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Das digitale Baby: Wie Apps jungen Eltern helfen können
Panorama 2 Min. 12.06.2016 Aus unserem online-Archiv

Das digitale Baby: Wie Apps jungen Eltern helfen können

In Sachen Baby-Apps empfehlen Experten: Weniger ist mehr. Eltern sollten genau überlegen was sinnvoll und auch fürs Baby gut ist.

Das digitale Baby: Wie Apps jungen Eltern helfen können

In Sachen Baby-Apps empfehlen Experten: Weniger ist mehr. Eltern sollten genau überlegen was sinnvoll und auch fürs Baby gut ist.
Foto: dpa
Panorama 2 Min. 12.06.2016 Aus unserem online-Archiv

Das digitale Baby: Wie Apps jungen Eltern helfen können

„Tracking“ gleich nach der Geburt: Per Baby-App können Eltern die Entwicklung ihres Nachwuchses festhalten. Experten sehen das skeptisch. Sind die digitalen Tagebücher nützliche Helfer oder doch eher Überwachung am Baby-Bett?

(dpa) - Windel-Zähler, Stillzeit-Stopper, Gewichtsstatistik: Mit Apps können Eltern auf ihren Smartphones alles Mögliche festhalten. Was ihr Nachwuchs verbraucht, ob er zunimmt oder was er lernt. Anbieter der Apps werben sogar mit der Möglichkeit, eine „lückenlosen Statistik“ über das Kind erstellen zu können. 

Hebammen und Mediziner sehen die digitalen Tagebücher mit gemischten Gefühlen: Sie taugen zwar, um beispielsweise den Alltag mit einem Neugeborenen zu strukturieren oder Größe und Gewicht festzuhalten. Echte Fragen sollten aber mit echten Menschen geklärt werden.

Die Gefahren des „Tracking“

Das Handy kann 24 Stunden am Tag befragt werden - Ärzte und Hebammen nicht. Schon während der Schwangerschaft können Frauen durch Info-Apps verfolgen, was in ihrem Bauch passiert. 

Dies birgt jedoch die Gefahr, dass sie dann beim Arzt weniger Fragen stellen. Außerdem ist ein großer Teil der angebotenen Schwangerschaft-Apps von Firmen programmiert und deshalb vollgestopft mit Werbung.

Ist das Baby dann auf der Welt, können manche Apps aber auch zu nützlichen Helfern werden: Gerade beim ersten Kind können Eltern damit die Organisation rund um den Säugling gut im Blick behalten. 

So kann man sich zum Beispiel besser merken, mit welcher Seite man aufgehört hat zu stillen. Oder schnell nachsehen, wenn der Kinderarzt fragt, wie viele Windeln das Kind gebraucht hat. Für dringende medizinische Fragen sind die Apps aber auf keinen Fall geeignet.

Überwachung durch Technologie

Seinen Nachwuchs zu „tracken“, also die Entwicklung digital festzuhalten, finden App-Experten dann angebracht, wenn es einem medizinischen Zweck dient. So könnten zum Beispiel die Schlafparameter des Babys überwacht werden, wenn es ein Risiko für den plötzlichen Kindstod gebe.

Sonst sei es oft wie in anderen Bereichen des Alltags: Was früher in der analogen Welt lief, wird heute auf digitale Helfer übertragen. Früher wurden Größenzuwachs und Datum am Türrahmen mit Bleistift markiert. Wird so etwas nun per Smartphone dokumentiert, ist dies genauso harmlos. Eine Überwachung durch Technologie kann unterstützend wirken. Sie ist aber nicht primär das, was die Bedürfnisse des Kindes befriedigt. Eltern sollten sich deshalb immer mehr auf ihr Bauchgefühl verlassen.

Weniger ist mehr

Im Prinzip gilt das Gleiche, was Experten Eltern auch bei Postings in sozialen Medien nahelegen, wenn es um den Nachwuchs geht: Weniger ist mehr. Vor allem, wenn die Kinder noch nicht selbst „Ja“ und „Nein“ sagen könnten.

Bei all den Möglichkeiten, die Tracking bietet, sollten Mütter und Väter sensibel mit den Belangen ihrer Kinder umgehen - vor allem wenn App-Anbieter vorschlagen, die Daten in Online-Speichern zu sichern. 

Wird ein Anbieter aufgekauft, könne es gerade bei ausländischen Firmen vorkommen, dass Nutzerdaten und erfasste Gesundheitsdaten weitergegeben werden. Experten warnen davor, dass sich dadurch später Nachteile für den Nachwuchs ergeben könnten. Beispielsweise wenn es um Daten im Kontext bestimmter Erkrankungen beim Abschluss von Versicherungen geht.