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Der Mann, der König war
Panorama 3 Min. 05.01.2018 Aus unserem online-Archiv
Juan Carlos von Spanien

Der Mann, der König war

Ab und an lässt sich König Juan Carlos noch mit seiner Ehefrau, Königin Sofía, sehen.
Juan Carlos von Spanien

Der Mann, der König war

Ab und an lässt sich König Juan Carlos noch mit seiner Ehefrau, Königin Sofía, sehen.
Foto:dpa
Panorama 3 Min. 05.01.2018 Aus unserem online-Archiv
Juan Carlos von Spanien

Der Mann, der König war

Nicole WERKMEISTER
Nicole WERKMEISTER
Juan Carlos, Spaniens abgedankter Monarch, wird am 5. Januar 80 Jahre alt. Obwohl er erst vor dreieinhalb Jahren die Krone an seinen Sohn übergab, erinnern sich die Spanier kaum noch an ihn.

von Martin Dahms (Madrid)

Hin und wieder lässt sich Juan Carlos de Borbón y Borbón-Dos Sicilias noch mit seiner Ehefrau Sofía de Grecia in der Öffentlichkeit blicken. Im Mai vergangenen Jahres reiste das ehemalige spanische Königspaar gemeinsam nach Oslo, um den 80. Geburtstag des norwegischen Königs Harald V. mitzufeiern. Es war ein großes Fest mit 300 Gästen, darunter etlichen gekrönten, aus halb Europa. Eingeladen hatte die norwegische Regierung, die ihren Monarchen aller Ehren wert fand. Juan Carlos überkam der Neid. So würde er auch gerne gefeiert werden.

Eine bedeutende Regentschaft

Juan Carlos, der vor dreieinhalb Jahren seinen Rückzug vom spanischen Thron zugunsten seines Sohnes Felipe erklärte, aber weiter den Titel eines Königs trägt, wird heute ebenfalls 80 Jahre alt, doch auf öffentliche Huldigungen muss er verzichten. Immerhin soll es im Zarzuela-Palast bei Madrid ein Essen im Kreis der Familie geben. Wenn stimmt, was aus dem verschwiegenen Königshaus hin und wieder nach außen dringt, vertragen sich die Borbóns nur mäßig gut. Außer zu seiner ältesten Tochter Elena und deren Kindern hat Juan Carlos offenbar nicht mehr allzu viel Kontakt zu seinen Angehörigen. Ein Fest zum Achtzigsten im großen Familienkreis wäre da fast eine Sensation.

Dabei war Juan Carlos einmal ein großer König. Einer, an dem kein Geschichtsbuch über Spaniens 20. Jahrhundert vorbeikommen kann. Sein später Ruhm war ihm nicht an der Wiege gesungen. Er kam am 5. Januar 1938 in Rom zur Welt, wohin sich seine Familie ins Exil zurückgezogen hatte, nachdem sein Großvater, König Alfonso XIII., sechs Jahre zuvor in Madrid aus dem Amt gejagt worden war. Als Juan Carlos geboren wurde, wütete in Spanien seit anderthalb Jahren ein Bürgerkrieg, angezettelt von rechten Militärs unter General Francisco Franco, die schließlich mit Hitlers und Mussolinis Unterstützung die spanische Republik in die Knie zwangen. Franco erklärte sich nach seinem Sieg im April 1939 zum Alleinherrscher, der er bis zu seinem Tod am 20. November 1975 blieb. Für seine Nachfolge war es Franco eingefallen, Juan Carlos zu benennen.

Der damals 38-jährige „Prinz von Spanien“ wurde am 22. November 1975 auf den jahrzehntelang verwaisten spanischen Thron gehoben. Was dem jungen König von Francos Gnaden damals kaum einer zutraute: Er half in den kommenden Jahren kräftig mit, Spanien auf den Weg zur Demokratie zu bringen. Mit der Verabschiedung der Verfassung von 1978 war das Werk vollbracht. Einmal noch musste Juan Carlos eingreifen, als er am 23. Februar 1981 entscheidend dazu beitrug, einen Putschversuch von Militärs und Guardia-Civil-Polizisten zu stoppen. Juan Carlos war der König der Demokratie. Die Spanier mochten ihren Monarchen und sahen ihm vieles nach: vor allem, dass er einst als Jugendlicher beim Spiel mit einer Waffe seinen jüngeren Bruder erschossen hatte und trotzdem sein Leben lang gern auf die Jagd ging. Auch von seinen außerehelichen Eskapaden wollte das Volk nichts wissen.

Von der Bildfläche verschwunden

Erst als Spanien 2008 in eine schwere Wirtschaftskrise stürzte, änderte sich der Blick auf Juan Carlos. Eine inopportune Elefantenjagd in Botswana im Jahr 2012, bei der sich der König von seiner „innigen Freundin“, der Deutschen Corinna zu Sayn-Wittgenstein, begleiten ließ, verärgerte viele Spanier so nachhaltig, dass es Juan Carlos vorzog, im Juni 2014 abzudanken. Seitdem ist von ihm in Spanien nicht mehr viel zu hören. Von seiner Frau, Königin Sofía, lebt er offenbar getrennt, auch wenn es dafür keine offizielle Bestätigung gibt. Im Juli vergangenen Jahres ließ er sich bei einem Ausflug nach Irland in Begleitung einer langjährigen Freundin aus Mallorca fotografieren. Es kümmert kaum noch jemanden. Gesundheitlich geht es ihm offenbar wieder besser als vor ein paar Jahren, die Freizeit vertreibt er sich beim Segeln. Die Politik „verfolge ich aus der Nähe“, sagte er vor kurzem einem „El País“-Reporter, aber Einfluss nimmt er allem Anschein nach nicht mehr. Nichts wäre bekannt davon, dass König Felipe noch auf den Rat seines Vaters hörte. Juan Carlos ist ein fast vergessener Privatmann. Einer, der mal König war.



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