Wählen Sie Ihre Nachrichten​

"Der vergessene Dritte": Astronaut Michael Collins ist tot
Panorama 1 3 Min. 28.04.2021

"Der vergessene Dritte": Astronaut Michael Collins ist tot

Michael Collins bei einem Event im Jahr 2019.

"Der vergessene Dritte": Astronaut Michael Collins ist tot

Michael Collins bei einem Event im Jahr 2019.
AFP
Panorama 1 3 Min. 28.04.2021

"Der vergessene Dritte": Astronaut Michael Collins ist tot

Buzz Aldrin und Neil Armstrong landeten vor rund 50 Jahren als erste Menschen auf dem Mond - aber es gab noch einen Dritten: Michael Collins.

(dpa) - Michael Collins hatte den wohl undankbarsten Job der Raumfahrtgeschichte: Während weltweit rund eine halbe Milliarde Zuschauer vor ihren Fernsehern die Mondlandung bejubelten, war der Astronaut mittendrin - und doch ganz alleine. Collins drehte am 21. Juli 1969 (deutscher Zeit) in der Kommandokapsel „Columbia“ Warteschleifen um den Mond und schwirrte im Funkloch auf der Rückseite des Himmelskörpers herum, während seine Kollegen Neil Armstrong und Buzz Aldrin mit der Landefähre „Eagle“ auf der Oberfläche des Erdtrabanten landeten.


(FILES) In this file photo taken on July 21, 1969, a family in Paris watches as US astronaut Neil Armstrong commander of Apollo 11, sets his foot on the moon July 20, 1969 in Paris. (Photo by STR / AFP)
Wie Luxemburg die Mondlandung erlebte
Auch im Großherzogtum fieberte man vor 50 Jahren auf das Ereignis hin, das rund 500 bis 600 Millionen Menschen vor den Fernsehbildschirmen verfolgten. Einige Zeitzeugen erinnern sich.

Am Mittwoch ist der „vergessene dritte Astronaut“ im Alter von 90 Jahren gestorben, wie seine Familie und die US-Raumfahrtbehörde Nasa mitteilten. Collins habe an Krebs gelitten und „seine letzten Tage friedlich im Kreis seiner Familie verbracht“, hieß es in einer Mitteilung der Familie. „Wir werden ihn schrecklich vermissen. Aber wir wissen auch, wie glücklich er sich gefühlt hat, das Leben zu leben, das er gelebt hat. Wir werden seinem Wunsch nachkommen, dieses Leben zu feiern und nicht zu trauern.“

Die USA hätten einen „wahren Pionier und lebenslangen Erkundungs-Aktivisten“ verloren, sagte der kommissarische Nasa-Chef Steve Jurczyk. Wegen seiner Rolle bei der „Apollo 11“-Mission hätten ihn manche den „einsamsten Menschen in der Geschichte“ genannt.

Der vergessene Astronaut

Einsam sei er damals aber gar nicht gewesen, hatte Collins zu Lebzeiten immer wieder betont. „Ich habe mich als Teil dessen gefühlt, was auf dem Mond passiert. Ich weiß, dass ich ein Lügner oder Blödmann wäre, wenn ich sagen würde, dass ich den besten der drei Sitze von "Apollo 11" hatte, aber ich kann ehrlich sagen, dass ich zufrieden mit dem bin, den ich hatte. Die Unternehmung war für drei Männer angelegt und ich sehe mich als genauso notwendig an wie die beiden anderen.“

360 Videos werden hier nicht unterstützt. Wechseln Sie in die Youtube App, um das Video anzusehen.

US-Präsident Richard Nixon vergaß bei seiner Live-Schalte vom Weißen Haus zum Mond allerdings, Collins zu erwähnen und sprach nur zu den anderen beiden - und so ging Collins als der „vergessene Astronaut“ in die Geschichte ein. Dabei hatte er drei Jahre vor der „Apollo 11“-Mission schon an einer anderen bedeutenden Weltraumunternehmung teilgenommen - und da nicht nur als Chauffeur. Collins war Pilot der „Gemini 10“-Mission, der ersten, bei der das Raumschiff an gleich zwei Satelliten nacheinander andockte. Dabei wurde er auch der erste Mensch, der sich im All von einem Flugkörper zum anderen bewegte, und nie zuvor waren Menschen weiter von der Erde entfernt gewesen.

Schreibt "Glücklich" auf meinen Grabstein.

Michael Collins

Geboren wurde Collins 1930 in Italien als Sohn eines US-Militärattachés. Seinem Highschool-Abschluss in den USA folgte die Aufnahme in die Militärakademie und Kader-Schmiede West Point, wo er sich zum Kampfflieger und Testpiloten ausbilden ließ. 1963 schaffte es Collins in die Astronautenauswahl der Nasa.


21. Juli 1969: Der Adler ist gelandet
Hunderte Millionen Zuschauer klebten gebannt vor der Mattscheibe, um mitzuerleben, wie Neil Armstrong am 21. Juli 1969 als erster Mensch seinen Fuß auf den Mond setzte.

Nur ein Jahr nach seinem Flug zum Mond verließ er die Raumfahrtbehörde jedoch wieder und wurde Ministerialdirektor im Außenministerium. 1971 übernahm er den Direktorenposten im Nationalen Luft- und Raumfahrtmuseum in Washington. 1980 ging er in die Wirtschaft und gründete später seine eigene Firma. Außerdem schrieb Collins, der zusammengezählt mehr als elf Tage im All verbracht hat, zahlreiche Bücher über seine Reisen ins All. Der dreifache Vater bekam zahlreiche Auszeichnungen, zudem sind unter anderem ein Mondkrater und ein Zwergplanet nach ihm benannt.


Psychologe über Verschwörungstheorien zur Mondlandung
Am Samstag jährt sich nicht nur die erste bemannte Mondlandung zum 50. Mal - und auch die Verschwörungstheorien rund um die Mondlandung feiern ein rundes Jubiläum.

Im Alter zog sich Collins zurück. „Grummelig“ sei er geworden, sagte er einmal. Seine Zeit verbringe er mit „Laufen, Fahrradfahren, Schwimmen, Angeln, Malen, Kochen, Lesen, Sorgen um die Börsenwerte machen und der Suche nach einer guten Flasche Cabernet für weniger als zehn Dollar“. Als Held habe er sich nie gesehen. „Es gibt Helden, die auch gefeiert werden sollten, aber Astronauten gehören nicht dazu. Wir arbeiten hart und haben unsere Aufgabe fast perfekt erfüllt, aber dafür waren wir angestellt worden.“ Er habe Glück gehabt im Leben - und sei glücklich gewesen. „Schreibt “Glücklich„ auf meinen Grabstein.“


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Wie Luxemburg die Mondlandung erlebte
Auch im Großherzogtum fieberte man vor 50 Jahren auf das Ereignis hin, das rund 500 bis 600 Millionen Menschen vor den Fernsehbildschirmen verfolgten. Einige Zeitzeugen erinnern sich.
(FILES) In this file photo taken on July 21, 1969, a family in Paris watches as US astronaut Neil Armstrong commander of Apollo 11, sets his foot on the moon July 20, 1969 in Paris. (Photo by STR / AFP)
21. Juli 1969: Der Adler ist gelandet
Hunderte Millionen Zuschauer klebten gebannt vor der Mattscheibe, um mitzuerleben, wie Neil Armstrong am 21. Juli 1969 als erster Mensch seinen Fuß auf den Mond setzte.
Neue Grenze
Das Apollo-Programm und die Mondlandung waren eine technologische und auch politische Meisterleistung.
Sexismus bis zum Mond
Heute arbeiten nicht nur Männer im All. Auch einige Frauen waren bereits auf der ISS am Werk. Doch in Sachen Frauenquote gibt es noch Luft nach oben.
ARCHIV - 08.10.2009, Nordrhein-Westfalen, Köln: HANDOUT - Die Astronauten der Esa-AstronautenklasseTimothy Peake, Andreas Mogensen, Alexander Gerst, Luca Parmitano, (hinten, l-r) sowie Samantha Cristoforetti und Thomas Pesquet (vorn, l-r). (zu dpa: «Von Sexismus bis zum Mond: Frauenpower im Weltall») Foto: M. Koell/esa/dpa - ACHTUNG: Nur zur redaktionellen Verwendung und nur mit vollständiger Nennung des vorstehenden Credits +++ dpa-Bildfunk +++