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Sängerin Mireille Mathieu wird 75
Panorama 6 2 6 Min. 22.07.2021
Der „Spatz von Avignon“

Sängerin Mireille Mathieu wird 75

Im Nachbarland wird Mireille Mathieu als „Spatz von Avignon“ verehrt.
Der „Spatz von Avignon“

Sängerin Mireille Mathieu wird 75

Im Nachbarland wird Mireille Mathieu als „Spatz von Avignon“ verehrt.
Foto: Jens Kalaene/dpa
Panorama 6 2 6 Min. 22.07.2021
Der „Spatz von Avignon“

Sängerin Mireille Mathieu wird 75

Seit über 50 Jahren steht Mireille Mathieu auf der Bühne und singt von Liebe, Frankreich und Paris - ihre Fans sind ihr treu.

(dpa/mij) - Weder ihren Pagenkopf noch die Farbe ihres roten Lippenstifts hat Mireille Mathieu in mehr als einem halben Jahrhundert geändert. Sie sind eins mit dem Namen der Sängerin geworden, die seit den 1960er-Jahren Lieder von Liebe, Frankreich und Paris singt. Mehr Zeitlosigkeit und Beständigkeit in einer Person vereint kann es kaum geben. Daran wird sich auch nichts ändern: Die Französin, die am Donnerstag (22. Juli) 75 Jahre alt wird, fühlt sich wohl, so wie sie ist. 

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Ihre Frisur wurde oft als Helm oder klösterlicher Schnitt verspottet. Fragen, warum sie sie nicht ändert, ist sie gewöhnt. Das sei eine zeitlose Frisur und sie fühle sich in ihrer Haut wohl, sagte sie einmal in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur in Paris. In einer Welt, die immer schnelllebiger wird, scheint um sie herum die Zeit still zu stehen. Denn seit den 1960er-Jahren hat sie auch jeden Musiktrend überlebt und begeistert ihre Fans. 

Mehr als 130 Millionen Alben 

Mireille Mathieu könnte man nicht nur wegen ihrer Unverkennbarkeit und Zeitlosigkeit ein Phänomen nennen. Seit über einem halben Jahrhundert kennt man ihren Namen, ihre Stimme, ihre Lieder – und Erfolge. Mehr als 130 Millionen Alben und 55 Millionen Singles hat sie nach Angaben auf ihrer Website verkauft, rund 1.200 Chansons nahm sie in elf Sprachen auf, darunter neben Französisch auch auf Deutsch, Chinesisch und Finnisch. 

Auf Tournee geht sie regelmäßig. Im Dezember sind Konzerte in Slowenien und der Tschechischen Republik angesagt. Zu ihren Welterfolgen gehören Lieder wie „Mon Credo“ und „Paris en colère“ aus ihren Anfangsjahren, aber auch Hits wie „La Paloma adieu“, „Milles colombes“ oder „Une femme amoureuse“ aus den 1970er- und 1980er-Jahren. Im deutschsprachigen Raum eroberte sie mit Hits wie „Hinter den Kulissen von Paris“, „Akropolis Adieu“ und „Der Zar und das Mädchen“ beinahe gleichzeitig die Hitparaden. 

Doch nur wenig ist über ihr Privatleben publik geworden. Von der nur 1,58 Meter großen Französin sind fast keine Geschichten, keine Skandale bekannt: Geboren wurde sie am 22. Juli 1946 in Avignon in bescheidenen Verhältnissen. Ihr Vater war ein Friedhofssteinmetz und sie die Älteste von 14 Geschwistern. Die Liebe zur Musik hat ihr der Vater vermacht. Er sang die ganze Zeit Opernarien, wie sie sagte. Sie habe von sich selbst als Aschenputtel geträumt und den Besen als Mikrofon vor dem Spiegel benutzt. 

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Ihre ersten Auftritte hatte sie schon als Kind in der Kirche und auf Festen. Weil sie unter Legasthenie litt, verließ sie die Schule. Sie begann als Fabrikarbeiterin ihr Geld zu verdienen und nahm früh an Talentwettbewerben teil. Im Jahr 1964 gewann sie mit Edith Piafs „Jezebel“ die Ausscheidung für unbekannte Talente in Avignon. Damit begann eine kometenhafte Karriere, die über Nacht aus der einstigen Hilfsarbeiterin einen Star machte. Die Sängerin ist katholisch und konservativ. Ihre Stimme betrachtet sie als Geschenk Gottes. Sie danke ihm für dieses Geschenk, dieses Märchen, wird sie von der Frauenzeitschrift „Le Journal des Femmes“ zitiert. Sie sei sehr religiös. Sie bete jeden Tag. 

13 Geschwister 

Die Französin lebt zusammen mit ihrer Schwester Monique in einem Stadthaus im schicken Pariser Vorort Neuilly-sur-Seine. Familie ist für sie sehr wichtig. Im Jahr 2016 starb ihre Mutter, zu der sie eine enge Beziehung hatte, im Alter von 94 Jahren. Das sei ein endloser Schmerz, eine Wunde, die nicht heilen werde, erklärte sie noch Monate später. Die Mutter sei eine weise Frau gewesen, unermüdlich und immer lächelnd, so stolz auf jedes ihrer 14 Kinder. 

Sie meidet die Sonne, schläft meist neun Stunden und isst vorzugsweise Bioprodukte.

Und was die Sängerin sonst noch über sich preisgibt? Sie meidet die Sonne, schläft meist neun Stunden, isst vorzugsweise Bioprodukte, raucht nicht und trinkt (Bordeaux und Champagner) nur in Maßen. Über Liebe singt sie viel, redet aber kaum darüber. Natürlich habe es Männer in ihrem Leben gegeben. Aber ihre Privatsphäre sei ein geheimer Garten, erklärte sie bei „Figaro TV“. Vor mehr als einer Dekade wurde ihr noch von deutschen Klatschmagazinen eine Affäre mit Volksmusikstar und Moderator Florian Silbereisen – der 35 Jahre jünger ist – angedichtet. Beide verbindet aber „lediglich“ eine enge Freundschaft. Silbereisen sieht die Französin als eine seiner frühen Förderinnen an. „Herzlichen Glückwunsch, alles Gute und alles Liebe. 1.000 Küsse“ sendet er daher in der „Bild am Sonntag“ an das heutige Geburtstagskind. 


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Mathieu gehört mit ihrer gewaltigen Stimme neben Dalida und Edith Piaf gewissermaßen zum nationalen Kulturerbe Frankreichs. Im Jahr 1984 erhielt sie das Bundesverdienstkreuz für ihre Verdienste um die deutsch-französische Freundschaft, 1999 wurde sie Ritterin der Ehrenlegion in Frankreich. Zu ihren Fans gehört sogar der russische Staatschef Wladimir Putin, vor dem sie 2008 im Großen Saal des Kremlpalast gesungen hat. Eine besondere Schwäche für die kleine Französin haben die Deutschen, die die Sängerin als „Spatz von Avignon“ verehren. Rund ein Drittel ihrer Alben werden im östlichen Nachbarland verkauft. 

 Sie wisse, dass manche Leute sagen, sie sei aus der Mode, sagte sie in dem Interview weiter. Ihre Antwort darauf: Seit über 50 Jahren sei sie da und das Publikum sei ihr immer noch treu. Und diese Liebe sei die schönste Belohnung. 

 

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