Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Dem Himmel so nah
Das Gran Telescopio Canarias (GTC) auf dem Roque de Los Muchachos. Mit 10,4 Meter Durchmesser handelt es sich seit 2007 um das größte optische Infrarot-Spiegelteleskop der Welt.

Dem Himmel so nah

Foto: dpa
Das Gran Telescopio Canarias (GTC) auf dem Roque de Los Muchachos. Mit 10,4 Meter Durchmesser handelt es sich seit 2007 um das größte optische Infrarot-Spiegelteleskop der Welt.
Panorama 4 Min. 11.09.2018

Dem Himmel so nah

Wohl kaum irgendwo in Europa ist der Nachthimmel so dunkel wie auf den Kanaren. La Palma schützt ihn sogar mit einem Gesetz. Auf der Insel forschen Astronomen aus aller Welt mittels riesiger Teleskope.

(dpa) - Steil geht es in die Höhe. Als das Auto an roten Felswänden entlang dem Roque de los Muchachos zustrebt, tauchen seltsame Gebilde auf. Weiße und silberne Kugeln, daneben Stahlkonstruktionen mit gigantischen Spiegeloberflächen. Sind Außerirdische gelandet? Das nicht, aber immerhin wird hier, auf der Kanareninsel La Palma, nach ihnen gesucht.

Ein Teil der Teleskope der Sternwarte auf dem Roque de los Muchachos.
Ein Teil der Teleskope der Sternwarte auf dem Roque de los Muchachos.
Foto: dpa

Die Luft  ist kristallklar, der Himmel leuchtet in tiefem Dunkelblau. "Wie eine Exkursion zum Mond", schwärmt eine deutsche Urlauberin. Kaum ein anderer Ort in Europa ist bei Astronomen und Sternguckern so beliebt wie die zu Spanien gehörende Inselgruppe im Atlantik, und hier speziell Teneriffa und die kleinere Schwester La Palma. "Die Wolkenschicht wird hier in 700 bis 1 500 Metern Höhe geformt, was mit den aus Nordost wehenden Passatwinden zu tun hat", erklärt die Astronomin Elena Nordio. Die Wolken schaffen es meist nicht, den massiven Gebirgszug der Cumbres, der das Eiland längs durchzieht, zu überwinden. Am höchsten Punkt des Gebirges, dem 2 426 Meter hohen Roque de los Muchachos, liegen sie wie ein Schneefeld tief unten.


Ein Kosmonaut in Luxemburg: 803 Tage im Weltraum
Er gehört zum elitären Kreis der erfahrensten Weltraumfahrer aller Zeiten und war vergangene Woche in Luxemburg zu Besuch. Das „Luxemburger Wort“ hat ihn begleitet und sich mit ihm über seine Erfahrungen als Kosmonaut und die bemannte Raumfahrt unterhalten.

Kaum Lichtverschmutzung

Von Luftunruhen ungetrübt ist der Himmel hier so rein, dass er nur an weit entfernten Orten wie Chile oder Hawaii ein Pendant findet. Zudem gibt es kaum nennenswerte Industrie und auch keine Großstadt – und somit wenig Lichtverschmutzung. Kein Wunder, dass der Roque de los Muchachos als Standort für "eine der umfangreichsten Teleskop-Flotten der ganzen Welt" ausgewählt wurde, wie auf der Webseite der Sternwarte zu lesen ist. Imposante Teleskope reihen sich aneinander, erschaffen und betrieben von Experten aus vielen Ländern, die ferne Planeten, Schwarze Löcher, Supernovae und sonstige Himmelsphänomene erforschen.

Dazu gehören Gammastrahlen-Teleskope, die aussehen wie kolossale Satellitenschüsseln. Der Prototyp einer neuen Generation dieser sogenannten Tscherenkow-Teleskope wird gerade gebaut und soll im Herbst eingeweiht werden. Er ist Teil des geplanten CTA-Observatoriums, dessen zweiter Standort die Paranal-Anlage in Chile ist. Sein Durchmesser beträgt 23 Meter, die gesamte Spiegelfläche umfasst etwa 390 Quadratmeter. Forscher erhoffen sich Einblicke in Phänomene wie gewaltige Explosionen und Kollisionen von Sternen und anderen Himmelskörpern.

Ein noch unfertiges Gammastrahlen-Teleskop, das gerade auf dem Roque de los Muchachos gebaut wird. Das sogenannte Tscherenkow-Teleskop hat einen Durchmesser von gut 23 Metern und soll im Herbst eingeweiht werden. Diese Art der Teleskope misst energiereiche Gammastrahlen und gewährt Einblicke in Phänomene wie gewaltige Explosionen und Kollisionen von Sternen mit anderen Himmelskörpern.
Ein noch unfertiges Gammastrahlen-Teleskop, das gerade auf dem Roque de los Muchachos gebaut wird. Das sogenannte Tscherenkow-Teleskop hat einen Durchmesser von gut 23 Metern und soll im Herbst eingeweiht werden. Diese Art der Teleskope misst energiereiche Gammastrahlen und gewährt Einblicke in Phänomene wie gewaltige Explosionen und Kollisionen von Sternen mit anderen Himmelskörpern.
Foto: dpa

Hauptattraktion derzeit ist das "Gran Telescopio Canarias" (GTC). Mit 10,4 Metern Durchmesser handelt es sich um das größte optische Infrarot-Spiegelteleskop der Welt. Demnächst allerdings wird das GTC seinen Status verlieren, denn in der Atacama-Wüste in Chile entsteht das "Extremely Large Telescope" (ELT) mit einem Hauptspiegel von spektakulären 39 Metern. Voraussichtlich wird es aber erst 2024 eingeweiht. So lange hält La Palma wohl seinen Rekord.

Forscher werten hier Daten aus, die das Teleskop ihnen nachts liefert. Wenn es dunkel wird, öffnet sich die silberne Kugel wie ein Schlund. "Es ist, als ob sich ein Fenster zum Universum auftut", haucht eine Besucherin. Um zu verstehen, wie akribisch die Anlage in den Kosmos schaut, zieht Elena Nordio einen Vergleich: "Man könnte von hier aus das Licht einer einzelnen Kerze in New York sehen", sagt sie. Dann folgt eine Anekdote: Gesäubert werde das empfindliche Gerät mit Baby-Shampoo.


Helden, Technik und Träume: Russland feiert 60 Jahre „Sputnik“-Flug
Der Schock aus dem All war ein Piepston. Vor 60 Jahren läutete die Sowjetunion mit dem Satelliten „Sputnik 1“ das Zeitalter der Raumfahrt ein. Wohin steuert die Raumfahrtnation Russland heute?

Einblick in fremde Galaxien

Die bislang wichtigste Errungenschaft des GTC war 2016 der tiefste Einblick in eine ferne Galaxie, der von der Erde aus erreicht wurde – 500 Millionen Lichtjahre von unserem Planeten entfernt. "Aber es gab viele relevante Entdeckungen, wie etwa die von Schwarzen Löchern oder von Planeten, die nicht unserem Sonnensystem angehören", erläutert Nordio. Der klare Himmel von La Palma sei eben wirklich besonders. "Viele Touristen kommen extra deshalb her, der hiesige Nachthimmel ist zu einem Symbol geworden – und Astro-Tourismus wird immer populärer." Um eine freie Sicht ohne Lichtverschmutzung zu gewährleisten, wurde 1988 ein Himmelsgesetz (Ley del Cielo) erlassen, das weltweit erste. Unter anderem wurde die weiße Straßenbeleuchtung durch spezielle orangefarbene Natrium-Lampen mit reduzierter Intensität ersetzt. Leuchtreklamen sind strengen Kontrollen unterworfen.

Ausblick vom Roque de los Muchachos, mit 2426 Metern der höchste Punkt von La Palma. Hier ist der Himmel immer extrem klar, da die Wolkenschicht auf der Kanareninsel in 700 bis 1500 Metern gebildet wird. Die Wolken schaffen es meist nicht, den massiven Gebirgszug der Cumbres zu überwinden (links im Hintergrund im Bild).
Ausblick vom Roque de los Muchachos, mit 2426 Metern der höchste Punkt von La Palma. Hier ist der Himmel immer extrem klar, da die Wolkenschicht auf der Kanareninsel in 700 bis 1500 Metern gebildet wird. Die Wolken schaffen es meist nicht, den massiven Gebirgszug der Cumbres zu überwinden (links im Hintergrund im Bild).
Foto: dpa

Im April 2012 wurde La Palma als erste "Starlight Reserve" der Erde anerkannt. Das Gebiet umfasst die gesamte Insel sowie Teile des Meeres. Die himmlischen Attraktionen sind inzwischen allseits präsent: Mehr als ein Dutzend "Miradores astronómicos" – astronomische Aussichtspunkte – wurden in den vergangenen Jahren eingerichtet, die über Straßen oder Wanderwege zu erreichen sind.

Verbindung zum Kosmos

"Polaris – 4.077.487.635.167.800 Kilometer", steht auf einem Wegweiser. Eine Zahl, die die unermesslichen Maßstäbe des Kosmos ins rechte Licht rückt. "Die Menschen suchen gerade heute nach dieser Verbindung zum Kosmos und wollen das Universum besser verstehen", sagt Nordio. Die allerhäufigste Frage ihrer Gäste sei: Sind wir alleine im Universum?

Wie sie selbst darüber denkt? "Das Universum ist groß, es muss andere Lebensformen geben", lächelt die Astronomin. "Aber wir haben keinen Beweis dafür. Noch nicht." 

www.iac.es


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Wie Kosmonauten auf der ISS wählen
Wenn Russland an diesem Sonntag seinen Präsidenten wählt, will auch der Kosmonaut Anton Schkaplerow auf der Internationalen Raumstation ISS abstimmen.
Die ISS
Tiefer Blick ins All: 25 Jahre Weltraumteleskop „Hubble“
Seit einem Vierteljahrhundert liefert das Weltraumteleskop „Hubble“ der Wissenschaft eine Vielzahl erstaunlicher Erkenntnisse und begeistert die Öffentlichkeit mit immer neuen Einblicken in unser Universum. Hier eine Auswahl fantastischer Bilder.