Der Deutschlandfunk hat beschlossen, keine Staumeldungen mehr zu senden.

Der Sender begründet diesen Eingriff in seine Programmplanung mit einer Hörerumfrage - denn die hätten mittlerweile andere Mittel und Wege, um sich zu informieren: "Das in den 1970er-Jahren innovative Serviceangebot der Verkehrsnachrichten war in den letzten Jahren verstärkt kritisiert und durch die flächendeckende Verfügbarkeit mobiler Navigationssysteme und Apps für die meisten Hörerinnen und Hörer überflüssig geworden", heißt es auf der Website des Deutschlandfunks. Und: "Durch die bundesweite Ausstrahlung von Deutschlandfunk konnten in den maximal 120 Sekunden immer nur ausgewählte Verkehrsbehinderungen genannt werden, was den Nutzwert deutlich beeinträchtigt hat."

Die so eingesparte Sendezeit soll für längere Nachrichtensendungen genutzt werden - man gewinne an durchschnittlichen Tagen etwa 30 Minuten, so der Sender. 

Vierzig Minuten Stau zum Nachhören

Etwas wehmütig scheint man im Kölner Funkhaus aber doch zu sein: Zum Abschied vom Verkehrsfunk gibt es auf der Deutschlandfunk-Website einen vierzig(!)minütigen Zusammenschnitt aus den schönsten Staumeldungen seit den 1970er-Jahren. Und Chefsprecher Gerd Daaßen gibt sich zudem die Ehre mit seiner persönlichen Auswahl der schönsten Ortsnamen. 

 


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