Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Der Fingerabdruck von Raucherkrebs
Panorama 2 Min. 06.12.2016 Aus unserem online-Archiv
Molekulare Veränderungen im Erbgut

Der Fingerabdruck von Raucherkrebs

Das Rauchen hinterlässt ganz bestimmte Spuren in den Genen, die jetzt nachgewiesen werden konnten.
Molekulare Veränderungen im Erbgut

Der Fingerabdruck von Raucherkrebs

Das Rauchen hinterlässt ganz bestimmte Spuren in den Genen, die jetzt nachgewiesen werden konnten.
Foto: Shutterstock
Panorama 2 Min. 06.12.2016 Aus unserem online-Archiv
Molekulare Veränderungen im Erbgut

Der Fingerabdruck von Raucherkrebs

Manon KRAMP
Manon KRAMP
Dass Rauchen Krebs verursachen kann, ist bekannt. Nun haben Forscher untersucht, welche Gene der Tabakrauch beeinflusst. In ihrer Studie veröffentlichen sie erschreckende Zahlen.

(dpa) - Das Rauchen einer Schachtel Zigaretten täglich verursacht pro Jahr im Schnitt rund 150 Mutationen in jeder Lungenzelle. Das geht aus einer im Fachmagazin „Science“ veröffentlichten Untersuchung hervor. Demnach haben Forscher des National Laboratory in Los Alamos (New Mexico, USA) und des Wellcome Trust Sanger Institute (Hinxton, England) spezielle Veränderungen des Erbguts in Krebstumoren von Rauchern entdeckt. Fünf Mutationsmuster kommen besonders häufig vor.

Die Zahl der Mutationen in der DNA hängt der Studie zufolge von der Zahl der gerauchten Zigaretten und dem Organ ab. Mit rund 150 Mutationen pro Zelle ist die Lunge am stärksten betroffen. „Bislang hatten wir eine Vielzahl epidemologischer Hinweise auf die Verbindung zwischen Rauchen und Krebs. Jetzt können wir die von Zigaretten verursachten molekularen Veränderungen in der DNA endlich überprüfen und quantifizieren“, sagte Erstautor Ludmil Alexandrow vom National Laboratory.

Neben der Lunge gibt es auch in anderen Organen Veränderungen. Im Kehlkopf etwa treten bei einer Schachtel Zigaretten am Tag im Jahr im Schnitt zusätzlich 97 Mutationen pro Zelle auf, in der Rachenhöhle 39, im Mund 23. Auch Organe wie die Harnblase (18 Mutationen) und die Leber (sechs Mutationen), die nicht direkt mit dem Tabakrauch in Berührung kommen, sind betroffen.

Auffällige Mutationsmuster

Die Forscher untersuchten mehr als 5 000 Krebstumore und verglichen solche von Rauchern mit solchen von Menschen, die noch nie geraucht hatten. Dabei fanden sie im Erbgut von Rauchertumoren bestimmte molekulare Fingerabdrücke. Konkret identifizierten sie bei den 17 Krebsarten, deren Risiko durch Rauchen steigt, mehr als 20 Mutationsmuster. Fünf davon brachten die Forscher mit Krebs von Rauchern in Zusammenhang.

Eine Variante, „Signatur 4“, tauchte hauptsächlich in jenen Organen auf, die direkt mit dem Tabakrauch in Verbindung kommen – etwa der Lunge oder dem Kehlkopf. Andere führten die Forscher auf die Aktivität eines bestimmten Enzyms zurück, von dem man weiß, dass es Mutationen auslöst. „Signatur 5“, deren Ursprung unklar ist, wurde bei allen durch Rauchen verursachten Krebstypen entdeckt.

Tabakrauch enthält der Studie zufolge mehr als 7 000 Chemikalien, von denen über 70 krebserregend sind. Mindestens sechs Millionen Menschen sterben demnach jedes Jahr an den Folgen des Rauchens. Falls der aktuelle Trend sich fortsetze, würden der Weltgesundheitsorganisation zufolge bis Ende des Jahrhunderts mehr als eine Milliarde Menschen an den Folgen des Tabakkonsums sterben. Vollständig ist die Ursache des Krebsrisikos bei Rauchern noch immer nicht entschlüsselt. Vor allem bei jenen Organen, die nicht mit dem Rauch in Berührung kommen, bestehen Unklarheiten. „Unsere Forschung macht deutlich, dass der Weg, wie Rauchen Krebs verursacht, noch komplexer ist als gedacht“, sagte Mike Stratton vom „Wellcome Trust Sanger Institute“.

Aufhören lohnt sich immer

Bekannt ist, dass das Risiko für die meisten Krebsarten schon nach einigen Jahren Rauchverzichts deutlich sinkt. Nach einer Dekade hat der Ex-Raucher nur noch ein halb so hohes Risiko für Lungenkrebs, wie wenn er weitergeraucht hätte. Bis das Niveau eines Nichtrauchers erreicht ist, soll es aber 20 bis 30 Jahre dauern.

Eine Studie des Luxemburger Meinungsforschungsinstituts TNS Ilres ergab, dass 2015 rund 98 490 Einwohner rauchten, davon 70 350 regelmäßig. Besonders jüngere Menschen qualmen trotz Rauchverbot in Cafés weiterhin viel und auch das ebenfalls gesundheitsschädliche Shisha-Rauchen ist bei ihnen beliebt.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Jeder fünfte Luxemburger über 15 Jahre greift regelmäßig zum Glimmstängel. Besorgniserregend: die Anzahl von jungen Rauchern steigt wieder.
13.02.2009 Zigarette, Rauchen, Tabak, Gesundheit, Foto: Serge Waldbillig
Eine gesunde und ausgewogene Ernährung ist gerade im Winter das A und O: So lassen sich die Abwehrkräfte stärken und Infekte vermeiden. Manche Lebensmittel tun dem Körper ganz besonders gut.
Zum Themendienst-Bericht «Gesund durch den Winter · Welche Lebensmittel die Abwehrkraft stärken» von Sabine Meuter vom 16. November 2016: Vitaminbombe: Um die Abwehrkräfte zu stärken, benötigt der Körper viel Vitamin C.
(Archivbild vom 07.08.2011/Nur zur redaktionellen Verwendung durch Themendienst-Bezieher.) 
Foto: Mascha Brichta
Weniger essen, mehr bewegen
Fürs neue Jahr stehen mal wieder jede Menge guter Vorsätze ins Haus: Ein paar Kilo abnehmen, mehr Sport treiben, gesünder essen ... Damit dies gelingt, sollte man laut Experten nichts überstürzen und jetzt schon anfangen.
Stoffwechselstörung
PCOS ist eine Krankheit der Eierstöcke, die nicht zuletzt das Aussehen einer jungen Frau verändert. Je früher Betroffene zum Gynäkologen gehen, desto besser - denn unbehandelt birgt die Krankheit viele Risiken.
Zum Themendienst-Bericht von Sabine Meuter vom 23.11.2016: Schnell zum Arzt: PCOS wird mit der Zeit immer schlimmer. Betroffene sollten daher so schnell wie möglich mit der Therapie beginnen. 
(Archivbild vom 29.05.2012/Nur zur redaktionellen Verwendung durch Themendienst-Bezieher im Zusammenhang mit dem genannten Text.) 
Foto: Monique Wüstenhagen
Der Umgang mit psychischen Krankheiten wird offener. Junge Menschen verstehen die Störungsbilder aber falsch – und feiern sie gar im Internet. Das ist gefährlich.
s
Mittlerweile weiß es jedes Kind: Rauchen kann Krebs - und viele andere Krankheiten - verursachen. Doch warum eigentlich? Wie hoch ist das Krebsrisiko für Raucher tatsächlich und welche Effekte bringt das Aufhören?
03.03.08 illustration,   conference de presse de la fondation lux. contre le cancer" les habitudes tabagiques au Luxembourg", Rauchen, frauen beim Rauchen, cigarette, zigarette, nikotin, photo: Marc Wilwert