Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Corona: Wenn ein Huster viel verrät
Panorama 3 Min. 12.11.2020

Corona: Wenn ein Huster viel verrät

Am Husten sowie an der Stimme kann Künstliche Intelligenz womöglich zukünftig Corona-Infektionen erkennen.

Corona: Wenn ein Huster viel verrät

Am Husten sowie an der Stimme kann Künstliche Intelligenz womöglich zukünftig Corona-Infektionen erkennen.
Foto: Shutterstock
Panorama 3 Min. 12.11.2020

Corona: Wenn ein Huster viel verrät

Sarah SCHÖTT
Sarah SCHÖTT
Ein Projekt des Luxembourg Institute of Science and Technology beschäftigt sich mit neuen Corona-Diagnosemethoden.

Es könnte so einfach sein: ein Anruf, einmal husten – und schon weiß man, ob man mit dem Corona-Virus infiziert ist. Um dies Wirklichkeit werden zu lassen, arbeitet das Luxembourg Institute of Science and Technology (LIST) aktuell an dem Projekt CDCVA.

Die Abkürzung steht für „Covid-19 Detection by Cough and Voice Analysis“. Ziel dieses Projektes ist es, mittels Künstlicher Intelligenz (KI) eine kontaktlose Diagnose zu erlauben – anders als etwa die bisher gängigen  nukleinsäurebasierten Identifikationsverfahren oder Antikörpertests. „Diese Methoden bedürfen einer physischen Konsultation, was das Infektionsrisiko für das Personal und die Patienten erhöht und viele Ressourcen des Gesundheitssystems in Anspruch nimmt“, erklärt Muhannad Ismael, Leiter der Studie. 


HANDOUT - 02.09.2020, Rheinland-Pfalz, Mainz: Ein Mitarbeiter des Biotechnologie-Unternehmens Biontech arbeitet in einem Labor.   (zu dpa «Kurz vor Antrag für Corona-Impfstoff: Biontech legt Zahlen vor») Foto: Biontech/dpa - ACHTUNG: Nur zur redaktionellen Verwendung im Zusammenhang mit der aktuellen Berichterstattung und nur mit vollständiger Nennung des vorstehenden Credits +++ dpa-Bildfunk +++
Deutsches Start-up verheißt Durchbruch bei Corona-Impfung
Aus Mainz kommen hoffnungsvolle Nachrichten in Sachen Corona-Impfung. Nicolas Schmit hat verkündet: 200 bis 300 Millionen Impfdosen sollen in Europa verbleiben.

Auch an anderen Universitäten, etwa in Cambridge oder an der Carnegie Mellon, sei man dabei, ähnliche Projekte zu entwickeln. Bereits fertige Anwendungen gebe es bislang aber noch nicht.

Veränderte Stimme

Durch das Forschungsprojekt CDCVA, das vom Fonds National de la Recherche gefördert wird und in Kooperation mit der Universität Luxemburg und dem Luxembourg Institute of Health (LIH) durchgeführt wird, soll ein System entwickelt werden, das mögliche Infektionen mit dem Corona-Virus auf Basis stimmlicher Veränderungen erkennen kann. „Die Atemwegsprobleme, die mit Covid-19 in Verbindung stehen, wie etwa trockener Husten, Halsschmerzen, Atemnot und Kurzatmigkeit, können die Stimme der Patienten verändern und so erkennbare Signale darstellen, die über unser System identifiziert werden könnten“, so der Forscher weiter. 


Altenheime haben sich gegen das Virus gerüstet
Trotz hoher Infektionszahlen gehen die Institutionen gelassener mit der zweiten Welle um. Sowohl Bewohner als auch Personal haben ihre Lehren gezogen.

Zur Durchführung des Projektes und zur Verbesserung des Systems benötigen die Wissenschaftler möglichst viele Stimm- und Hustproben von gesunden und erkrankten Personen, um das System der Künstlichen Intelligenz weiterzuentwickeln. Die Proben dienen dazu, bestimmte Stimm- und Hustenmarker zu identifizieren, damit das System diese dann später erkennen kann. Um so viele Proben wie möglich zu bekommen und in die Entwicklung mit einzubeziehen, hat das LIST einen Aufruf gestartet und sucht nun Freiwillige, die auf einer Internetseite Stimm- und Hustproben zur Verfügung stellen.

Suche nach entscheidenden Merkmalen

Neben den Audiodaten werden demografische und medizinische Informationen gesammelt. Teilnehmen können Interessierte über den Computer oder das Telefon. Dabei müssen sie sowohl husten als auch einige Sätze wiederholen. Eine Diagnose erfolge aber nicht, ebenso wenig gebe es medizinische Ratschläge, wie es auf der entsprechenden Internetseite heißt.


Club “Apoteca“
Diskotheken in der Corona-Krise
Seit Monaten steht das Nachtleben still. Clubs haben ein massives Problem: Die Fixkosten laufen weiter und bei der staatlichen Hilfe fallen sie durch das Raster.

Nach der Erfassung der Daten werden die Aufnahmen verarbeitet und beispielsweise störende oder irrelevante Geräusche entfernt. Anschließend geht es darum, die Merkmale herauszufinden und auszuwählen, die für eine mögliche Infektion relevant sein können. 

In einem letzten Schritt werden Ansätze erarbeitet, wie eine Künstliche Intelligenz dank der zuvor erstellten Merkmale eine Corona-Erkrankung auf Basis von Audiosignaturen erfassen kann.

Zuerst nur Trainingsdaten

Das System hinter der Vorgehensweise basiere auf einem mathematischen Ansatz, durch den die spezifischen Hustsignale gesunder und erkrankter Personen herausgefiltert werde, wie Muhannad Ismael erklärt. „Diese Charakteristiken, wir sprechen auch von ,Trainingsdaten‘, nutzt unser Klassifikationssystem und entwickelt ein KI-Modell. Dieses Modell kann dann auch Entscheidungen bei Daten treffen, mit denen es vorher nicht ,trainiert‘ hat.“


Shutterstock - Depression- Suizid
Corona-Krise hat keinen Einfluss auf Zahl der Suizide
Im Vergleich zu den Zahlen aus den Vorjahren sei, laut Gesundheitsministerium, kein Anstieg bei den Selbsttötungen zu verzeichnen.

Die Idee hinter dem Projekt ist nicht ganz neu, wie der Forscher verrät: „Es gibt bereits andere Studien, die eine Tonanalyse nutzen, um etwa anhand der Stimme einer Person zu erkennen, ob sie von einem Schnupfen betroffen ist. Diese Studien zeigen das Potenzial, das die künstliche Intelligenz im Bereich des Aufspürens von Krankheiten über die Stimme haben kann.“

Nähere Informationen finden Sie hier. Zur Umfrage gelangt man hier.

Folgen Sie uns auf Facebook und Twitter und abonnieren Sie unseren Newsletter.